Schnell, kraftvoll, versiert: Der neue SKV-Stürmer Janis Lamatsch bei der Kopfarbeit (Mi./mit Teamkollege Yannik Walter). Foto: Andreas Gorr

Janis Lamatsch soll beim Fußball-Landesligisten aus Rutesheim die lange vermissten Stürmer-Tore schießen. Er hat schon mal gut damit begonnen, aber noch nichts erreicht.

Dass die SKV Rutesheim in der vergangenen Saison als abgeschlagener Tabellenletzter die Verbandsligarunde beendete, lag nicht nur an der schlechtesten Defensive der Liga (109 Gegentore/Quote 3,21), sondern auch am torärmsten Sturm. Auf gerade einmal 41 Treffer kamen die Rutesheimer in den 34 Saisonspielen (Quote 1,21), sogar die Mitabsteiger VfL Nagold, SC Geislingen, FC Wangen und VfL Sindelfingen schossen allesamt mehr als 50 Tore. Die interne Torjägerkrone teilten sich mit je fünf Treffern Alexander Wellert, Flavio Heiler und Stürmer Michael Schürg, der jedoch nur eine Halbserie spielte und zur Winterpause seine Karriere verletzungsbedingt beenden musste.

 

Die Sehnsucht im Sportpark Bühl nach einem Knipser war dementsprechend groß – und als sich für Trainer und Ex-Goalgetter Christopher Baake die Möglichkeit ergab, Janis Lamatsch vom FV Löchgau zur SKV zu locken, griff er dankbar zu. Es war ein ziemlich guter Griff. Zwei Treffer hat der Neuzugang in dieser Saison bereits erzielt, an diesem Samstag (16.15 Uhr) dürfen beim Auswärtsspiel gegen den Aufsteiger SG Sindringen/​Ernsbach gerne die nächsten folgen.

Dass der Wechsel zustande kam, verdanken die SKV-Verantwortlichen gleich einer ganzen Reihe von glücklichen Umständen: Zum einen gab Coach Thomas Herbst beim FVL das Traineramt auf, den Janis Lamatsch als seinen „langjährigen Wegbegleiter“ bezeichnet. Zum anderen wechselte in Pascal Haug auch Löchgaus Co-Trainer als Nachfolger von Steffen Hertenstein nach Rutesheim. Und zum dritten ist Verteidiger Patric Vaihinger seit der fünften Klasse ein langjähriger Schulfreund des Stürmers.

Vielleicht der entscheidendste Grund von allen war jedoch, dass Janis Lamatsch der Weg ins Training nach Löchgau auf die Dauer zu weit wurde. „Von Stuttgart aus bin ich da fast eine Stunde unterwegs“, erklärt der studierte Betriebswirt, der im IT-Vertrieb bei IBM arbeitet und zudem Zusatzabschlüsse in Sport- und Salesmanagement besitzt. Das erste Saisonspiel mit der SKV beim Aufsteiger GSV Pleidelsheim (2:2) war für ihn eine Rückkehr zu seinen Wurzeln: Der gebürtige Pleidelsheimer begann im Alter von vier Jahren, beim GSV dem Ball hinterherzujagen. „Es war das erste Mal, dass ich als Aktiver gegen den GSV gespielt habe“, erzählt er. Auch mit 26 Jahren gibt es noch erste Male.

Einst in Stuttgart beim VfB und den Kickers

Mit zwölf Jahren wechselte er zum großen VfB Stuttgart in die Jugend, wo man ihm nach einem Jahr jedoch bescheinigte, körperlich noch nicht reif genug für den nächsten Schritt zu sein. Also verbrachte Janis Lamatsch seine restliche Jugendzeit und seine ersten Aktivenjahre bei den Stuttgarter Kickers auf der Waldau, wo er mit der U 23 in der Oberliga spielte, 38 Partien absolvierte und für vier Tore verantwortlich war, ehe er 2018 zum FV nach Löchgau wechselte.

Dort blieb er jedoch zunächst nur für ein Jahr, weil er anschließend zwei Semester an der James Madison University in Virginia studierte. „Die Uni hat ein renommiertes Soccer-Team, wir haben in der höchsten College-Liga der USA gespielt“, erzählt der 26-Jährige. Anschließend kehrte er zum FV Löchgau zurück, mit dem er in der vergangenen Landesligarunde den fünften Tabellenplatz belegte. Neun Tore erzielte er in der vergangenen Saison – in dieser dürfen es auch gern mehr werden.

Der Neuzugang gilt schon als Fixstern

Er weiß, dass Michael Schürg sehr große Fußspuren hinterlassen hat. „Ich spüre schon eine gewisse Erwartungshaltung, aber auch großes Vertrauen in mich“, sagt Janis Lamatsch. Zudem erwarte er auch von sich selbst so viel Tore wie möglich, „sonst ist man als Stürmer auch am falschen Platz“, stellt er klar. Coach Christopher Baake bezeichnet den 1,85 Meter-Mann als „neuen zentralen Fixstern“ im SKV-Sturm und schätzt an ihm gleichermaßen Schnelligkeit, Dynamik, Durchsetzungsfähigkeit und Abschlussstärke.

Wichtig für seine Spielweise sei jedoch, dass er absolut fit sei. Verletzungspausen kennt Janis Lamatsch aus seiner Karriere zur Genüge: Ein Außenbandriss im Knie setzte ihn ebenso schon für mehrere Monate außer Gefecht wie ein Muskelbündelriss. Auch die Patellasehne bescherte schon das ein oder andere Problem. Derzeit fühlt sich der 26-Jährige jedoch topfit und agil. Es besteht also große Hoffnung, dass der neue Fixstern über dem Sportpark Bühl und in den Stadien des Gegners sehr hell strahlen wird.