Franz Feckl ist seit einem halben Jahrhundert Koch und längst in Ehningen angekommen. Selbst die schwere Zeit der Pandemie hat den 65-Jährigen und das Landhaus Feckl nicht aus der Bahn geworfen.
Ehningen - Der „Salat St. Hubert“ besteht aus Geflügellebercrème, Sellerie, Granatapfel mit karamellisierten Walnüssen und Rehmedaillon. Oder lieber Kürbissuppe mit Mandelschaum als Entrée? Dann Dreierlei vom Angus Beef in Barolosauce mit glasiertem Gemüse und Topfen-Grießschnitte als Hauptgang. Oder lieber Fisch, nämlich Filet vom Loup de Mer im gelben Curry-Linsenfond mit Koriandernudeln? Und zum guten Schluss eine Dessert-Variation.
Der aktuelle Mittagstisch im Sternerestaurant Feckl in Ehningen macht dem Jubilar alle Ehre. Seit 50 Jahren ist Franz Feckl Koch und kein bisschen müde, die Hemmschwelle für den nichtalltäglichen Genuss so niedrig wie möglich zu halten. Eben deshalb ist das dreigängige Menü für jeden lesbar, weil verständlich und auch der Preis erschwinglich.
Auch Klassiker wie Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln
Damit wirklich für jeden Gaumen etwas auf der Karte steht, gibt es schon immer Feckls Klassiker wie Zwiebelrostbraten mit Maultaschen und Bratkartoffeln oder Ochsenschwanz-Ragout mit Bohnengemüse und handgeschabten Spätzle oder Wiener Schnitzel mit Preiselbeeren, Gurkensalat und Petersilienkartoffeln. Keine Frage, der Sternekoch ist bei den Leuten und nicht abgehoben. Seine Wurzeln hat er schließlich in einem Elternhaus mit kleiner Landwirtschaft und Dorfgaststätte. Deshalb hat Feckl auch keine Berührungsängste, wenn er in Ehningen die Fußballjugend bekocht oder Goldene Konfirmationsfeiern ausrichtet.
Fußballbegeistert und Bayern-Fan
Nur wenn der FC Bayern München spielt, dann „pfupfert“ es den Fan Franz Feckl in seiner Küche, und das Küchenteam weiß um seine Leidenschaft. Zudem ist er Gründungsmitglied der Fußball-Nationalmannschaft der Köche und mittlerweile auch ihr Präsident. Wenn seine Küchenmannschaft gekonnt dribbelt und das Spiel mit Entrée, Plat Principal und Dessert beherrscht, dann geben sie dem Spielertrainer kurzerhand frei, damit der Franz „seine Bayern“ gewinnen sehen kann.
Mit seinen 50 Jahren Berufserfahrung und weiterhin großer Spielfreude ist der Jubilar der Richtige für die Qualitätskontrolle. „Da geht es auch mal lauter zu, eben wie am Spielfeldrand, aber zum Schluss nehmen wir uns auf und in den Arm wie in der Kabine“, erzählt Feckl. Trotz seiner langen Zeit im Schwäbischen ist dabei seine bayrische Herkunft bei Mühldorf am Inn unüberhörbar.
Kochtruppe mit langer Verweildauer
In der Stadt war auch seine erste Kochstelle, „wo ich im ersten Haus am Platze in die Lehre ging, weil mein Vater es so wollte“, erinnert sich der Ehninger Sternekoch, der schon als Bub in Stall und Küche mithalf und die Schnitzel windelweich klopfte. Als Lehrling brachte ihm seine Chefin viel Vertrauen und Verantwortung entgegen. Sie hat ihn nicht nur für den Kochberuf begeistert, sondern auch das nötige Rüstzeug mitgegeben, es später als Sternekoch mit seinen Auszubildenden gleichzutun und sogar Bundessieger zu generieren. Doch auch auf die lange Verweildauer seiner Köche, die schon seit bis zu 30 Jahre mit ihm am Herd stehen, ist er stolz. Dies zeige, dass Raffinesse auf dem Teller nicht zwangsläufig mit Rowdytum in der Küche zu tun hat.
Nach Lehre und Bundeswehr zog es den jungen Feckl ins Schwäbische in die damals renommierte Sonne-Post der Familie Bofinger in Murrhardt. „Da habe ich erst gesehen, was es alles gibt und wie viel möglich ist von Gänseleber über Froschschenkel bis zum Wurstsalat“, erinnert sich der Sternekoch, der im Murrharter Wald mit vielen Kollegen in der Küche wirbelte, die heute ebenfalls Sterneköche sind. Rolf Straubinger zum Beispiel, von dem sich das Ehepaar Feckl erst jüngst auf der Burg Staufeneck zum runden Geburtstag der Gattin kulinarisch verwöhnen ließ. Oder Ralf Kutzner, heute Hoteldirektor in der Bülow-Residenz in Dresden.
Im Leben die richtigen Menschen kenngelernt
„Im Leben muss man Glück haben und die richtigen Menschen kennenlernen“, weiß der Wahl-Ehninger heute. Das war auch so bei seinen nächsten beruflichen Stationen in der Schweiz und dann in München. Dort hatte Feckl das Glück, sowohl mit Eckhard Witzigmann als auch mit Heinz Winkler kochen zu können. Die Meisterprüfung 1981 in Baden-Baden war eine weitere Wegmarke, während es ihn aber immer wieder in die Sonne-Post nach Murrhardt zu Stippvisiten zurückzog.
„Zwei Bayern lernten sich dann auf Sylt kennen, als ich für drei Jahre Küchenchef in Kampen war und Manuela an der Rezeption arbeitete“, kommt Franz Feckl auf die Liebe seines Lebens zu sprechen, die auch die weiteren beruflichen Wegmarken fördern sollte: erst 15 Jahre im Höfinger Schloss und dann mittlerweile 21 Jahre im Landhaus Feckl.
Mit der Liebe seines Lebens die Selbstständigkeit zugetraut
Gemeinsam traute sich das junge Paar Mitte der 80er Jahre die Selbstständigkeit zu. Bereits zwei Jahre später, am 17. November 1987, bekam Franz Feckl erstmals den Stern zugesprochen. „Das weiß ich noch so genau, weil es ein wunderschönes Geburtstagsgeschenk war“, erinnert sich der Ehninger, der seither die Auszeichnung ohne Unterbrechung immer wieder verliehen bekam.
Erst das Höfinger Schloss dann das Landhaus Feckl in Ehingen
Die ersten Jahre in Höfingen wollen beide nicht missen. Viele damalige Gäste haben den Ortswechsel nach Ehningen mitgemacht, wo sich die Feckls nach Zeiten beengten Kochens in historischem Gemäuer ihr eigenes Reich geschaffen haben. Die Zusammenarbeit mit der Kommunalen Wohnbau Ehningen und dem damaligen Geschäftsführer Rainer Ganske machte dies möglich. In den ersten sieben Jahre brummte es. Dafür sorgten auch die vielen in Ehningen, Böblingen und Sindelfingen ansässigen Unternehmen. „Doch mit der Finanzkrise 2008 mussten wir die geschrumpften Umsätze bei Geschäftsessen mit Privatkunden kompensieren“, kommt der Sternekoch auf eine Zäsur für seine Zunft zu sprechen.
Während der Pandemie abgebremst und ziemlich dünnhäutig
Und Corona? Feckl legt seine Stirn in Falten, wird nachdenklich, verliert aber nicht seinen angeborenen Optimismus: „Die Krise bringt auch neue Konzepte. Junge Menschen mit tollen Ideen haben alle Möglichkeiten.“ Bis es so weit ist, muss sich die Branche mit einem Mangel an Servicekräften herumschlagen. Franz Feckl ist froh, dass er Mitarbeiter aus Spanien einstellen konnte. Und das liebe Geld? Der Sternekoch hält auch damit nicht hinter dem Berg. „Wenn die Jahresbilanzen in Ordnung waren, konnte der Betrieb den Lockdown mit staatlicher Unterstützung gut überleben“, weiß der Gastronom, der auch über seine mentalen Befindlichkeiten während der Pandemie spricht, „als ich ziemlich dünnhäutig wurde, weil ich von 200 auf 20 abgebremst wurde und eine große Verantwortung für die Mitarbeiter hatte“.
Gute Gelegenheit zum Fliegenfischen
Ein guter Freund brachte ihn mit dem Fliegenfischen auf andere Gedanken. Der Ehninger Dirigent und Chorleiter Clemens König machte dem Koch die Angelrute schmackhaft und stieg mit ihm in die Nagold. Die Verbindung förderte auch die musikalische Seite des Landhauses, wo mittlerweile der König nicht nur Gast ist, sondern auch schon mal bei einer Familienfeier in die Tasten greift.
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Franz Feckl hat in der Zeit der Pandemie aber auch an andere gedacht und sie bekocht, zum Beispiel Krankenhausbelegschaften in Böblingen, Sindelfingen und Herrenberg. Auch das Essen-to-go hat vielen Gästen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Das ist die Motivation im 50. Jahr seiner Berufung, die ihn frühmorgens in die Küche stehen lässt, wenn Not am Mann ist, und abends zu den Gästen an die Tische treibt: „Gutes Essen ist die Grundlage echten Glücks“, zitiert der Ehninger Sternekoch dann gern Meisterkoch Georges Auguste Escoffier, wenn die Gäste am Ende einer langen Tafel mehr als satt und zufrieden sind.
Die Feckls und ihre drei Kinder
Familie
„Das Schloss Höfingen war die Basis für alles, auch für unsere Familie, die mit den Kindern Florian, Marie-Therese und Julian das Wichtigste in unserem Leben ist“, blicken Manuela und Franz Feckl zurück und freuen sich heute, dass auch ihre Kinder nachhaltig und wertschätzend in Gastronomie und Dienstleistung unterwegs sind.
Kinder
„Der Florian hat eine Superausbildung hingelegt und kocht aus Überzeugung nur vegetarisch“, freut sich Franz Feckl über seinen Sohn und dessen Kochausbildung in renommierten Betrieben wie bei Franz Haas im Tantris in München und bei Douce Steiner im Hirschen in Sulzburg . Und auch Tochter Marie-Therese hat in der Gastronomie gelernt. Ihr bisheriger Weg führte sie nach Palma de Mallorca als viersprachige Office-Managerin in einer Immobilienfirma. Sohn Julian studierte in London Marketing und machte sein Diplom der Pandemie wegen im Fernstudium in Deutschland. Als einer der ersten Mitarbeiter des Start up-Unternehmens „Every Food“ ist er beteiligt an dem Erfolg des Anbieters von vegetarischen Menüs.