Der „Garten der schönen Melodie“ an der Panoramastraße soll die Welt im Kleinen spiegeln und ein Ort der Ruhe und der inneren Einkehr sein. Foto: Eva Funke

Grüne Oasen in der City? Die gibt es. Wir stellen einige vor. Heute: der „Garten der schönen Melodie“ (3). Der Garten an der Panoramastraße soll die Welt im Kleinen spiegeln und ein Ort der Ruhe und der inneren Einkehr sein.

Stuttgart-Nord - Seerosenteich und Wasserfall, auf einer Anhöhe ein Pavillon mit Blick in die vier Himmelsrichtungen und über die Dächer der Innenstadt, Zick-Zack-Wege, die durch die Anlage führen und den Garten aus immer neuen Blickwinkeln zeigen, hoch aufgetürmte Steine. Wie alle traditionellen chinesischen Gärten soll auch der Qingyin-Garten, der „Garten der schönen Melodie“ an der Panoramastraße im Stuttgarter Norden, die Welt im Kleinen abbilden, im Mikrokosmos die Schöpfung spiegeln. Die Steine symbolisieren das Gebirge, der Teich das Meer, die Gartenpflanzen die natürliche Vegetation.

Die Grünen im Gemeinderat wollten den Garten nicht haben. Ein chinesischer Garten am Hang, das sei Disney-Land pur kritisierten sie die Idee, den Qingyin-Garten an der Panorama-/Ecke Birkenwaldstraße wieder aufzubauen. Ursprünglich wurde der Garten zur Internationalen Gartenschau (IGA) 1993 im Rosensteinpark gebaut. Er war ein Geschenk der südchinesischen Provinz Jiangsu an Baden-Württemberg. Arbeiter aus der Provinz haben ihn auch aufgebaut. „Nach dem Massaker am Platz des himmlischen Friedens 1989 hat China verstärkt Gärten gespendet, um international wieder gut Wetter zumachen“, sagt Erhard Bruckmann. Er ist Vorsitzender des Verschönerungsvereins Stuttgart, in dessen Eigentum der Garten seit 2007 ist.

Der Garten war als Anlage auf Zeit für die IGA gedacht

Dass die Anlage nicht dauerhaft im Rosensteinpark bleiben kann, wo unter dem Motto „Nationengärten“ weitere asiatische Gärten angelegt worden waren, stand von vornherein fest. „Der Rosensteinpark steht unter besonderem Denkmalschutz. Sämtliche Gärten mussten wieder weg“, sagt Bruckmann. Aber der Qingyin-Garten galt als besonders schön und hatte Freunde. Sie schlossen sich unter der Federführung des damaligen Chefs des städtischen Gartenamts, Werner Koch, zum Verein China-Garten Stuttgart zusammen. Der Garten wurde abgebaut und bei einem städtischen Bauhof eingelagert. Nun mussten die 50 Vereinsmitglieder ein Grundstück finden, wo der Garten hin ziehen konnte, und für den Aufbau Spenden sammeln. Durch Tausch und Zusammenlegung von Flächen fand der Garten 1996 an der Panoramastraße einen neuen Standort – und wurde wieder von Arbeitern aus der Provinz Jiangsu aufgebaut.

Demnächst sind größere Sanierungen notwendig: „Das Dach des Hauses der Freundschaft ist völlig vermoost, und Ziegel sind locker“, stellt Bruckmann fest. Jetzt sucht der Verein einen hiesigen Dachdecker, der die Arbeiten als Werbung für sein Unternehmen kostengünstig ausführt. Denn die Spendenkasse am Eingang des Gartens ist meist leer. Bruckmann: „Wir freuen uns schon, wenn am Saisonende 500 Euro drin sind. Damit können wir einen Teil der Wasserkosten decken.“

Zwar steht der Qingyin-Garten im Schatten des Höhenparks Killesberg. Doch wer einmal dort war, kommt wieder, wie die beiden jungen Stuttgarterinnen, die ihren Picknickkorb dabei haben. Die Anlage haben sie rein zufällig entdeckt. So einen Ort, in denen man mitten in der Großstadt so weit weg vom Lärm der Stadt ist, haben sie in Stuttgart nicht erwartet. Und das Rentnerehepaar Susanne und Wolfgang Rödel, die zwar in Leonberg leben, aber gebürtig aus Stuttgart sind, haben die Anlage bei einem Ausflug zum Bismarckturm entdeckt. Ihr Urteil: „Ein kostbares Kleinod und ein Garten zum entspannen.“

Wenn Erhard Bruckmann auf der Fahrt ins Büro am Qingyin-Garten stoppt, dann meist um nach dem Rechten zu sehen. Denn Vandalismus ist auch in dem „Garten der schönen Melodie“ ein Problem. Deshalb wird er abends bei Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen, und es gibt Überlegungen, ihn nur noch zu bestimmten Zeiten zu öffnen. Ab und zu kommt der Vorsitzende des Verschönerungsvereins aber auch nur, „weil mich der Garten reinzieht. Er strahlt so viel Ruhe aus“, sagt Bruckmann.

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