Eine Strecke des Fußgänger-Checks führt vom Neckar rauf zum Schulzentrum Foto: Werner Kuhnle

In Marbach ist der Fußverkehrs-Check gestartet. Die Verbesserungen und viele neue Ideen sollen der Stadt und ihren Bürgern zugutekommen.

Eine fußgängerfreundliche Stadt – wer wollte die nicht? In der zumindest noch mehr dafür getan wird, die Situation für Fußgänger zu verbessern? In Marbach hat nun ein Prozess begonnen, Verbesserungen anzustoßen. Am Dienstagabend fand im Bürgersaal nämlich der Auftakt-Workshop des Fußverkehrs-Checks 2023 unter dem Motto „Ideen für attraktive Stadtzentren“ statt. Die Initiative geht vom Landesministerium für Verkehr aus; 51 Kommunen hatten sich dieses Jahr beworben, Marbach gehört zu den zwölf auserwählten Kommunen – wie übrigens auch Großbottwar.

 

Organisiert wird dieser Check von der Planersocietät, einem Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf, das Konzepte für Mobilität und Stadtplanung entwickelt. Jule Engelmann von der Karlsruher Niederlassung stellte die Idee vor und moderierte den Workshop. Von den Anregungen und Ideen soll vor allem die Innenstadt profitieren.

Andreas Seiberling, Leiter des Bürger- und Ordnungsamtes und an diesem Abend auch Vertreter der Stadt, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Er machte zugleich keinen Hehl daraus, dass „wir mit deutlich mehr Personen gerechnet hatten“.

Begehungen für Oktober und November geplant

Andererseits könne die überschaubare Zahl – gut ein Dutzend – auch von Vorteil sein: „Wir können effektiv und zielorientiert arbeiten.“ Kernstück des Fußverkehrs-Checks sind zwei Begehungen, jeweils eine im Oktober und eine weitere im November, mit je sechs bis acht Stationen. Engelmann stellte die beiden Strecken auf Schautafeln vor. Im Verlauf von jeweils zwei Stunden werden die Teilnehmer diese Strecken ablaufen und Brennpunkte für Verbesserungen identifizieren. Auf einem abschließenden Workshop im Dezember sollen schließlich konkrete Empfehlungen und Vorschläge für den Gemeinderat formuliert werden.

Die erste der beiden Strecken führt vom Bahnhof hinauf zur Schillerhöhe, die zweite vom Neckar bis zum Schulzentrum. Um diese beiden Routen herum, die Jule Engelmann erläuterte, entspann sich auch sofort eine lebhafte Diskussion: „Der Weg vom Neckar die Bottwartalstraße hinauf, das ist ganz unmöglich für Fußgänger! Da benutzen die Radfahrer den Gehweg mit.“ „Ja, das ist ein Knackpunkt!“ Die Moderatorin nahm diese Gedanken und Anregungen auf und versah die Karte mit entsprechenden Merkzetteln wie „Nutzungskonflikt Fuß/Rad“. Buchstäblich Schritt für Schritt schälte sich dadurch eine Liste von neuralgischen Punkten heraus. Am Ende hingen auf den beiden Tafeln zusammen 22 Zettel.

Stark im Fokus: zu kurze Ampelphasen für Fußgänger. „Wenn ich mit meiner alten Mutter da rübergehe, sind wir erst in der Mitte, wenn sie schon wieder auf Rot springt.“ Oder aber die Enge: „Da fährt der Bus jedes Mal ein Stück über den Gehweg.“ Zudem gibt es bestimmte Ecken, bekannte Kreuzungen – König-Wilhelm-Platz, Cotta-Platz – sowie Übergänge, an denen Fußgänger exponiert eine Straße queren und auf kreuzende Links- oder Rechtsabbieger gefasst sein müssen.

Es gehe aber nicht nur um Gefahren, die Planersocietät möchte auch Ideen erarbeiten, wie man die Umgebung für Fußgänger angenehmer gestalten kann. So wurde auch über „recht langweilige“ Abschnitte der Güntterstraße diskutiert, andernorts die Aufstellung von mehr Sitzbänken angeregt. Seiberling mahnte aber auch: „Der Platz ist begrenzt.“ Etliche Probleme betreffen die Kreis- und Landesstraßen im Stadtgebiet: „Da können wir nur Bittsteller sein.“

Die nächste Etappe des Fußverkehrs-Checks startet am Dienstag, 24. Oktober, um 16 Uhr. Dann macht sich die Gruppe auf den ersten Weg vom Bahnhof zur Schillerhöhe. Der Neckar-Schulzentrum-Route ist für den 14. November geplant. Mehr Beteiligung von Marbacher Bürgern sei durchaus erwünscht. Infos gibt es bei Marcel Schwarz unter E-Mail marcel.schwarz@schillerstadt-marbach.de oder Telefon 0 71 44 / 10 22 49.