Schüler am Gymnasium in Baden-Württemberg sollen nach dem Willen von Kultusminister Stoch (SPD) entlastet werden Foto: dpa

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) will an den Gymnasien nachbessern, um Schüler zu entlasten. Eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium wie in anderen Ländern lehnt er ab.

Stuttgart - Schüler sollen mehr durch einzelne Lehrer unterstützt und besser auf die Oberstufe vorbereitet werden. Zudem sollten mehr Gymnasien echte Ganztagsschulen werden, hat Kultusminister Andreas Stoch (SPD) am Montag in Stuttgart angekündigt. Damit soll der Druck, den ein Teil der Schüler seit der Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre 2004 empfindet, gesenkt werden. Eine generelle Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium, aber auch eine Wahlfreiheit für Schüler lehnt Stoch ab.

Bestätigt sieht sich Stoch auch durch eine Studie, die der Tübinger Erziehungswissenschaftler Ulrich Trautwein am Montag in Stuttgart vorgestellt hat. Demnach sind die Leistungsunterschiede zwischen Schülern, die das achtjährige Gymnasium besucht haben, und denen, die neun Jahre Zeit hatten, außer in Englisch relativ gering. Beim Freizeitverhalten gab es ebenfalls wenige Unterschiede. Allerdings klagten die G-8-Schüler häufiger über Stress sowie Kopf- und Bauchweh. „Aufgrund dieser Ergebnisse, der bildungspolitischen Ausrichtung und der angestrebten Verbesserungen bei der Unterrichtsqualität sollte eine neuerliche Debatte um G 8/G 9 vermieden werden“, sagte Trautwein. Neunjährige Gymnasien seien eine unnötige Konkurrenz für Realschulen und Gemeinschaftsschulen, die Schülern ein Jahr mehr Zeit bis zum Abitur geben.

Das sehen nicht alle so. Der Philologenverband und der Landeselternbeirat fordern Wahlfreiheit für Schüler und Eltern, ebenso der Städtetag Baden-Württemberg. Nach dem Regierungswechsel hatte Grün-Rot an 40 der rund 380 Gymnasien wieder neunjährige Züge als Modellprojekt eingerichtet.

Auch SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel forderte mehrfach, mehr Modellschulen zuzulassen. Die Grünen lehnen das ebenso ab wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Arbeitgeberverband Südwestmetall.

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