Fußball-WM 2018 in Russland Warum der DFB künftig nicht mehr Daimler fährt

Von Marko Schumacher 

Der schwarze Mannschaftsbus, mit dem das deutsche Nationalteam derzeit durch Südtirol rollt Foto: Getty
Der schwarze Mannschaftsbus, mit dem das deutsche Nationalteam derzeit durch Südtirol rollt Foto: Getty

Am 31. Dezember endet die Partnerschaft zwischen Mercedes und dem DFB – nach 46 Jahren. Bereits im vergangenen Juli erteilte das DFB-Präsidium der Konkurrenz aus Wolfsburg den Zuschlag.

Stuttgart - Der schwarze Mannschaftsbus, mit dem das deutsche Nationalteam derzeit durch Südtirol rollt, verfügt über Ledersitze, elektronisch verstellbare Beinablagen, USB-Anschlüsse und, natürlich, eine hochmoderne Videoanlage und leistungsstarkes WLAN. Das Gefährt hat 475 PS und ist noch kein Jahr alt – trotzdem handelt es sich bei dem Travego M, dem Premiumhochdecker aus dem Hause Mercedes-Benz, nur um ein Auslaufmodell.

Bei der WM in Russland muss die DFB-Auswahl in einem Bus des Fifa-Sponsors Hyundai Platz nehmen. Und vom nächsten Jahr an wird es der Volkswagen-Konzern sein, der als neuer „Mobilitätspartner“ des DFB für die Beförderung von Deutschlands besten Kickern zuständig ist.

Am 31. Dezember endet die Partnerschaft zwischen Mercedes und dem DFB – nach 46 Jahren. Bereits im vergangenen Juli erteilte das DFB-Präsidium der Konkurrenz aus Wolfsburg den Zuschlag, nachdem es erstmals ein Bieterverfahren gegeben hatte. Deutlich mehr als die bislang rund acht Millionen Euro jährlich soll Mercedes geboten haben – doch es reichte nicht. Zwischen 25 und 30 Millionen Euro pro Jahr, so heißt es, bezahle nun VW bis Vertragsende im Jahr 2024 – und hätte offenbar sogar noch tiefer in die Tasche gegriffen. Egal wie weit Mercedes gegangen wäre, sagt ein Insider, VW hätte noch einen draufgelegt: „Die haben Roulette gespielt.“ Die Trennung „schmerzt jeden Fußballfan bei uns im Unternehmen – mich eingeschlossen“, erklärte anschließend Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Gleichzeitig ließ er deutlich durchblicken, dass das Angebot aus Niedersachsen jenseits aller Vernunft und Verhältnismäßigkeit gewesen sei. „Wir stehen als Unternehmen zwar nicht in der Verantwortung von Gebührenzahlern, aber auch wir müssen mit Blick auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Aktionärinnen und Aktionäre jedes Sponsoring ganz genau prüfen.“ Im vorliegenden Fall hätte sein Unternehmen „für weniger Leistung deutlich mehr bezahlen müssen“.

Mit dem Deal mit Volkswagen setzte der DFB gleichzeitig ein deutliches Zeichen: Alte Verbundenheit ist nicht mehr das wichtigste Argument, wenn es um neue Sponsorenverträge geht. Noch 2007 hatte der Verband ein 500-Millionen-Angebot für einen Achtjahresvertrag mit Nike schnöde ausgeschlagen. Auf dem kleinen Dienstweg und für viel weniger Geld wurde stattdessen mit dem jahrzehntelangen Partner Adidas verlängert. Jetzt wissen auch die Konzernstrategen aus Herzogenaurach, dass es ein sehr teurer Spaß werden dürfte, wenn der im Jahr 2022 auslaufende Sponsorenvertrag mit dem DFB ein weiteres Mal verlängert werden soll. Die Konkurrenz von Nike, so heißt es, zähle bereits das Geld.

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