Mit festangestellten Mitarbeitern wollen die großen Sportvereine in den Grundschulen ein Nachmittagsangebot machen. Die Stadt unterstützt dies finanziell und organisatorisch.
Die Ganztagesbetreuung für Grundschulkinder ab dem Jahr 2026 stellt die Kommunen vor große Herausforderungen. „Schülerinnen und Schüler sollen perspektivisch mehr Zeit in der Schule verbringen und dort auch betreute Freizeitangebote in Anspruch nehmen“, erklärt die Stadt. Sportvereine müssen jedoch fürchten, dass immer weniger Kinder zu ihnen kommen, wenn sie den ganzen Tag in der Schule verbringen. In Leinfelden-Echterdingen wird aus dem beschriebenen Dilemma nun eine Tugend gemacht. Mit Unterstützung der Stadt kommen Mitarbeiter der großen Sportvereine TSV Leinfelden, TV Echterdingen 1892, SpVggStetten/Filder 1900 und TSV Musberg an die Grundschulen.
Fußball, Fang- und Geschicklichkeitsspiele oder Geräteturnen – einen festen Plan gibt es nicht, erklärt Christina Baumann. Sie ist die Geschäftsführerin des TV Echterdingen, der bereits seit diesem Schuljahr eine Grundschulkindbetreuung anbietet. „Spiel, Sport, Spaß“, so fasst die Geschäftsführerin das Angebot zusammen. Sowohl an der Zeppelin- als auch an der Goldwiesenschule ist der Sportpädagoge Miguel Ferreira zusammen mit einem Freiwilligenjahrleistenden wöchentlich am Nachmittag vor Ort.
Wichtig, so Baumann, sei es zunächst, den Kindern Freude an der Bewegung zu vermitteln. „Wer sich als Kind gerne bewegt, macht auch als Erwachsener häufiger Sport. Dann gehört es zum Leben dazu“, ist sie überzeugt. Ein fester Lehrplan, wie im Sportunterricht, wird nicht verfolgt. Die Freude an der Bewegung sei wichtig, um Kinder davor zu schützen, Übergewicht aufzubauen oder Haltungsschäden zu entwickeln. Leichtes Spiel haben die Sportvereine damit allerdings nicht. Bereits vor Corona hat die Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit unter den Kindern abgenommen. Es seien aber nicht allein die gesundheitlichen Aspekte, die für ein Sportangebot sprächen. Auch soziales Lernen gelinge beim Sport, vor allem beim Mannschaftssport, besonders gut.
Viele Vereine setzen mittlerweile auf hauptamtliche Geschäftsführer
Allein mit Ehrenamtlichen wäre das neue Angebot nicht zu stemmen. „Wir können kaum unseren eigenen Bedarf decken“, verdeutlicht Baumann. Deshalb springt die Stadt den Vereinen finanziell zur Seite. Die Personalkosten der hauptamtlichen Geschäftsführer der Vereine werden zu zwei Dritteln von der Stadt übernommen. Hintergrund ist, dass die Aufgaben der Geschäftsführung in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden sind. Steuerrecht, Datenschutz und sonstige Bürokratie kann immer weniger ehrenamtlich erledigt werden. Zur Aufrechterhaltung des Betriebs setzen mehr und mehr Vereine auf die Anstellung von hauptamtlichen Geschäftsführern.
Neben den Geschäftsführern sollen vier hauptamtliche Sportpädagogen von den Vereinen gesucht und von der Stadt angestellt werden. Sie können, im Gegensatz zu vielen ehrenamtlichen Übungsleitern, bereits am frühen Nachmittag tätig werden. Der Gemeinderat hat sich bereits im Dezember hinter die Idee gestellt. Knapp eine halbe Million Euro gibt die Stadt insgesamt hinzu. „Die Bewältigung der bestehenden Herausforderungen kann nur gemeinsam gelingen“, meint die Stadtverwaltung.
Mit Miguel Ferreira hat der TV Echterdingen bereits den ersten Sportpädagogen eingestellt. Demnächst folgt der TSV Leinfelden. Dort gibt es bereits zwei Frauen, die ab dem zweiten Schulhalbjahr mit jeweils 50 Prozent ihre Arbeit an einer oder mehreren Grundschulen aufnehmen sollen. Nach und nach sollen die Einstellungen bei den anderen Vereinen folgen. „Wir wollen bis zum Jahr 2026 so aufgestellt sein, dass alles gut funktioniert“, erklärt Baumann.
Sorge, dass das neue Angebot zur Konkurrenz der originären Vereinsangebote werden könnte, hat die TV-Geschäftsführerin nicht. Sie hofft vielmehr, dass sich durch das Schulangebot mehr Kinder für eine Vereinsmitgliedschaft interessieren, wenn sie auf eine bestimmte Sportart aufmerksam gemacht werden. Das Vereinsangebot sei dann im Gegensatz zum Betreuungsangebot in der Schule auch sportartenspezifisch und gehe dementsprechend mehr in die Tiefe.
Strukturen der Sportvereine
Mitglieder
Die vier großen Sportvereine haben mehr als 3200 Kinder und Jugendliche als Mitglieder. Diese werden von mehr als 250 ehrenamtlichen Übungsleitern begleitet. Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern in der Geschäftsführung gibt es noch rund 25 ehrenamtliche Funktionäre, die sich vor allem in der Verwaltung engagieren.
Warteliste
Wegen des begrenzten Angebots gibt es Wartelisten für verschiedene Sportarten, auf denen zusammen bereits rund 300 Kinder und Jugendliche stehen. Viele Vereine suchen händeringend nach qualifizierten Trainern, die in ihrer Freizeit ein ehrenamtliches Sportangebot machen können. pib