Früher war es eine Traditionsgaststätte, später ein Hotel samt hübschem Außengelände. Jetzt haben Bürger aus Oberaichen Ideen entwickelt, wie sie zumindest den Biergarten aus dem Dornröschenschlaf holen wollen.
Oberaichen - Langsam kehrt etwas Leben zurück – in und um das Oberaichener Bahnhöfle. Insgesamt 54 Menschen haben vergangenen Freitag in dem Haus, das direkt am S-Bahnhof Oberaichen liegt, und zuletzt den Namen Maestral trug, ihre Corona-Schutzimpfung und den Einmal-Impfstoff Johnson & Johnson erhalten. Die Malteser vom mobilen Team des Kreisimpfzentrums haben gemeinsam mit Mitarbeitern der städtischen Amtes für soziale Dienste eine Impfstraße aufgebaut und das leer stehende Hotel samt Biergarten genutzt, um den Bewohnern der städtischen Flüchtlingsunterkunft Steinbeisstraße ein Impfangebot zu unterbreiten.
Ein loser Zusammenschluss Oberaichener Bürger, zu der auch CDU-Stadträtin Ilona Koch gehört, will derweil „ungenutzte Plätze im Ort nutzen“. Die Gruppe spielt mit dem Gedanken in „dem wunderschönen Biergarten“ des Bahnhöfles jeweils im August, im September und im Oktober eine coronakonforme Veranstaltung mit Essen, Trinken und etwas Musik anzubieten. Die Stadt, als Eigentümerin, sei da sehr offen, sagt Koch. Solange niemand das Innere des Gebäudes nutzt. Denn dieses entspreche in Sachen Brandschutz nicht mehr den heutigen Anforderungen. In den kommenden Wochen wollen Koch und ihre Mitstreiter auf ortsansässige Betriebe wie die Bäckerei, Italiener und andere Gastronomie-Betreiber zugehen und über eine mögliche Bewirtung der Veranstaltungen sprechen.
Kleiner Ersatz für das große Open Air
Auch die Bürgergemeinschaft Oberaichen (BGO) hat das Außengelände des ehemaligen Hotels in den Blick genommen. Der Verein würde dort gerne Mitte September eine Ersatz-Veranstaltung für sein Open Air, zu dem in anderen Zeiten bis zu 1600 Leute kamen, anbieten. Freilich mit deutlich weniger Gästen und nur dann, wenn es die dann gültige Corona-Verordnung auch zulässt. Das Open Air war für den 10. Juli geplant, muss aber wegen der Pandemie nun zum zweiten Mal in Folge ausfallen. „Der Biergarten hat nur einen Eingang“, erklärt BGO-Chef Kurt Alber. Der Zugang wäre dort also gut kontrollierbar. „Problem ist, dass die Toiletten, die im Inneren des Gebäudes liegen, nicht genutzt werden können.“
Der BGO ist es so oder so ein Anliegen, das Bahnhöfle zu erhalten. Sie finden: Die Oberaichener sollten dieses Haus weiter für sich nutzen können: als Gaststätte, als Räume für Vereine und Bildungseinrichtungen, für Ausstellungen, ähnlich wie es in Leinfelden mit dem Leinfelder Haus gelebt wird. Dafür hatte die Bürgergemeinschaft vergangenes Jahr Unterschriften gesammelt.
Das Bahnhöfle hatte sich über Jahre hinweg von einer Traditionsgaststätte zu einem Hotel mit Restaurant entwickelt. Der Pächter musste seinen Betrieb dann aber aus gesundheitlichen Gründen schließen. Im März 2020 hatte die Stadt das Haus samt Grundstück per Eilentscheidung gekauft. Die Kommune wollte damals im Obergeschoss Alleinerziehende unterbringen, die mit ihren Kindern sonst obdachlos wären. Für das Erdgeschoss gab es die Idee, dort weiter eine Gaststätte zu betreiben und dafür einen neuen Pächter zu finden.
Wohnungsmarkt hat sich etwas entspannt
Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell beschreibt die Hotelzimmer als „schön und ordentlich“. Da müsse man nicht viel renovieren, allerdings eine Küchenzeile einrichten. Wegen der Coronakrise seien die Obdachlosenzahlen zuletzt stark zurückgegangen. Der Wohnungsmarkt habe sich etwas entspannt. „Es gibt wieder Wohnungen, die wir vermitteln können“, sagt er. Mancher Airbnb-Vermieter hätte sich aufgrund des langen Lockdown, dem Ausfall von großen Messen und dem geringen Flugreiseverkehr entschlossen, seine Appartements auf den Wohnungsmarkt zu geben. Angestellte der durch die Pandemie stark gebeutelten Hotelbranche würden von Leinfelden-Echterdingen wegziehen. Die Stadt spürt also nicht mehr so den Druck, beim Bahnhöfle voran zu kommen, wie dies noch Anfang 2020 der Fall gewesen sei. Die Situation in der Hochbauabteilung ist laut Kalbfell zudem stark angespannt.
Nichtsdestotrotz wolle man im Bedarfsfall handeln können. Fest steht aber bereits, dass das Gebäude in Sachen Brandschutz ertüchtigt werden muss. Dazu braucht die Verwaltung aber erst einen Beschluss des Gemeinderates. Nach den Sommerferien sollen die Fraktionen dazu Unterlagen präsentiert bekommen.