Gebäude des Deutschen Rote Kreuz in Konstanz: Die Feierlichkeiten zur Neugründung vor 70 Jahren fanden in Stuttgart-Ost statt. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich/IMAGO/Arnulf Hettrich

Rund 150 Gäste beim Festakt in Stuttgart. DRK-Präsidentin warnt vor Zeitbombe in der Pflege.

Für die Feier anlässlich seiner Neugründung vor 70 Jahren hat der Landesverband Baden-Württemberg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit der „Garage 229“ in Stuttgart-Ost einen ungewöhnlichen Ort gewählt: Wie Barbara Bosch, die Präsidentin des DRK-Landesverbands am Mittwochabend erklärt, sei die ehemalige Autowerkstatt jedoch ein Platz, der bildlich gut passe: „Wir sind als Rotes Kreuz in der Werkstatt der Gemeinschaft unterwegs“, sagte Bosch und im übertragenen Sinn „reparieren wir den Motor, damit er wieder läuft“.

 

Am 10. Juli 1954 hatten die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen DRK-Landesverbände Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern die Vereinigung zum DRK-Landesverband Baden-Württemberg beschlossen. Erster Präsident war Stuttgarts OB Arnulf Klett. Zuvor existierte mit dem Württembergischen Sanitätsverein bereits seit 1863 in Württemberg die weltweit erste nationale Rotkreuz-Gesellschaft.

Zu dem Festakt am 8. Mai, dem Weltrotkreuztag, waren rund 150 Gäste geladen. Neben zahlreichen Funktionären und Mitgliedern des DRK auch Vertreter der Landespolitik, der Wohlfahrtspflege, der Kommunalen Spitzenverbände sowie der Kostenträger im Gesundheitswesen.

Kretschmann: DRK steht weltweit „für Humanität und Solidarität“

Ministerpräsident Winfrid Kretschmann (Grüne) unterstrich in seiner Ansprache, dass das DRK weltweit „für Humanität und Solidarität“ stehe. „Die Helferinnen und Helfer sind zur Stelle, überall, wo Menschen in Not sind, wo es gilt, menschliches Leid zu verhüten und zu lindern“, sagte Kretschmann. Bosch erklärte, dass die Arbeit des Roten Kreuzes „eine gesellschaftspolitische Dimension“ habe. „Die Förderung des Ehrenamts ist essenziell für unser Land und seine demokratische Verfassung“, so Bosch.

DRK-Präsidenten Gerda Hasselfeldt nahm die Feier zum Anlass, um auf die kritische Situation in der Pflege hinzuweisen: Fachkräftemangel und Unterfinanzierung seien gravierende Probleme. „Hier tickt eine Zeitbombe“, sagte Hasselfeldt. „Wenn wir bei diesem Thema keine breite gesellschaftspolitische Debatte mit den entsprechenden Konsequenzen führen, werden wir eine Versorgungslücke in vielen Bereichen sehen.“

Im DRK-Landesverband Baden-Württemberg sind rund 49.000 ehrenamtliche Helfer aktiv, darunter 10.000 im Jugendrotkreuz. Im Rettungsdienst hat das DRK in Baden-Württemberg einen Leistungsanteil von 75 Prozent.

Im Rahmen der Feier führten Kinder an einer Puppe die Reanimation bei einem Verletzten vor. Thomas Hein vom Landeskompetenzzentrum Pflege und Digitalisierung präsentierte den Pflegeroboter Navel, der bereits in verschiedenen Einrichtungen getestet wird. Der etwa kindgroße, dialogfähige Roboter könne helfen, Einsamkeit zu überwinden, so Heine. Perspektivisch soll der Roboter auch in der Therapie selbst mithelfen.