Bei früheren Weltmeisterschaften haben die deutschen Fußball-Nationalspieler auch schon mal mitgesungen – hier zusammen mit Udo Jürgens vor der WM 1990 in Italien. Foto: dpa

Spätestens alle vier Jahre versuchen sich mehr oder weniger begabte Musiker an eingängigen Fußball-Hits. Früher durften gar die Spieler selbst mitsingen. Wir erinnern uns an die zehn schlimmsten WM-Songs aller Zeiten.

Stuttgart - Fußball-Weltmeisterschaft – alle vier Jahre ist das mehr als nur ein Turnier mit 64 Partien, in denen schlussendlich die beste Auswahlmannschaft des Planeten einen Pokal in den Nachthimmel heben darf. Zum größten Sportereignis des Jahres zählt traditionell auch jede Menge Beiwerk.

Musik zum Beispiel. Rechtzeitig vor Beginn einer jeden WM versuchen sich nicht erst seit 2018 mehr oder weniger begabte Musiker an eingängigen Fußball-Hits. In diesem Jahr griff der Schauspieler Will Smith seit langer Zeit mal wieder zum Mikrofon; gemeinsam mit den Popstars Era Istrefi und Nicky Jam präsentiert der 49-Jährige die offizielle WM-Hymne der FIFA zum Weltturnier mit dem Titel „Live It Up“. Nicht nur in den sozialen Netzwerken stößt der Titel jedoch auf eher mäßige Resonanz.

Wir haben ins Archiv geblickt und erinnern an die – aus unserer Sicht – zehn schlimmsten WM-Songs der vergangenen Jahrzehnte.

1. Village People – „Far Away in America“ (WM 1994 in den USA)

Steigen wir direkt ein mit dem Song, der das Ende der „singenden Nationalmannschaft“ besiegelte. Kurz vor der ersten Fußball-Weltmeisterschaft in den USA nahm das Team um Bundestrainer Berti Vogts in Koproduktion mit den Village People („YMCA“) die Hymne „Far Away in America“ auf. Zwar besitzt dieses Werk auch heute noch ein beinahe schon unheimliches Ohrwurm-Potenzial – allerdings war der Song nicht wirklich erfolgreicher als das damalige Abschneiden des DFB-Teams.

2. Melanie Müller – „Deutschland schießt ein Tor“ (WM 2014 in Brasilien)

2014 wurde Deutschland zwar Weltmeister – die musikalische Begleitung zum Endturnier am Zuckerhut indes war mitunter ein Desaster. Peinlicher Tiefpunkt: Melanie Müller, ihres Zeichens bekannt durch RTL-Formate wie den „Bachelor“ oder das „Dschungelcamp“, zog sich mal wieder aus. Ärgerlich nur, dass sie im Zuge dessen auch zu singen versuchte. „Deutschland schießt ein Tor“ – im Halbfinale gegen Brasilien waren es gleich derer sieben. Doch auch dadurch wird das Lied nicht besser.

3. Peter Alexander – „Mexico mi Amor“ (WM 1986 in Mexiko)

Das eigentliche Highlight dieses Songs liegt in seinem Hitparaden-Auftritt. Gemeinsam mit Peter Alexander ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf der Bühne, ausgestattet mit Ponchos und Sombreros. Die Begeisterung ob dieser Performance steht Lothar Matthäus, Pierre Littbarski und Co. förmlich ins Gesicht geschrieben. Nicht. Die Fußball-Helden wollen sich am liebsten verkriechen und hoffen, dass diese Minuten möglichst schnell vorübergehen. Minuten für die Fernseh-Ewigkeit.

4. Michael Schanze – „Olé España“ (WM 1982 in Spanien)

Im Jahre 1982 durfte sich Moderator Michael Schanze an einer Begleitung in Dur versuchen. Frei nach dem Motto seiner TV-Show „Nur keine Hemmungen“ schmetterte er den heute etwas in Vergessenheit geratenen Ballermann’esken Hit „Olé España“; ob er der deutschen Fußball-Nationalmannschaft damit auch den Weg zum Einzug ins WM-Finale geebnet hat, ist bis heute ungeklärt. Zumindest aus sportlicher Sicht bleibt das Turnier auf der iberischen Halbinsel indes in guter Erinnerung.

5. Uwu Lena – „Schland O Schland“ (WM 2010 in Südafrika)

Wenige Wochen vor der ersten Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent eroberte Lena Meyer-Landrut die Herzen der Musikwelt. Mit „Satellite“ gewann sie nur fünf Tage nach ihrem 19. Geburtstag den Eurovision Song Contest und ist heute eine angesehene Größe im deutschen Musikgeschäft. Dies kann man von Uwu Lena freilich nicht behaupten – die achtköpfige Kombo aus Münster versuchte sich an einem Hit zum Endturnier am Kap der Guten Hoffnung. Ein hoffnungsloser Fall.

6. Udo Jürgens – „Buenos Dias Argentina“ (WM 1978 in Argentinien)

Udo Jürgens – einer der größten deutschsprachigen Musiker aller Zeiten. Vermutlich gab es nichts, was der begabte Komponist und Sänger nicht erfolgreich bewältigen konnte. Mit der deutschen Nationalmannschaft stimmte er das Land gleich zweimal auf große Turniere ein. Zahlreiche Fans erinnern sich noch heute gerne an „Wir sind schon auf dem Brenner“ aus dem Jahr 1990. Wir hingegen denken ohne Wehmut an die mit viel Pathos vorgetragene Ballade „Buenos Dias Argentina“ – gute Nacht.

7. Stefan Raab – „Böörti Böörti Vogts“ (WM 1994 in den USA)

Noch einmal 1994. Peinliches WM-Aus gegen Bulgarien, dazu die Stinkefinger-Affäre um Stefan Effenberg. Und neben den Village People sorgte auch ein frecher Fernsehmensch in diesem Jahr für großes Aufsehen: Stefan Raab, der später auch mehrmals seine Finger bei deutschen ESC-Beiträgen im Spiel haben sollte, in Höchstform: „Böörti Böörti Vogts“, so seine Ode an den damaligen Bundestrainer. Für Raab vermutlich der Durchbruch im TV-Geschäft – wirklich besser macht das den Song nicht.

8. Pitbull feat. Jennifer Lopez – „We Are One (Ole Ola)“ (WM 2014 in Brasilien)

Brasilien gurkte sich bei seiner Heim-WM vor vier Jahren durch das Turnier. Und wenn man heute darauf zurückblickt, erscheint dies gar nicht mehr so verwunderlich: Schon die Eröffnungsshow im nicht gänzlich fertig gebauten Stadion von São Paulo ließ erahnen, dass sich die nächsten Wochen für die Gastgeber eher schwierig gestalten würden: In einer hautengen weißen Hose performte der Popstar Pit Bull den offiziellen WM-Song „We Are One“ gemeinsam mit Jennifer Lopez. Samba ist anders.

9. Peter Alexander – „Kaiser-Franz-Marsch“ (WM 1986 in Mexiko)

Die Lichtgestalt. Der Weltmeister. Franz Beckenbauer. Wem sollte man ein Lied widmen, wenn nicht ihm? Dachte sich auch Peter Alexander und gab im Zuge der WM 1986 in Mexiko seinen „Kaiser-Franz-Marsch“ zum Besten. „Ja, der Franz, der kann’s so wie keiner – so wie keiner kann’s der Franz“, heißt es da. Dabei lernt man doch nicht nur auf der Journalistenschule: Redundanz ist kein Stilmittel. Uns gefällt dieser Song nicht wirklich, nicht wirklich gefällt uns dieser Song.

10. Nicky Jam feat. Will Smith & Era Istrefi – „Live It Up“ (WM 2018 in Russland)

Wer nun aber denkt, dass es derlei musikalische Fehltritte nur in der Vergangenheit gab, irrt gewaltig. Das lehrt uns die offizielle Hymne der FIFA zur bald beginnenden Weltmeisterschaft in Russland. Mit dem Titel „Live It Up“ wollen uns Will Smith, Nicky Jam und Era Istrefi auf das Spektakel des Sommers einstimmen. Da wünscht man sich doch tatsächlich wieder die „singende Nationalmannschaft“ zurück – oder Filme wie „Men in Black“ mit Will Smith in der Hauptrolle. Zum Blitzdingsen.

Viele Jahrzehnte – viele denkwürdige Fußball-Hits. Auch wenn zahlreiche Fans diese Werke gerne aus ihrer Erinnerung verbannen würden. Und ein Ende ist auch künftig freilich nicht in Sicht: Schließlich steigt die nächste Fußball-Weltmeisterschaft ja bekanntlich bereits in vier Jahren.

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