Croatia Stuttgart um Martin Mataija (links) besiegt auch den ASV Botnang (im Bild rechts: Torschütze Arjanit Hasaj). Foto: Günter Bergmann

Während Croatia Stuttgart seinen Vorsprung an der Tabellenspitze ausbaut, scheitern gleich vier Zazenhausener in der Nachspielzeit am Torwarttrainer des PSV Stuttgart, und in Uhlbach feiern die Gäste den Derbysieg.

Am 19. Spieltag haben die meisten Interessierten an der Stuttgarter Kreisliga A, Staffel 1, vermutlich nach Feuerbach geschaut, wo der Spitzenreiter Croatia Stuttgart den Tabellenzweiten ASV Botnang empfing. Die große Frage hatte gelautet: Kommt noch einmal Spannung im Titelrennen auf? Die Antwort lieferten die Kroaten auf dem Platz: ziemlich sicher nein. Nach 17 Siegen in 18 Partien steuert der Bezirksliga-Absteiger die direkte Rückkehr in die höchste Spielklasse der Landeshauptstadt an. Was ansonsten auf den Sportplätzen der Staffel los war, lesen Sie wie gewohnt jeden Montag in unserer wöchentlichen Berichterstattung.

 

Croatia Stuttgart – ASV Botnang 3:2 (2:0)

In der Bundesliga jagt Bayer Leverkusen um Startrainer Xabi Alonso das Novum, eine ganze Saison lang ungeschlagen zu bleiben. In der Stuttgarter Kreisliga A ist der Spitzenreiter der Staffel 1 auf dem besten Wege dahin. Croatia Stuttgart hat nun nämlich den Tabellenzweiten ASV Botnang mit 3:2 geschlagen und führt das Klassement dadurch mit acht Punkten Vorsprung an. 17 Siege in 18 Partien, nur im Hinspiel gegen die Botnanger war es ein Unentschieden. Wer soll diesen scheinbar übermächtigen Bezirksliga-Absteiger noch an der direkten Rückkehr hindern? „Wenn wir diese Form beibehalten, wird es für jeden schwer“, sagt der aktuell verletzte Spielertrainer Damir Bosnjak, der vorzeitige Glückwünsche zum Titelgewinn nicht annehmen möchte, solange es rechnerisch noch nicht sicher ist. Aber: „Wir nehmen uns vor, ungeschlagen zu bleiben.“

Jüngst gegen den ASV führte Bosjnaks Elf bereits zum Seitenwechsel mit 2:0. Dominik Kajinic und der Bruder des Trainers, Daniel Bosnjak, trafen. „Dann haben wir es verpasst, den Sack im richtigen Moment zuzumachen“, hadert der Coach. „Das Spiel hat sich geändert, lebte von der Spannung und bei uns kam ein bisschen Nervosität auf.“ Dies nutzte erst Arjanit Hasaj zum 1:2 aus, der Treffer vom Punkt seines Bruders Mal Hasaj in der Nachspielzeit kam jedoch zu spät, da David Vukovic zuvor für Croatia einnetzte.

Botnang hat die Meisterschaft nun endgültig abgeschrieben, ihnen bleibt wohl am Ende wie schon in den vergangenen zwei Spielzeiten der zweite Platz, welcher diesmal allerdings nicht zur Aufstiegsrelegation qualifiziert, da diese ausgesetzt wird. Der ASV bleibt also der unglückliche Titel des „Kreisliga-Vizekusens“. Sein Trainer Alexander Schweizer hätte ein Remis als gerecht empfunden. „Am Ende fehlte das Spielglück und die Kaltschnäuzigkeit“, sagt er, verpassten seine Mannen doch die eine oder andere Abschlussmöglichkeit. Hadern sei aber nicht angesagt: „Die Saison ist viel zu geil, um sie wegzuschenken.“

Tore: 1:0 Kajinic (20.), 2:0 Daniel Bosnjak (42.), 2:1 Arjanit Hasaj (61.), 3:1 Vukovic (89.), 3:2 Mal Hasaj (90.+3, Foulelfmeter).

Besonderes:

TV 89 Zuffenhausen – SG West 1:1 (1:1)

Beim 1:1 in Zuffenhausen traf Nikolas Jonas Groß bereits nach fünf Minuten zum 1:0 für die SG West. Das ist deshalb besonders, weil seine Aufgabe eigentlich das Verhindern von Toren ist. Der Winter-Neuzugang, der einst zu Verbandsliga-Zeiten bei der TSF Ditzingen und zuletzt beim TSV Korntal agierte, ist mittlerweile eine gute Torhüter-Option beim Stuttgarter Aufsteiger. Bei seinem zweiten Einsatz drosch er das Spielgerät beim eigenen Handabschlag per Dropkick in Richtung gegnerisches Gehäuse. Vor diesem hüpfte der Ball einmal auf dem nassen Kunstrasen auf und sprang unglücklich über Zuffenhausens Keeper Giuseppe Petteruti hinweg in die gegnerischen Maschen.

„So ein Tor passiert einmal im Leben“, sagt der Coach des Gastgebers, Yavuz Tepegöz, zähneknirschend. Seine Mannen glichen das Spiel jedoch noch vor dem Pausenpfiff in Person von Christos Kirtzakis aus. Er schloss aus 20 Metern ab. „Er braucht für seinen Schuss einen Waffenschein“, sagt Tepegöz scherzhaft über die Schusskraft seines Spielers. Während er ein Ballbesitz-Verhältnis von 80:20 zugunsten seines Teams sowie zwei Aluminiumtreffer sah, sagt der West-Spielertrainer Benedikt Goos: „Die zweite Halbzeit war ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten.“

Die letzte Möglichkeit auf den Sieg hatten dabei die Gäste, als Goos auf Nico Müller ablegte, welcher allerdings zu zögerlich war und einen Abschluss versäumte. Für West, auf Tabellenplatz zwölf in der Gefahrenzone, zählt jeder Punkt. Da es für Zuffenhausen auf Rang drei laut Tepegöz „um die goldene Ananas geht“, herrscht nach nur einem Zähler aus den drei vergangenen Partien keine Krisenstimmung.

Tore: 0:1 Groß (5.), 1:1 Christos Kirtzakis (40.).

Besonderes:

TSV Uhlbach – TB Untertürkheim 0:3 (0:1)

Mit einer weiteren Niederlage rutscht der letztjährige Bezirksligist aus Uhlbach immer weiter in Richtung Abstiegszone. Beim Derby-0:3 gegen die Untertürkheimer haperte es vor allem in der Abschlussqualität, wie der Spielertrainer Tim Wagner erkennt. „Wir hätten noch einmal ein Spiel spielen können, und hätten kein Tor geschossen“, konstatiert er. Zu oft wollten seine Mannen im gegnerischen Strafraum noch einmal auf einen besser positionierten Mitspieler ablegen. „Damit haben wir uns ins eigene Fleisch geschnitten“, sagt Wagner.

So mussten die Uhlbacher anhören, wie die Gäste nach dem Abpfiff den Jubelgesang „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey“ anstimmten. Was der TBU nämlich besser machte: er verwertete seine Torchancen. „Am Anfang hatten wir Fehlpässe und Unsicherheiten drin, von Minute zu Minute haben wir uns aber verbessert“, sagt der Trainer Ivo Ilijasevic, dem vor allem in Abschnitt zwei die Passsicherheit sowie die Zweikampfhärte seiner Schützlinge imponierte.

Der TB Untertürkheim reitet derweil weiter auf der Erfolgswelle. In der Vorwoche lag er bis zum Abbruch gegen den PSV Stuttgart vorne, zuvor war es ein 3:2-Sieg gegen die SG West. „Seit zwei Wochen spielen wir super auf, ich bin stolz auf die Jungs“, schwärmt Ilijasevic. Schwung konnten die Untertürkheimer auch vom Nachholspiel am vergangenen Donnerstag mitnehmen. Dort errungen sie sich durch einen Last-Minute-Treffer von Sandro Vukic, der vor drei Wochen nach einem Zusammenprall noch bewusstlos liegen blieb, ein 4:3 gegen die Sportfreunde Stuttgart.

Tore: 0:1 Balija (33.), 0:2 Buckenberger (57.), 0:3 Buckenberger (67.).

Besonderes:

OFK Beograd Stuttgart – Sportfreunde Stuttgart 2:3 (0:1)

Jene, die Sportfreunde Stuttgart, erholten sich allerdings gut vom späten Knockout in Untertürkheim und hatten mit einem 3:2-Auswärtssieg drei Tage später beim OFK Beograd Stuttgart die passende Antwort parat – und das, obwohl die Personallage kritisch war. Auf der Auswechselbank saß nur der Trainer Fabio Criscuolo, der eigentlich nicht mehr auf dem Platz stehen möchte. Weil alle seiner elf Akteure aber durchhielten, musste er nicht ran. „Sie haben wirklich gekämpft, sich gut bewegt und standen gut“, lobt Criscuolo. „Wir haben es schon vom Spielaufbau her gut gemacht, daraus sind die Tore resultiert.“

Tim Eichler, Lamin Darboe (Dreierpack im Nachholspiel beim TB Untertürkheim) sowie Niklas Barth trafen für die Gäste in Zuffenhausen. „Wir haben das ganze Spiel über 90 Minuten dominiert“, schildert Criscuolo seine Sichtweise. „Der Sieg war nicht gefährdet, auch wenn es noch einmal knapp wurde.“

Beograd kam durch die Treffer von Zeljko Samardzic und Nikola Marko Sijakovic nämlich noch einmal ran, am Ende reichte es jedoch nicht für einen Punktgewinn. „Das tut weh“, sagt der Spielertrainer Bojan Nikolic, dem zuletzt ein Überraschungssieg gegen den ASV Botnang gelang. „Meine Spieler haben noch den vergangenen Sieg gefeiert, waren mit dem Kopf nicht da.“ Ohne einige Stammspieler fehlte vor allem in der Arbeit gegen den Ball der Zugriff auf die Gegenspieler. Nach zehn Punkten in den ersten vier Spielen unter Nikolic ist der Aufschwung nach der Winterpause vorerst verflogen.

Tore: 0:1 Eichler (40.), 0:2 Darboe (52.), 0:3 Barth (68.), 1:3 Samardzic (77., Foulelfmeter), 2:3 Sijakovic (88.).

Besonderes: Beograd-Torhüter Smiljanic wehrt Foulelfmeter von Younis ab (15.).

PSV Stuttgart – TV Zazenhausen 2:2 (0:1)

Nach dem Spielabbruch am vergangenen Wochenende, bei dem beide PSV-Keeper mit Gelb-Rot den Platz verlassen mussten, setzte der Trainer der Heimmannschaft, Nikolai Pozorski, auf den eigentlichen Torwarttrainer Claudio Cunha Machado zwischen den Pfosten. Der 35-Jährige sollte wegen Rückenbeschwerden eigentlich keinen Sport mehr betreiben, stellte sich aber in den Dienst der Mannschaft – und war vor allem in der Nachspielzeit gefragt, als vier Zazenhausener den 3:2-Siegtreffer auf dem Fuß hatten. Sören Frank, Nico Meyer, Nico Friedlein und Marcel Kruger scheiterten allesamt an Cunha Machado im Eins-gegen-Eins-Duell.

Zuvor sah der Keeper, wie seine Vordermänner spät einen 0:2-Rückstand ausglichen. Zunächst Dennis Klose aus 16 Metern Entfernung und schließlich Benjamin Nimigean stellten auf 2:2. „Wir haben uns nicht aufgegeben“, sagt der PSV-Coach Nikolai Pozorski, der sich in der Schlussviertelstunde selbst einwechselte. „Vom Spielverlauf her ist das Ergebnis glücklich, wir haben zuvor den Chancenwucher nicht genutzt.“

Anders die Zazenhausener Gäste. Kurz vor, respektive nach dem Seitenwechsel trafen Lucas Berger und Sören Frank. „In einem umkämpften Spiel hätten wir den Sack zumachen können“, hadert der Interimstrainer Armando Traini. „Am Ende ist es bitter, aber wir können damit zufrieden sein.“ Zuletzt verlor sein Team beim Schlusslicht aus Sommerrain nämlich mit 1:6. Trotz personellem Engpass – Torhüter Johann Renner lief über 90 Minuten in der Innenverteidigung auf – war eine Leistungssteigerung zu erkennen.

Tore: 0:1 Berger (43.), 0:2 Frank (53.), 1:2 Klose (88.), 2:2 Nimigean (90.+1).

Besonderes:

TSV Weilimdorf II – SSV Zuffenhausen 1:3 (1:0)

Ende März feiert der einstige Tabellenfünfte und nun -achte aus Zuffenhausen seinen ersten Sieg des Kalenderjahres 2024. „Wir hatten etwas gutzumachen“, sagt der Trainer Armend Mehmeti, bezieht sich dabei aber vor allem auf die 0:14-Schmach gegen Croatia vor zwei Wochen, was gleichzeitig der bis dato letzte Auftritt war. In Weilimdorf drehte seine Mannschaft das Spiel, nachdem Sascha Kraft die Gastgeber früh in Führung brachte. „Dann kommt viel Negatives in die Köpfe, wir haben aber nicht aufgehört, Fußball zu spielen“, berichtet Mehmeti. Dennoch „haben wir uns schwer getan, wirklich gute Torchancen zu erspielen“. Überhastete Torabschlüsse kamen hinzu.

So dauerte es mehr als eine Stunde, ehe Oktay Yilmaz den ersten Gäste-Treffer markierte, Arif Akgün und erneut Yilmaz stellten später auf 3:1. „Das war für die Köpfe wichtig, daran wollen wir anknüpfen“, sagt der Trainer. Jene Stelle bleibt beim TSV Weilimdorf II derweil vorerst unbesetzt, musste Ali Yilmaz unlängst doch überraschend gehen. Der Verein exploriert aktuell, ob es eine externe oder interne Lösung geben soll.

Bis diese gefunden wird, hat der bisherige Betreuer Martin Hoffmann interimsweise das Sagen. Er sah gegen den SSV ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem sich seine Mannen „in der zweiten Halbzeit durch die Härte der Gegenspieler den Schneid abkaufen lassen haben“, wie er sagt. Hoffmann weiter: „Da sind unsere Jungs vielleicht noch ein wenig grün hinter den Ohren.“

Tore: 1:0 Kraft (4.), 1:1 Yilmaz (63.), 1:2 Akgün (70.), 1:3 Yilmaz (90.+2).

Besonderes: Gelb-Rot für Windhager (Weilimdorf, 75.) und Karakus (Zuffenhausen, 87.).

SV Grün-Weiss Sommerrain – TSV Mühlhausen 1:5 (0:3)

Trotz furiosem 6:1-Sieg in der Vorwoche sind die Sommerrainer am Tabellenende weiterhin quasi zum Punkten verdammt, gegen Mühlhausen funktionierte dieses Unterfangen derweil nicht. Außer dem Ehrentreffer zum 1:5-Endstand durch Felix Kösling vom Elfmeterpunkt hatte die Mannschaft von Interimstrainer und Mittelfeldmotor Enrico Mosca wenig anzubieten. „Vielleicht haben wir uns nach den Erfolgserlebnissen zu sicher gefühlt“, hadert er. „Wir waren nicht gallig genug.“ Hinzu kamen zwei Gegentreffer nach Eckbällen, bei denen Mosca die Verteidigung bemängelt.

Ganz anders traten die Gäste auf. Nach dem 7:2 gegen Weilimdorf zuletzt ist es der zweite Kantersieg in Folge für die Elf des verletzten Spielertrainers Patrick Kessler. „Das tat auf jeden Fall gut, auch in der Klarheit“, sagt er und analysiert: „Wir waren die klar bessere Mannschaft.“ Ob Sommerrains beeindruckenden Ergebnisses zuletzt sei der Respekt vor einem Stolperstein groß gewesen, bewegen sich die Mühlhausener doch selbst nur knapp über der Abstiegszone.

In Daniel Gonzalez, Fabian Rück, Elmen Ese, Ahmad Nasser und Marcel Fidler trugen sich fünf verschiedene Gäste-Akteure in die Torschützenliste ein. „Wir sind als Team super aufgetreten und zeigen endlich mal konstante Leistungen“, freut sich Kessler. „Es war ein laufintensives Spiel. Durch unser frühes Pressing hatten wir häufig hohe Ballgewinne.“ Das einzig Ärgerliche: Aus seiner Sicht sei der Foulelfmeter in der Nachspielzeit „schmeichelhaft“ gewesen und nahm so das gute Gefühl einer weißen Weste.

Tore: 0:1 Gonzalez (4.), 0:2 Rück (18.), 0:3 Ese (39.), 0:4 Nasser (47.), 0:5 Fidler (76.), 1:5 Kösling (90.+2, Foulelfmeter).

Besonderes: