Die lange Wirtshaustradition im Lamm wird fortgeführt. Foto: Gottfried Stoppel

In dem historischen Gasthaus Lamm wird ein inklusives Bistro eröffnet, das von Mitarbeitern der Paulinenpflege betrieben wird. Damit ist die „Neue Mitte“ der Kommune komplett.

Leutenbach - Für andere mag es nur die gelungene Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes und die Eröffnung einer Gastwirtschaft sein – für uns, die Gemeinde Leutenbach, ist es ein historischer Moment.“ 43 Jahre nach der Zwangshochzeit mit Nellmersbach und Weiler zum Stein gebe es für die Bürger der Gesamtgemeinde endlich einen Ort der Begegnung an zentraler Stelle, sagt der Bürgermeister der Gesamtgemeinde, Jürgen Kiesl. Und noch dazu einen ganz besonderen.

Wirtshaustradition endete Anfang der 1970er

Mit einem Bistro, das von Menschen mit Handicap betrieben wird, knüpft die Winnender Paulinenpflege im Lamm am Löwenplatz an die lange Wirtshaustradition an, die Anfang der 1970er-Jahre geendet war. Der Gastraum im Obergeschoss ist barrierefrei gestaltet und verfügt über eine Terrasse. Der Bürgersaal im Erdgeschoss kann als „gute Stube“ für Hochzeiten, Feiern, Versammlungen und Stammtische genutzt werden. Am Samstag ist das den ganzen Tag lang gefeiert worden.

Der Weg zur „Neuen Mitte“ ist freilich nicht gerade verlaufen, räumt der Bürgermeister ein. Seit 2009, dem Beschluss des Konzepts, dem zunächst die Neugestaltung des Löwenplatzes folgte, sei man auf der Suche nach einem Investor gewesen. Doch angesichts der drohenden Sanierungskosten und Auflagen in dem denkmalgeschützten, 1787 errichteten Gebäude standen diese nicht gerade Schlange. Um sich einen Einfluss auf die Nutzung zu sichern, ging die Gemeinde vor sieben Jahren ins Risiko und erwarb das historische Haus. Insbesondere die Einrichtung einer Metzgerei oder Bäckerei sei ins Auge gefasst worden, doch letztlich habe sich alles zerschlagen.

Drei Glücksfälle auf einmal

Dann, vor zwei Jahren hätten sich plötzlich drei Glücksfälle zusammengefügt. Nach einem Vor-Ort-Termin mit dem damaligen Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl habe dieser eine hälftige Übernahme der Sanierungskosten durch das Land in Aussicht gestellt – wenn das Gebäude in seinem Charakter erhalten würde. Kurz darauf stieß der Bürgermeister in der Firma Jako Baudenkmalpflege nicht nur auf ein vom Wirtschaftsministerium für „Beispielhafte Dienstleistungsinnovationen“ ausgezeichnetes Unternehmen. Die Architekten und Fachingenieure sicherten auch eine Restaurierung zum Festpreis zu. Dieses Versprechen habe das Unternehmen aus Rot an der Rot auch eingehalten, sagt der Bürgermeister. 1,6 Millionen Euro wird auf der Sanierungsrechnung unter dem Strich stehen.

Und so konnte am Wochenende der neue Pächter, die Paulinenpflege Winnenden – Glücksfall Nummer drei –, ihr Bistro eröffnen. Mit seiner Anfrage, ob die Behinderteneinrichtung aus der Nachbarstadt im Lamm ein inklusives Café betreiben wolle, sei er zunächst auf Skepsis gestoßen, räumt Kiesl ein. Das anfängliche Gefühl sei aber Interesse gewichen und letztlich Begeisterung gefolgt. Das bestätigt auch der Sprecher des Sozialunternehmens, Marco Kelch. Zwar sei man sich nach Erkundigungen bei anderen inklusiven Cafébetreibern bewusst, froh sein zu müssen, wenn die Rechnung mit einer schwarzen Null aufgehe, dafür aber habe man die Möglichkeit, seinen Schützlingen ein noch breiter gefächertes Arbeitsangebot machen zu können, das in den Behindertenwerkstätten doch sehr „metallastig“ sei.

Kiesl: Große Herzlichkeit

Jürgen Kiesl ist jetzt schon begeistert, nicht nur von den Speisen, sondern von der „großen Herzlichkeit“ der neuen Betreiber. Die Lösung habe zwar lange gebraucht, sei für ihn letztlich aber alles andere als eine zweite Wahl: „Es ist für Leutenbach ein Maßanzug geworden.“

Weitere Informationen zum Lamm in Leutenbach findet man hier.

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