Die Hälfte aller 210 Saisonspiele ist absolviert. Zeit für eine Zwischenbilanz der 15 Mannschaften in der Staffel 1 der Stuttgarter Fußball-Kreisliga A. Foto: Archiv Baumann

Ein Blick auf die 15 Mannschaften, von denen der TSV Münster und der ASV Botnang den Meistertitel unter sich ausmachen dürften. Bei zwei anderen Vereinen stehen für die Rückrunde Trainerwechsel fest.

TSV Münster

Zwar wollte der Vorjahressiebte diesmal unter den besten Mannschaften der Staffel stehen, dass es gleich zur Tabellenführung reichen würde, hätte an der Neckartalstraße aber wohl keiner gedacht. Die Mannschaft von Trainer Stefan Schuon hat eine herausragende Hinrunde gespielt. 14 Spieltage lang blieb sie ohne Niederlage und tütete somit vorzeitig die Herbstmeisterschaft ein. Erst am letzten Wettbewerbswochenende des Kalenderjahrs gingen die Münsterer leer aus. Ein 0:1 im Gipfelduell beim ASV Botnang hat bewirkt, dass der Vorsprung auf den Verfolger nun nur noch zwei Punkte beträgt. Für die Rückrunde zeichnet sich ein spannender Zweikampf um den Direktaufstieg ab.

 

„Wir sind mit dem bisherigen Abschneiden mehr als zufrieden“, sagt Schuon. Seit dem sechsten Spieltag grüßen die Seinen von Platz eins. Insgesamt ließen sie lediglich fünf von maximal 42 möglichen Zählern liegen. Dabei erwiesen sie sich zwischenzeitlich als Last-Minute-Experten. Zum Erfolgsgeheimnis gehörte, auch spät noch zuschlagen zu können. In puncto Torschützen ist der Verein breit aufgestellt. Acht Spieler trafen mindestens dreifach, am besten Kevin Sholabomi (neun Tore).

ASV Botnang

Lange Zeit sah es so aus, dass der TSV Münster einen Alleingang macht, doch nun sitzt der ASV Botnang dem Spitzenreiter im Nacken. „Es kann nur ein überragendes Zwischenfazit sein“, sagt der Trainer Alexander Schweizer. Dabei war der Saisonstart durchwachsen, ehe die West-Stuttgarter seit dem fünften Spieltag eine niederlagenlose Serie mit neun Siegen und einem Unentschieden hinlegten. Der Höhepunkt: das erwähnte 1:0 zum Hinrundenabschluss im Spitzenspiel.

Großen Anteil am Erfolg hat das Angriffs-Duo Mirlind Kamberi und Daniel Schweizer. Letzterer ist der Bruder des Trainers, Kapitän der Botnanger und führt die Schützenliste der Staffel an. 14 Tore erzielte er bereits. Außerdem stellt der Tabellenzweite mit nur 13 Gegentreffern die beste Defensive der Liga. Schweizer und sein Trainergespann haben eine gute Mischung gefunden und wollen in der Rückrunde vollends angreifen. Das Ziel hat der Spielleiter und Co-Trainer Oliver Stierle bereits formuliert. Es lautet Aufstieg – diesmal bevorzugt ohne den Umweg Relegation, in welcher der Ex-Bezirksligist in der vergangenen Saison dann scheiterte.

PSV Stuttgart

Der PSV Stuttgart hat eine turbulente Hinrunde hinter sich. Zwischen Platz drei und sieben sind die Mannen von Trainer Damian Nagler gesprungen. Eine kurzzeitig schlechte Phase im Herbst kostete sie eine noch bessere Ausgangsposition. Als nach wie vor ärgerlich sieht Nagler die 1:4-Pleite im Verfolgerduell mit dem ASV Botnang. „Da haben wir einen rabenschwarzen Tag erwischt“, sagt der Coach.

Hauptaugenmerk für Nagler war das Formen einer Mannschaft. Diesen Prozess wolle man auch in der Rückrunde fortführen, nachdem vor der Saison zehn Spieler neu gekommen sind. Einer von ihnen ist der Torjäger Maximilian Eisentraut (zuvor KV Plieningen). Jener erfüllte mit bislang elf Treffern die Erwartungen. Bei den knappen Siegen gegen Waldebene Ost II und Zazenhausen war er jeweils der einzige Torschütze. Nagler bezeichnet ihn als „Kreisliga-Thomas-Müller“. Ein Vergleich, der auch altersmäßig passt. Eisentraut ist wie der Bayern-Star routinierte 33.

TV 89 Zuffenhausen

In der vergangenen Saison sind sie aus der Bezirksliga abgestiegen, in dieser Saison soll es mit dem direkten Wiederaufstieg klappen. An diesem Wunschziel halten die Zuffenhausener trotz schon zehn Punkten Rückstand auf Rang eins fest. „Wir wollen mit einer guten Vorbereitung nach der Winterpause noch einmal angreifen. Die Saison ist noch lang“, sagt der Trainer Marc Wegner.

Gemessen an „den Widrigkeiten, die wir hatten“, ist Wegner zufrieden mit der ersten Saisonhälfte. Der eigene Kunstrasenplatz war über mehrere Wochen gesperrt, da das Granulat verklumpte. Trainingseinheiten und Spiele konnten dort also nicht stattfinden. Sie mussten auf dem überstrapazierten Naturrasenplatz abgehalten werden. In der Not tauschte der TV 89 Zuffenhausen des Öfteren das Heimrecht. Bisher trat Wegners Mannschaft nur fünfmal zuhause an, neunmal war sie auswärts unterwegs. In der Rückserie wird es umgekehrt sein.

SSV Zuffenhausen

„Wenn ich überlege, in welchem Zustand ich die Mannschaft bekommen habe, bin ich mit der Entwicklung in jeder Hinsicht zufrieden “, sagt Adem Demir, Trainer des SSV Zuffenhausen. „Ich denke, ich habe mehr als 100 Prozent aus jedem Spieler rausgeholt.“ Sie würden nun robuster auftreten und ihren inneren Schweinehund überwinden. Vieles, was Demir anwendet, hat er sich nach eigener Aussage bei einem Großen der Branche abgeschaut: Thomas Tuchel, unter dem er einst selbst in der Jugend des VfB Stuttgart kickte.

Herausragender Zuffenhausener Akteur ist Malntin Ymerai. Neun Tore und zwei Assists stehen für den Angreifer zu Buche, der 2018 mit dem albanischen Klub FC Luftetari in der Qualifikation zur Europa League spielte. „Malntin hat bei uns auf dem Platz überragend das Heft in die Hand genommen“, sagt der Abteilungsleiter Alexander Tosic.

Sportfreunde Stuttgart

Das Saisonziel der Degerlocher ist das obere Drittel der Tabelle. Einen Punkt liegen sie zur Halbzeit hinter diesem. Möglich gewesen wäre mehr – da besteht für Hamdi Dagdelen kein Zweifel. Das Problem: „Wir konnten nie denselben Kader stellen und mussten immer wieder personell umstellen“, sagt der Spielertrainer.

Zwischendurch ist Dagdelen dann auch mal der Kragen geplatzt. Am sechsten Spieltag lagen die Sportfreunde gegen den Außenseiter SC Stammheim II mit 1:2 zurück. Der folgende Pausenauftritt des Coachs hatte es in sich: Im Rahmen eines Donnerwetters ging die Taktiktafel zu Bruch – und holte Dagdelens Elf dann noch einen 4:2-Sieg. „Wir wissen um unsere Stärken“, sagt der Trainer. Bester Torschütze ist bislang ein Neuzugang: Der aus Kemnat gekommene Abdoulie Nyassi steht bei elf Treffern.

TB Untertürkheim

Nach dem Abstieg der vergangenen Saison hatten die Untertürkheimer Verantwortlichen den Ball von vornherein flach gehalten – was nichts daran änderte, dass sie von der Konkurrenz als Mitfavorit gehandelt wurden. Und tatsächlich: Nach dem fünften Spieltag führte die Mannschaft von Trainer Matthias Summer sogar die Tabelle an. Danach ging die Konstanz jedoch verloren. Von den vergangenen neun Partien haben die Neckarstädter nur noch zwei gewonnen.

Dabei stellen sie mit 45 geschossenen Toren die beste Offensive der Staffel. Zuträglich für diese Bilanz war vor allem ein 9:2-Spektakel gegen die Sportfreunde Stuttgart Mitte November. Bezeichnend für das emotionale Hin und Her der Hinrunde: Direkt vor dieser Begegnung hatte Summer seine sportliche Gefühlslage noch als „beschissen“ bezeichnet.

TSV Mühlhausen

Schade eigentlich, dass es nicht nur Auswärtsspiele gibt. Wäre dies so, stünden die Mühlhausener nun wohl anders da. So toll es für den Tabellenachten bislang auf gegnerischen Plätzen läuft (nur eine Niederlage), so wenig sprang auf eigenem Rasen heraus (nur zwei Siege). Ärgerlich für die Mannschaft, dass sie vermehrt Führungen nicht über die Zeit brachte – aus Sicht des Trainers Patrick Kessler „unerklärlich“. Es habe oft die Konzentration über 90 Minuten gefehlt.

Freilich, die eigene Vorgabe, sich im gesicherten Mittelfeld des Klassements bewegen zu wollen, ist bis dato erfüllt. Auch, weil die Mühlhausener auf einen starken Rückhalt bauen können. Der Torhüter Philipp Imhof zeigte klasse Leistungen, einen davon am 13. Spieltag, als er beim 2:0-Erfolg gegen Sommerrain gleich zwei Strafstöße parierte.

TV Zazenhausen

„Die Jungs haben sich unter Wert verkauft; da steckt mehr drin“, sagt Emrah Uyar, der Trainer des TV Zazenhausen. „Knappe Niederlagen haben uns das Genick gebrochen.“ Dreimal verlor sein Team mit nur einem Tor Unterschied: gegen beide Zuffenhausener Mannschaften und Mühlhausen. Siegten die Nord-Stuttgarter dagegen, dann taten sie das oft im großen Stil. Dann ließen sie es gleich richtig krachen. Viermal gewann die Uyar-Elf mit fünf Toren Unterschied.

In der Rückrunde möchte der Trainer mit den Seinen weiter oben angreifen. „Ich denke, wir werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben“, sagt Uyar, der dieses Thema aber noch nicht außer Acht lassen will. Zumal offen ist, wie viele Teams am Ende tatsächlich absteigen müssen. Unabhängig davon konstatiert Uyar: „Die Jungs ziehen immer mit. Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“

SKG Botnang

„Wir haben am Anfang der Saison gesagt, wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun haben, sind jetzt aber mittendrin und haben unser Ziel nicht erreicht“, sagt der Botnanger Trainer Mihael Knezovic. Nur zwei Zähler trennen die Seinen vom nach jetzigem Stand roten Bereich der Tabelle. So lautet Knezovics Schlussfolgerung: „Wir werden in der Vorbereitung für die Rückrunde viel arbeiten müssen.“

Der Vorjahreselfte kam schwer in die Saison, feierte erst am fünften Spieltag den ersten Sieg. Eine ihrer besten Leistungen zeigte die Mannschaft im Derby gegen den Ortsnachbarn ASV Botnang, zog aber nach zwei späten Gegentreffern doch noch klar mit 0:3 den Kürzeren. Wo die größte Schwäche liegt, zeigt ein Blick auf die Torstatistik. Nur 18 Tore in 14 Spielen – weniger oft hat kein anderes Team der Staffel eingenetzt.

SV Grün-Weiß Sommerrain

Auch im Sommerrain war der Plan gewesen, erneut einen Bogen um den Abstiegskampf zu machen, steckt man nach der Hälfte aller Spiele aber in eben diesem. „Wir hatten uns ein bisschen mehr vorgenommen“, sagt Marijan Rumenovic, der mit Vincenzo Mosca das Trainergespann bildet. „Zufrieden sind wir nicht, ein paar mehr Zähler hätten wir uns schon erhofft.“

Woran es hapert? „Nach vorne kriegen wir Gutes hin, nach hinten muss aber auch mal die Einstellung passen“, benennt Rumenovic ein Defizit seiner Mannschaft. Offensiven und schnellen Fußball mit einstudierten Kombinationen wollen die Verantwortlichen spielen lassen, die Defensive sollte aber natürlich nicht vernachlässigt werden. Gegen Ende der Hinrunde ging den Sommerrainern die Puste aus. Sie haben aus den letzten sechs Spielen nur noch einen Punkt auf ihre Habenseite gebracht.

FSV Waldebene Stuttgart-Ost II

Die Zweitvertretung des FSV Waldebene Stuttgart-Ost ist über die Relegation aufgestiegen und angetreten, um in der Kreisliga A weitere Entwicklungsschritte zu gehen. Das Aufgebot besteht nur aus U-23-Spielern. „Entweder man verliert, oder man lernt etwas. Bei uns ist es oft beides“, sagt der Trainer Sven Willing. „Wir versuchen, das Erlernte in die Rückrunde zu nehmen.“ Auch wenn Ergebnisse nicht an erster Stelle stehen, will der Verein nicht direkt wieder absteigen.

Oftmals fehlte der jungen Mannschaft die Abgeklärtheit, zu Beginn der Saison auch die Kondition. Zudem kriegen es die Akteure des Öfteren nicht hin, ihre Leistung im Kollektiv über 90 Minuten zu bringen. „Mich wundert es nicht mehr, dass ich Bluthochdruck habe“, sagte Willing scherzhaft nach einem wilden 4:3-Sieg gegen Stammheim.

VfL Stuttgart

Beim VfL Stuttgart, der sich in der vergangenen Saison über die Relegation den Klassenverbleib sicherte, war von Beginn an klar, dass es erneut schwierig wird. Daran hat auch der geografisch bedingte Staffelwechsel nichts geändert. „Wir müssen den Kampf annehmen und realisieren, dass es gegen den Abstieg geht“, hatte der Trainer Erdem Ürün früh anzumerken. Bislang reichte es nur für zwei Siege, am sechsten und siebten Spieltag gegen die direkten Konkurrenten Waldebene Ost (2:1) und Stuttgarter Sportclub (7:4).

Für Ürün ist nun Schluss an der Seitenlinie. Er gibt sein Traineramt aus beruflichen Gründen ab, wird dem Verein aber in noch zu bestimmender anderer Funktion erhalten bleiben. Sein Nachfolger heißt Mehmet Akin Parker. Der frühere Oberligaspieler des VfL Sindelfingen soll eine Übergangslösung bis zum Sommer darstellen und den drohenden Abstieg verhindern.

SC Stammheim II

Der bislang einzige Saisonsieg des SC Stammheim II datiert vom 11. September, als man die SKG Botnang mit 2:1 bezwang. Zufrieden ist der Trainer Augustnol Bohn, der selbst noch einmal die Fußballschuhe schnürt, keineswegs. „Ich bin froh dass es in die Pause geht“, sagt er. „Wir haben sehr viel Lehrgeld gezahlt. Die Abgänge, die wir hatten, können wir bislang nicht kompensieren.“

Zu viele leichte Fehler passieren seinen Kickern. „Da fehlt die Reife und Erfahrung“, erkennt Bohn. „Das ist dann auch eine Kopfsache, wenn du in der Tabelle unten drinstehst.“ Die Partien werden zudem nicht über 90 Minuten konsequent zu Ende gespielt. „Wenn jedes Spiel nur eine Halbzeit gehen würde, wären wir wahrscheinlich Tabellenführer“, scherzt der Coach. Die Hoffnung gibt er aber nicht auf.

Stuttgarter Sportclub

Die Spieltage elf bis dreizehn waren Festtage für die Cannstatter. Zwei Remis und dann gar noch einen Sieg verbuchten sie in diesem Zeitraum. Das Dumme: Dies waren die einzigen Punktgewinne der Hinrunde, womit der Aufsteiger auf dem letzten Tabellenplatz steht. Bereits im November musste der Trainer Iordanis Nikiforidis gehen. Der Interimsnachfolger Petar Nilovic machte seine Sache gut, von Januar an wird nun aber Sven Damnig (42, zuletzt SSV Zuffenhausen) die Zügel in der Hand haben.

„Wir denken, dass er uns weiterbringen kann“, sagt der Abteilungsleiter Christos Cechagias. Fitness und Disziplin seien die großen Probleme. Mit acht roten Karten und einmal Gelb-Rot ist der SSC auch in der Fairness-Tabelle das Schlusslicht. Einer der wenigen Lichtblicke: Fabio Ribeiro gehört mit elf Toren zu den besten Angreifern der Liga.