Galileistraße in Stuttgart-Möhringen Aldi rückt näher an die Handwerkstraße

Von Sandra Hintermayr 

Die alte Filiale wurde 1998 erbaut und ist in die Jahre gekommen. Mit dem Neubau möchte der Discounter für seine Kunden attraktiv bleiben. Foto: dpa
Die alte Filiale wurde 1998 erbaut und ist in die Jahre gekommen. Mit dem Neubau möchte der Discounter für seine Kunden attraktiv bleiben. Foto: dpa

Der Discounter baut seine Filiale an der Galileistraße im Synergiepark Vaihingen-Möhringen neu. Aber anders, als zunächst im Bezirksbeirat angekündigt.

Möhringen - Der Aldi an der Galileistraße ist geschlossen. Die Abrissarbeiten haben bereits begonnen. „Im Moment scheppert und rumpelt es“, beschreibt eine Bürgerin, die an der Handwerkstraße angrenzend an den Aldi-Parkplatz wohnt, die „schlimme Lärmbelästigung“. „Von kurz nach sechs am Morgen bis abends um sieben. Es ist heftig“, sagt die Frau. Unmengen an Bauschutt lägen auf dem Parkplatz. Lärm und Dreck sind aber nicht das einzige, das die Anwohner stört.

Die Filiale wird in den nächsten Monaten neu gebaut. Der Discounter möchte sich für die Zukunft besser aufstellen, für seine Kunden attraktiver werden. Im vergangenen Jahr hatte ein Vertreter des Unternehmens die Pläne in den Bezirksbeiräten Möhringen und Vaihingen vorgestellt. Danach sah es so aus, dass der Neubau an gleicher Stelle wie das Bestandsgebäude sein soll, im Süden des Grundstücks, lediglich um 90 Grad gedreht.

Genehmigt wurde allerdings ein anderer Standort. Nämlich im Osten des Areals. „Hier wird sich alles verändern. Und nicht zugunsten der Anwohner“, sagt die Frau. Der Neubau ist nun direkt vor ihrer Terrasse geplant, mit nur wenigen Metern Abstand. Die Möhringerin stört insbesondere, dass die Anwohner über diese Pläne nicht informiert worden seien. Nur durch Zufall habe sie davon erfahren. „Wir wurden damit einfach überfahren, vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt sie.

Information im Bezirksbeirat ist nicht verpflichtend

Kirsten Rickes, Leiterin des Baurechtsamts, widerspricht dem. Man habe die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke Anfang August 2017 über die Pläne in Kenntnis gesetzt. Schon in dieser ersten schriftlichen Information sei der Standort im Osten des Geländes eingezeichnet gewesen. Die endgültige Fassung sei den Anrainern am 16. November zugestellt worden. Allerdings: „Wir haben die Eigentümer angeschrieben. Es kann natürlich sein, dass diese Information nicht an alle Pächter und Mieter weitergegeben wurde“, sagt Rickes. „Das Haus gehört meinen Kindern. Wir haben keine Informationen bekommen“, entgegnet die Anwohnerin.

Die Baugenehmigung ist am 6. März dieses Jahres erteilt worden. Eine vorhergehende Genehmigung mit einer anderen Positionierung des Gebäudes habe es nicht gegeben, heißt es vom Baurechtsamt. Es sei in der Tat so, dass die Firma Aldi ursprünglich geplant hatte, den Neubau im südwestlichen Bereich des Geländes zu errichten und darüber die Bezirksbeiräte informiert habe. „Diese Vorstellung erfolgte nicht durch die städtischen Ämter, sondern durch die Firma Aldi selber und zur reinen Information, ohne dass es dafür eine rechtliche Verpflichtung gegeben hätte“, stellt Rickes klar. „Der erste Standort lag jedoch unter einer Hochspannungsleitung, deren Betreiber den Neubau vehement abgelehnt hat. Die Firma Aldi hat daraufhin umgeplant und hierfür einen Bauantrag beim Baurechtsamt eingereicht.“

Für den Bau sollen Bäume gefällt werden

Nachdem der Entwurf nach dem geltenden Plan zulässig sei, wurde die Baugenehmigung erteilt. „Eine Vorstellung im Bezirksbeirat erfolgte nicht – das Baugenehmigungsverfahren sieht eine solche Gremienbeteiligung nicht vor“, sagt Rickes. Möglicherweise, gibt sie zu Bedenken, wäre es sinnvoll gewesen, wenn die Firma Aldi über die Änderungen freiwillig den Bezirksbeirat informiert hätte. Eine Verpflichtung dazu habe es aber nicht gegeben.

Die Anwohnerin der Handwerkstraße bedauert, dass für den Neubau drei Bäume gefällt werden müssen. In diesen leben nach ihren Angaben zahlreiche Vogelarten wie Meisen, Spechte und Grünfinken. „Da ist immer viel los“, schwärmt die Frau. Es mache sie traurig, wenn diese Bäume nun weichen sollen. Als Grundstückseigentümer darf Aldi das veranlassen, erklärt Kirsten Rickes. „Der Bebauungsplan setzt diese Bäume nicht als zu erhaltende Bäume fest.“ Vorgegeben sei lediglich, dass Parkplätze durch einzelne Bäume gegliedert sein müssen. Mit dem Versetzen des Gebäudes sei Aldi verpflichtet, an anderer Stelle seines Parkplatzes neue Bäume zu pflanzen.

Redaktion Möhringen

Ansprechpartner
Sandra Hintermayr und Rüdiger Ott
moehringen@stz.zgs.de

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