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Der VfB Stuttgart war stark in der Abwehr und im Mittelfeld - nur vorne hakt es immer noch.

Stuttgart - Wieder war der VfB Stuttgart dem Gegner spielerisch überlegen, wieder hat er sich ein Chancenplus erarbeitet - aber diesmal hat er gewonnen. Weil beim 3:0 gegen Hannover 96 zum großen Engagement endlich eine höhere Effizienz vor dem Tor kam. Das war schon gut - aber es geht immer noch ein Stück besser.

Am Ende war es gar nicht so einfach, Sieger und Besiegte zu unterscheiden. Zumindest, wenn man die Worte beider Parteien gegenüberstellte. Da war Mirko Slomka, der das getan hatte, was er in den allermeisten Fällen tut, wenn er Station in Stuttgart macht - er hatte verloren. "Ich habe hier als Trainer erst einen Punkt geholt. Nächstes Mal bleibe ich besser zu Hause", sagte Hannovers Trainer missmutig. Und da waren VfB-Profis wie Sven Ulreich, der die Reporterschar ebenso stehen ließ wie Cacau. "Ich sage heute nichts", grantelte der Stürmer und verschwand. Martin Harnik presste die Lippen zusammen und zischte: "Zumindest in Heimspielen können wir noch Tore schießen." Das allein stimmte ihn aber nicht zufrieden: "Wir hätten den Deckel viel früher draufmachen müssen" - statt nach dem frühen 1:0 bis zur 79. Minute auf das nächste Tor zu warten.

Keine Dauerkarte für den Ligakeller

Weil nach Zdravko Kuzmanovic auch noch Serdar Tasci traf, sprang ein komfortabler Sieg heraus. Und weil Selbstkritik noch nie ein Fehler war, nimmt der VfB zwei positive Erkenntnisse mit: Das gefestigte Selbstvertrauen muss keinen der Akteure zum Leichtsinn oder gar zur Überheblichkeit verführen, und der Blick auf die Tabelle jagt dem Betrachter keine kalten Schauer über den Rücken. Im Falle einer Niederlage wären die Roten schon wieder mit dem Rücken zur Wand gestanden, so aber haben sie das Horrorszenario einer Dauerkarte für den Ligakeller abgewendet. "Wenn man sich nicht belohnt, kommen die Geister der vergangenen Saison schnell wieder", sagte Trainer Bruno Labbadia nach der Erfahrung aus zuletzt zwei Niederlagen in Folge. Diese Geister haben die Roten vertrieben, fürs Erste zumindest. Labbadia weiß aber auch: "Wir müssen uns ständig weiterentwickeln, um noch effektiver zu werden."

Im einen oder anderen Fall hat der VfB sein Soll bereits erfüllt. Aus der Abwehr, zurzeit bei nur drei Gegentoren das Glanzstück, ragte am Samstag Serdar Tasci mit großer Präsenz, klaren Aktionen und einem Treffer als Sahnehäubchen heraus. So sehr, dass Labbadia ihn indirekt für die Nationalmannschaft empfahl. "Ich habe da eine klare Meinung. Serdar spielt sehr stabil", sagte er und pries Tascis Vorzüge, zu denen auch das Zusammenspiel mit seinem Nebenmann Maza gehört: "Das passt schon nach kurzer Zeit sehr gut, beide haben eine gute Spieleröffnung."

Kuzmanovic als Antreiber der Mannschaft

Da trifft es sich prima, dass auch ihre Vorderleute William Kvist im defensiven und Zdravko Kuzmanovic im offensiven zentralen Mittelfeld mit dem Ball umzugehen wissen. Die Statistik wies für Kvist eine Zweikampfquote von 100 Prozent und für Kuzmanovic von 92 Prozent aus. "Beide sind unser Herzstück, das hat gut funktioniert." Kuzmanovic, der in der vergangenen Saison noch für die Absicherung nach hinten zuständig war, gewöhnt sich nach und nach um und entwickelt sich immer mehr zum Antreiber der Mannschaft.

Leidenschaft, Engagement, Zuverlässigkeit - dieses Quartett lebt den Fußball mit Herz vor, der unabdingbar ist für den Erfolg. Die anderen folgen, mehr oder weniger: Je näher die Roten dem gegnerischen Strafraum kommen, desto unpräziser werden aber die Zuspiele. In der Rolle des Ballverteilers tat sich Christian Gentner als Vertreter des formschwachen Tamas Hajnal überaus schwer und zog sich den Unmut der Fans zu. Nach wie vor kommt der letzte Pass zu selten an, und wenn, dann fehlen beim Abschluss häufig Nachdruck und Entschlossenheit. Gut, dass Hannover die Roten so lange gewähren ließ, bis das ständige Anrennen doch noch belohnt wurde.

Nicht jeder Gegner wird dem VfB so freundlich assistieren, weshalb die Hochrechnung mancher Fans rasch überholt sein könnte. In Freiburg, zu Hause gegen den Hamburger SV und dann in Kaiserslautern kalkuliert so mancher sieben Punkte ein - Minimum. Dabei bereitet Bruno Labbadia allein der nächste Gegner Kopfzerbrechen. "Freiburg hat 0:7 in München verloren", sagte er, "anders herum wäre es mir fast lieber gewesen." Weil dann im Breisgau womöglich Hochmut um sich gegriffen hätte. Damit muss jetzt keiner rechnen. Eher mit Angst vor der nächsten Pleite. Aber das kann dem VfB auch nur recht sein.

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