Vor dem Spitzenspiel am Donnerstag zwischen dem TSV Bernhausen und dem TSV Plattenhardt zeigt sich das Führungstrio torhungrig. Ein Kicker glänzt mit gar sechs Trefferbeteiligungen. Derweil ranken sich in Stammheim Gerüchte: Bricht das Team auseinander?
Ein Spieler mit sechs Torbeteiligungen, ein laut seinem Trainer „herausragend guter“ Winterneuzugang und ein spätes Hurra dank eines Last-Minute-Blackouts des gegnerischen Torhüters – am zweiten Rückrunden-Spieltag der Stuttgarter Fußball-Bezirksliga hat das Favoritentrio trefferreich Formstärke gezeigt. Und so gehen nun alle Blicke gespannt auf den Donnerstagabend: TSV Bernhausen gegen TSV Plattenhardt – es folgt das erste große Gipfelduell und Filderstädter Derby des Kalenderjahrs (Fleinsbachstadion, 19.30 Uhr). Unterdessen hadert im Tabellenkeller der TSV Münster mit einem Kuriosum.
TSV Plattenhardt – Türkspor Stuttgart
Erster und damit Hauptdarsteller im Teilnehmerfeld bleibt freilich der TSV Plattenhardt. Oder, will man es auf eine einzelne Person herunterbrechen: dann dessen Angreifer Fatih Özkahraman. Vor Wochenfrist beim 3:3-Stolperstart in Münster war der Führende der Ligaschützenliste noch leer ausgegangen, nun schossen die Seinen und allen voran er sich zurück in Meisterschaftslaune. Plattenhardter Ergebnis: ein 8:1 gegen einen zumindest 45 Minuten lang überforderten Tabellenletzten Türkspor Stuttgart. Özkahraman-Ergebnis: drei Treffer plus drei Treffervorlagen, insgesamt also sechs Torbeteiligungen. „Eine große Präsenz von ihm. Er hat seine Klasse ausgespielt“, sagt Sascha Krammer, der Fußballchef der Gastgeber. In Führung lag die eigene Elf schon zur Halbzeitpause mit 6:0.
Insofern war die Begegnung, auch wenn der Kontrahent keinen sportlichen Maßstab darstellte, ein Stimmungsmacher zur richtigen Zeit. Quasi ein kollektives Warmlaufen für die nun erwähnte Spitzenpartie. „Es war wichtig, dass wir uns davor einspielen konnten“, sagt Krammer, der hiernach einen „super interessanten“ vorösterlichen Aufgalopp erwartet. Seriengewinner Bernhausen gegen Spitzenreiter Plattenhardt. Aufstiegskandidat gegen Aufstiegskandidat. Solche Termine seien es, für die man die eigene Sportart betreibe.
Anerkennendes Kopfnicken kommt dabei fürs Erste sogar vom aktuellen Gegner. Dessen Abteilungsleiter Tarkan Bucak attestiert den Plattenhardtern: „Im Spiel nach vorne grandios“, dies mittlerweile mit doppelter schmerzhafter eigener Erfahrung. Schon im Hinspiel waren die Türken mit 0:5 untergegangen, damals mit vier Özkahraman-Toren. Diesmal kamen personelle Nöte noch erschwerend hinzu. So fehlten den Gästen außer ihrem Topscorer Elia Marcovassilis (Magen-Darm-Grippe) auch der Spielertrainer Ismail Cangür sowie die Routiniers Erdal Koyuncu und Nikolaos Vassiliou. Die Gründe? Der eine privat bedingt in der Heimat, der andere familiär bedingt in einer Auszeit (wird zum vierten Mal Vater), der Dritte beruflich bedingt verhindert. Bei Vassiliou gilt derzeit: Cheeseburger und Pommes statt Fußball. Der 40-Jährige ist seit kurzem Restaurant-Betreiber in Möhringen.
SV Vaihingen – TSV Bernhausen
Die deutlich schwierigere Aufgabe hatte an diesem Sonntag der anstehende Plattenhardter Prüfstein zu lösen, der erwähnte TSV Bernhausen. Im Auswärtsspiel beim SV Vaihingen deutete bereits alles auf eine Punkteteilung hin, als die Fleinsbachkicker spät von einem Missgeschick ihres Gegners profitierten. Dem Keeper Maximilian Ulmer unterlief im Spielaufbau ein verhängnisvoller Fehlpass. Oliver Lujic nahm den Ball dankend auf und drosch ihn zum 3:2 ins Netz. Damit war der 21-Jährige vollends der Bernhausener Matchwinner. Auch schon den Ausgleich hatte er markiert, letztlich flankiert von einem dicken Lob seines Coachs Roko Agatic. Dessen Kommentar: „Der Junge ist gerade überragend, schon die ganze Saison richtig gut drauf.“ Er verfüge über einen Torriecher „wie ein Stürmer“. Tatsächlich spielt Lujic im defensiven Mittelfeld.
Insgesamt geht nicht zuletzt dank ihm der Bernhausener Lauf fort. Ins Gründonnerstag-Highlight gehen die „Veilchen“ nun mit dem Rückenwind von 13 Siegen und null Niederlagen aus ihren vergangenen 15 Pflichtspielen. Sorgen macht vorab allein der eigentliche Torjäger: Ivan Matanovic humpelte vom Platz. „Ein Tritt gegen ihn. Sieht nicht gut aus fürs Derby“, sagt Agatic, während sein Gegenüber Kai Liedtke übers bittere Ende für sein Team stöhnt. „Wir haben viel Aufwand betrieben und giftig gespielt“, konstatiert er. Nicht nur das: nach einem Ping-Pong-Eigentor der Gäste sowie einem direkt verwandelten Freistoß von Steffen Günther auch schon mit 2:0 geführt.
Der späte Aussetzer? „Sehr unglücklich. Aber so was passiert halt leider mal“, sagt Liedtke. Eine Keeperrochade hatte er unabhängig vom jetzigen Geschehen schon erwogen gehabt. Im bisherigen Saisonverlauf durfte zwischen den Vaihinger Pfosten neunmal Lukas Moser ran, sechsmal Ulmer.
TSV Rohr – SV Bonlanden
Acht Stück also für Plattenhardt, drei für Bernhausen. Bleibt noch der Dritte im Bunde der Filderstädter Titelanwärter, der SV Bonlanden. Auch der gab sich keine Blöße, in seinem Fall mit einem 6:1 beim TSV Rohr. Und, was die Mannen von der Humboldtstraße mit ihren beiden Hauptkonkurrenten zudem eint: Bei ihnen ragte ebenfalls ein Akteur heraus. Der Wintereinsteiger Nils Große Scharmann baute seine Neulingsbilanz mit jeweils zwei weiteren Toren und Torassists aus. Schon jetzt, nach gerade einmal zwei Ligaeinsätzen im Bonlandener Trikot, erweist sich der vorherige Echterdinger als Volltreffer. Da darüber hinaus auch sein Sturmpartner Danijel Zugac einen schnellen Doppelpack schnürte, schwärmt der Spielertrainer Timo Stehle von einer „diesmal unfassbaren Effizienz“.
Oder, um es mit dem Rohrer Abteilungsleiter Holger Schroeder zu sagen: „Die haben uns weggefegt, auch in dieser Höhe verdient.“ Zu seinen kritischen Worten von zuletzt in Richtung des Widersachers steht Schroeder nach wie vor. Wie hatte er doch in der Meisterumfrage unserer Zeitung angemerkt? „Bonlanden nicht.“ Begründung: Mit solch einem Trainerrauswurf, wie ihn der Verein während der Winterpause vollzogen habe, habe man den Titel nicht verdient. Zusatz nun aber, nach der direkten Begegnung: „Mit der Art, wie die gespielt haben, dagegen schon.“
Ein bitterer Nachmittag wurde es somit vor allem fürs Rohrer Trainerteam. Die Brüder Fabio und Giampiero Lapeschi trafen auf ihren Ex-Verein.
SC Stammheim – Sportvg Feuerbach
Ungewohnt endete der Spieltag unterdessen für den rein tabellarisch betrachteten vierten Aufstiegskandidaten. Die Sportvg Feuerbach musste mit einem 1:2 beim wieder erstarkten SC Stammheim ihre zweite Saisonniederlage hinnehmen. Zuvor war der Vierte lediglich überraschend beim Außenseiter Türkspor unterlegen (2:3 im Oktober). Das aktuelle Feuerbacher Manko: Die Gäste hatten keinen Özkahraman, Lujic oder Große Scharmann in ihren Reihen – und vor allem mittlerweile ja auch keinen Ali Karsli mehr. „Mit ihm hätten wir nicht verloren“, ist der Trainer Rocco Cesarano überzeugt. Ohne ihn geht der Blick wehmütig gen Königshofen, wo der 18-fache Saisontorschütze wie berichtet mittlerweile wieder allein für seinen Heimatverein spielt.
Freilich, ebenfalls zur Wahrheit gehört, dass die Stammheimer mittlerweile wieder ein anderer Gradmesser sind als noch in ihrer verkorksten Hinrunde. Für ihren Interimstrainer Marc Wegner war der aktuelle Erfolg der vierte im vierten Pflichtspiel, wenn auch ein hart erkämpfter. Gegen ein kompaktes Gästeteam um den Startelf-Debütanten-Youngster Aris Moissidis in der Innenverteidigung halfen schließlich nur zwei Standardsituationen. Tom Schneider per Freistoß und Dieylani Fall nach einem Eckball knackten den Gegner, ehe der Torhüter Steffen Scheck in der Nachspielzeit die Punkte mit einer Glanzparade vollends eintütete.
Dass beim Vizemeister der vergangenen Saison dennoch keine wirkliche Ruhe aufkommen mag, liegt am Geschehen hinter den Kulissen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass zahlreiche Stammkräfte den Verein im Sommer verlassen werden. So sollen Scheck sowie die Schwalb-Brüder, Thomas Oesterwinter und Paul Beck Kandidaten für einen Wechsel zum Enz-Murr-Bezirksligisten TSV Münchingen sein.
SV Sillenbuch – TSV Musberg
Immerhin: Die Qualifikation für die künftige Bezirksliga Stuttgart/Böblingen ist für die Stammheimer mittlerweile greifbar nah, ebenso wie für den TSV Musberg. Letzterer hat sein Polster zur Abstiegszone mit einem souveränen 3:0 beim SV Sillenbuch auf neun Punkte ausgebaut. Einziger Wermutstropfen beim sechsten Saisonsieg, den der Neuzugang Koray Yüksek mit seinem Musberger Ligapremierentor einleitete: Der Routinier Wolfgang Simon sah für eine Notbremse gegen Jonas Fischer die rote Karte.
Trotz einer daraus resultierenden gut 45-minütigen Überzahl mühten sich die Gastgeber vergeblich um eine Ergebniskorrektur. „Wir waren nicht kreativ genug und haben einfach keine Mittel gefunden“, sagt der Sillenbucher Spielleiter Hans-Georg Spies. In der Summe haben die Seinen nun in zwei Rückrunden-Partien zehn Gegentreffer kassiert. In der Tabelle stehen aber auch sie weiterhin über dem Strich. Eigenes Glück bislang, dass es die Konkurrenz im Kampf um den Klassenverbleib kaum besser macht.
SG Untertürkheim – SGM ABV/TSV 07 Stuttgart
Die Ausnahme heißt SGM ABV/TSV 07 Stuttgart. Nach der Hinserie noch Letzter, haben die Degerlocher nun zwei Siege eingefahren. Dem 1:0 vor Wochenfrist gegen den TSV Rohr (1:0) fügten sie nun ein 2:1 bei der SG Untertürkheim an. „Die Spieler haben den Abstiegskampf angenommen“, sagt der ABV-Co-Trainer Alexander Schreck, der den im Urlaub weilenden Chef-Coach Milos Pojic vertrat. Bedeutet konkret: Man agiere nicht mehr überheblich, sondern demütig. Zum erneuten Kellerduell-Sieg bedurfte es allerdings auch einiger Unfähigkeiten der Gastgeber – besonders im Abschluss. Mit einer 3:0- oder 4:0-Führung hätten die Seinen in die Kabine gehen müssen, konstatiert der Untertürkheimer Trainer Alexander Erne kopfschüttelnd. Das Problem: Einzig Jannik Hinz traf per Distanzschuss. Und: Am Ende schoss Andreas Kourou dann sogar noch einen Elfmeter übers Tor.
Demgegenüber nahm der Gegner zudem aufkommende defensive Nachlässigkeiten gerne an. Marcel Hummel glich aus, und Blessing Omoregie traf bei seinem Comeback nach längerer Verletzungspause zum Auswärtserfolg.
Spvgg Cannstatt – TSV Münster
Bleibt noch das Neckar-Derby zwischen der Spvgg Cannstatt und dem TSV Münster. Jenes zog diesmal nicht nur aufgrund der nachbarschaftlichen Rivalität die Zuschauer an. Der andere Grund: Der Original-EM-Pokal machte an der Hofener Straße Station. Allein für die Spieler beider Mannschaften ließ das enge Zeitfenster keinen Schnappschuss zu. Bedauerlich? Zumindest Carmine Napolitano war es schnurz. „Mir waren die drei Punkte lieber als ein Foto mit dem Pott“, sagt der Cannstatter Trainer. Sein Team siegte mit 4:2. Und das mit freundlicher Unterstützung des Kontrahenten. Dieser erzielte vier Tore, zwei allerdings in die „falsche“ Richtung. Erst lenkte Florian Reu einen Schuss aus dem Getümmel ins eigene Netz, dann landete ein Klärungsversuch von Münsters Schlussmann Patrick Löchner an der Brust seines Mitspielers Ferid Schauki Djelassi und prallte von dort ins Tor.
Dabei habe seine Mannschaft genügend Chancen zum 3:3-Ausgleich gehabt, sagt Münsters Trainer Stefan Schuon, von 2002 bis Sommer 2019 Spieler und anschließend Aufstiegscoach der aktuellen Gegenseite. Ein halbes Jahr später folgte in Cannstatt seinerzeit Napolitano im Amt, für dessen Aufgebot am Sonntag zudem Markus Lurz und Behar Hasanaj trafen. Dieser, Napolitano, freut sich auf ein „hoffentliches Wiedersehen mit Münster in der nächste Runde“. Er selbst hat verlängert, wird dann in seine sechste Saison an der Hofener Straße gehen.
Die Statistik zum Spieltag
TSV Plattenhardt – Türkspor Stuttgart 8:1. Tore: 1:0 Albayrak (10.), 2:0 Perhanidis (14.), 3:0 Özkahraman (15.), 4:0 Özkahraman (26.), 5:0 Özkahraman (39.), 6:0 Perhanidis (45.), 6:1 Kalkan (73.), 7:1 Hofacker (76.), 8:1 Hofacker (80.). Besonderes: –
Spvgg Cannstatt – TSV Münster 4:2. Tore: 0:1 Haller (9.), 1:1 Reu (38., Eigentor), 2:1 Lurz (39.), 2:2 Pescione (45.), 3:2 Hasanaj (57.), 4:2 Djelassi (88., Eigentor). Besonderes: –
TSV Rohr – SV Bonlanden 1:6. Tore: 0:1 Zugac (8.), 0:2 Große Scharmann (11.), 0:3 Zugac (23.), 0:4 Große Scharmann (28.), 0:5 Stehle (48.), 1:5 Hatt (50.), 1:6 Adam (53.). Besonderes: –
SC Stammheim – Sportvg Feuerbach 2:1. Tore: 0:1 Pranjic (36., Foulelfmeter), 1:1 Schneider (40.), 2:1 Fall (45.+2). Besonderes: –
SV Sillenbuch – TSV Musberg 0:3. Tore: 0:1 Yüksek (7.), 0:2 Wiederoder (41.), 0:3 Pinheiro Martins (87.). Besonderes: rote Karte für Simon (Musberg, 46./Notbremse)
SV Vaihingen – TSV Bernhausen 2:3. Tore: 1:0 Lombardo (2., Eigentor), 2:0 Günther (11.), 2:1 Matanovic (15., Foulelfmeter), 2:2 Lujic (39.), 2:3 Lujic (90.+3). Besonderes: –
SG Untertürkheim – SGM ABV/TSV 07 Stuttgart 1:2 . Tore: 1:0 Hinz (29.), 1:1 Hummel (61.), 1:2 Omoregie (82.). Besonderes: Kourou (Untertürkheim) schießt Foulelfmeter übers Tor (85.)