Glücklich schätzen können sich diejenigen, die vor dem Winter bereits einen Kaminofen und genug Brennholz zu Hause haben. Foto: imago images/photothek

Die Nachfrage nach Heizgeräten, die mit Holz oder Strom betrieben werden, hat sich verdoppelt. Aber wie kommt man überhaupt noch zu einem Kaminofen? Bei Heizlüftern sieht es zwar besser aus – doch damit zu heizen kostet viel mehr als Gas.

So ganz aussichtslos ist es noch nicht – wen die Gaspanik packt und wer sich deshalb auf die Suche nach einer Notfallheizung für den kommenden Winter macht, kann durchaus noch fündig werden. Im Obi-Baumarkt in Leinfelden-Echterdingen standen bei einem Besuch immerhin drei Exemplare eines chinesischen Stromradiators für 79,99 Euro im Regal. Und bei Heizstrahlern hat man sogar die Wahl zwischen zwei verschiedenen Modellen. Kaminöfen aber sind ausverkauft. Auf die Frage, ob man nun der fünftausendste oder der zehntausendste Kunde wäre, der danach fragt, antwortet eine Verkäuferin gelassen: „Gefühlt der zehnmillionste.“

 

Offensichtlich sind Heizlüfter in der Gaskrise das, was das Klopapier in der Coronapandemie war – ein Ausdruck tiefster Verunsicherung angesichts einer noch nie erlebten Situation und zugleich ein etwas verzweifelter Versuch, wieder Kontrolle über einen elementaren Bereich des Lebens zurückzuerlangen, nämlich über das Bedürfnis nach Wärme und Schutz im Winter. Laut Florian Preuß, dem Sprecher der Hornbach-Baumärkte, sei die Nachfrage schon seit November wegen der steigenden Energiepreise gestiegen – mittlerweile habe sie sich gegenüber normalen Zeiten verdoppelt.

Ein halbes Jahr Lieferzeit für einen Kaminofen

Tatsächlich aber stellt dieser Versuch nur sehr bedingt eine Lösung dar, schon allein deshalb, weil so viele Menschen den gleichen Gedanken hatten. Bei Hornbach etwa sind die allermeisten Kaminöfen derzeit nicht bestellbar, teils ist eine Wartezeit bis zu 19 Wochen angegeben. Preuß betont aber: „Unsere Märkte werden weiter beliefert, aber sobald neue Ware eintrifft, ist sie 24 Stunden später schon wieder verkauft.“

Lieferzeiten von einem halben Jahr

Wer einen Heizungsbauer beauftragen will, dürfte ebenfalls Pech haben. Die Lieferzeit für einen Kaminofen betrage derzeit rund ein halbes Jahr, sagt Jörg Knapp vom Fachverband Sanitär-Heizung-Klima in Stuttgart. Daneben müsse man aber erst einmal einen Betrieb finden, der Kapazitäten habe, den Ofen einzubauen. „Es sind goldene Zeiten für unser Handwerk, die Auftragslage war noch nie so gut“, gibt Knapp zu. Viele Inhaber wären aber froh, sie hätten etwas weniger Arbeit und müssten nicht so vielen Kunden absagen.

Viele Holzhändler gehen nicht mehr ans Telefon

Und selbst wer über andere Wege noch einen Ofen bekommt, muss erst eine Freigabe vom Schornsteinfeger bekommen. „Da sind viele Kleinigkeiten zu beachten“, betont Andreas Walburg vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. Er bittet unbedingt darum, vorher Kontakt aufzunehmen.

Wer auch diese Hürde überwunden hat, ist noch nicht am Ziel: Brennholz ist fast überall ausverkauft. Viele Händler gehen gar nicht mehr ans Telefon. Ulrich Hövemeyer, der in Dettingen/Erms (Kreis Reutlingen) einen Brennstoffhandel betreibt, kann nur noch Stammkunden beliefern. Für diese lässt er auch seinen Online-Shop offen – doch ständig würden Neukunden Holz bestellen und gleich bezahlen: „Dann habe ich noch Arbeit damit und muss das Geld zurücküberweisen“, sagt Hövemeyer.

Teilweise wird Brennholz schon aus dem Wald gestohlen

Kurzfristig mehr Holz aus den Wäldern zu bekommen sei unmöglich, sagt er. Denn er müsse bei der Stadt Bad Urach schon im September die gewünschte Menge ordern und erhalte das Holz dann im Dezember; nach dem Spalten muss es ein Jahr trocknen.

Auch der Landesbetrieb Forst BW stellt klar, dass kein Einschlag erfolgt, der ausschließlich der Brennholzgewinnung diene – die Nachhaltigkeit bleibe oberstes Gebot. Seit Anfang August kann aber jeder auf dem Brennholzportal von Forst BW seine Kaufwünsche anmelden: „Allerdings können derzeit nicht alle Bestellungen zeitnah bereitgestellt werden“, sagt Sebastian Schreiber vom Forstministerium des Landes.

Heizlüfter als Notfall-Back-up

Das Brennholz ist mittlerweile so knapp, dass der Bundesverband Brennholzhandel und Brennholzproduktion sogar vor dreisten Betrügern mit falschen Websites warnt. Und Revierförster melden verstärkt den Diebstahl von Poltern – man sei jetzt dazu übergegangen, das Holz mit Trackern auszustatten, um den Weg des Diebesgutes nachverfolgen zu können, so Sebastian Schreiber.

Stark Preisanstieg für Brennholz

Tatsächlich lohnt sich das Geschäft. Noch im letzten Jahr kostete ein Schüttraummeter Buche rund 80 Euro – Ulrich Hövemeyer verkauft diesen jetzt für bis zu 145 Euro, Tendenz steigend. Baumärkte rufen sogar bis zu 259 Euro für einen Raummeter (das entspricht 1,4 Schüttraummeter) auf. Forst BW selbst hat um ein Drittel aufgeschlagen.

Also dann doch lieber ein Stromradiator oder ein Heizlüfter? Als Notfall-Back-up ließe sich das vielleicht rechtfertigen, falls doch den Haushalten das Gas abgedreht würde, was derzeit allerdings unwahrscheinlich erscheint. Ökonomisch vernünftig ist es aber nicht, solange Gas verfügbar ist. Der EnBW-Sprecher Hans-Jörg Groscurth rechnet vor, dass Bestandskunden derzeit 10,76 Cent pro Kilowattstunde Gas bezahlen, aber ab Oktober 37,31 Cent für die Kilowattstunde Strom. Selbst wenn sich der Gaspreis durch die Gasumlage und allgemeine Teuerungen weiter erhöhen würde, bleibt es – vorerst – sinnvoller, die Gasheizung weiter laufen zu lassen.

Heizen mit Strom ist drei- bis viermal teurer als mit Gas

Der Fachverband der Elektrotechnik (VDE) warnt schon vor dem Zusammenbruch des Stromnetzes, falls sehr viele Menschen Radiatoren und Heizlüfter einschalten würden. „Für eine derartige gleichzeitige Zusatzbelastung ist unsere Stromversorgung nicht ausgelegt“, sagt Martin Kleimaier. Hans-Jörg Groscurth sieht nicht ganz so schwarz: „Nur in einer extremen Gasmangellage ist es im schlimmsten Fall vorstellbar, dass es örtlich begrenzt zu einer Überlastung des Stromnetzes kommt.“

Neue Heizung noch in diesem Jahr ist illusorisch

Gasheizung
Jeder zweite Haushalt in Deutschland heizt mit Gas. Bei Neubauten besitzt Gas dagegen nur noch einen Anteil von einem Drittel. Beliebteste Heizungsart mit 50 Prozent sind in Neubauten Wärmepumpen.

Austausch
Der Plan, die Gasheizung vor dem Winter durch eine Wärmepumpe oder eine Pelletheizung zu ersetzen, ist nicht realistisch. Der Run sei so groß, sagt Jörg Knapp vom Heizungsverband, dass ein Einbau vor dem nächsten Sommer kaum vorstellbar sei. Die Preise für Heizungen seien bisher um 30 bis 40 Prozent angestiegen.

Einstellung
Empfohlen wird vielmehr, die Gasheizung noch richtig einzustellen, etwa durch einen hydraulischen Abgleich – so man denn einen Handwerker bekommt. Aber es ist auch sinnvoll, die Heizung abzusenken; ein Grad weniger führt zu sechs Prozent Einsparung.