Kohlköpfe nicht gefroren ernten, das gibt erst Druck- und dann Faulstellen - was sonst noch im Januar zu erledigen ist, finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: dpa

Wenn im Januar die Beete brachliegen, stöbern Gartenbesitzer gern in Pflanzenkatalogen nach exotischen Gewächsen. Wer stattdessen sein Gemüsebeet nach der Sechs-Felder-Wirtschaft plant, kann die Nachbarn bald mit reicher Ernte neidisch machen.

Stuttgart - Die Apfelbäume tragen mehr Früchte als Blätter, die exotischen Honignektarinen gedeihen problemlos daneben, und die Petunien wuchern vielfarbig den halben Balkon zu: Mit den schönen bunten Pflanzenkatalogen träumen sich Hobbygärtner im tristen Januar gern ein Pflanzenparadies vor der eigenen Haustür herbei. Dann schreiben sie munter Einkaufslisten oder legen auf Papier neue Beete an.

Gegen ein bisschen ­Träumerei hat Harald Schäfer, Fachberater beim Landesverband der Gartenfreunde Baden-Württemberg, nichts. „Vergessen Sie dabei aber nie, dass sie ­Märchenbücher in den ­Händen halten.“

Denn mit ein wenig Bildbearbeitung trägt jeder Apfelbaum auf dem Foto unzählbar viele Früchte. Und für viele exotische Pflanzen seien die Witterungsbedingungen der Schwäbischen Alb eben nicht geeignet. „Solide Hausmannskost wie Möhren, Kartoffeln und Schwarzwurzel passen da einfach besser hin.“

Wechselnde Fruchtfolge ist wichtig

Doch auch solche heimischen Gewächse sind nicht völlig anspruchslos. „Verschiedene Pflanzen ziehen unterschiedliche Nährstoffe aus der Erde“, sagt ­Gartenexperte Schäfer. Bereits im Mittelalter ist deswegen die sogenannte Drei-Felder-Wirtschaft entstanden: Die wechselnde Fruchtfolge sorgt ­dafür, dass der ­Boden sich erholen kann und die Pflanzen immer ­genug Nährstoffe haben.

Fürs Gemüsebeet rät Harald Schäfer zu einer Unterteilung in sechs Felder, die jeweils gut 1,20 ­Meter breit sind. Fünf werden mit ­Gemüse bepflanzt, das sechste mit einer Bodenmischkultur (Tagetes, Buchweizen, Ringelblumen usw.) oder einer Bienenwiesenmischung. Beides gibt der Erde wieder Nährstoffe.

Auf den übrigen Beetabschnitten sollten immer fünf Jahre vergehen, bevor in einem Abschnitt wieder Pflanzen aus derselben Familie gepflanzt werden. Unterteilt wird vor allem in: Kreuzblütler (Kohl, Radieschen, Rettich, Kohlrabi), Doldenblütler (Fenchel, Sellerie, Dill, Petersilie, Karotten), Korbblütler (Salate, Schwarzwurzel, Artischocke) sowie Kartoffeln und Tomaten. „Durch den Standortwechsel haben es auch Schädlinge und Pilze schwerer, die Pflanzen zu befallen. Das merkt man etwa bei Tomaten an der Braunfäule“, sagt Schäfer.

Pflanzpläne helfen beim Überblick

Damit man sich besser merken kann, was in welchem Jahr wo gewachsen ist, sollten sich Gartenbesitzer Pflanzpläne zeichnen – und diese auch mehrere Jahre aufbewahren. Ein wenig wie Kraut und Rüben darf das Beet beim Pflanzen im Frühjahr aber dennoch aussehen: „Zwischen Kohl, der sich spät entwickelt, sollte man ruhig einige schnell wachsende Salatköpfe oder Radieschen pflanzen. So bleibt der Boden immer bedeckt und trocknet nicht aus“, sagt Schäfer. Das gilt auch, wenn das Gemüsebeet im Spätsommer abgeerntet ist: Pflanzen wie der Bienenfreund (Phacelia) sorgen mit ihren tiefen Wurzeln dann dafür, dass der Boden wieder aufgelockert wird.

Ist das Gemüsebeet so konventionell ­geplant, stöbert übrigens auch Harald ­Schäfer gern in Pflanzenkatalogen nach ­exotischen Gewächsen. „Jeder Gartenbesitzer möchte schließlich was haben, auf das der ­Nachbar neidisch ist.“

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