Friedrich Pfeifer-Koelln (r.) erzielte in Rohr das entscheidende Tor für den MTV Stuttgart, der nach sieben sieglosen Spielen wieder ein Erfolgserlebnis feierte. Foto: Günter Bergmann

Die Titelkonkurrenten von N.A.F.I. geben sich keine Blöße. Auch die Sportvg und der MTV punkten wieder.

Stuttgarter Norden - Vor dem 18. Spieltag der Fußball-Bezirksliga war die spannende Frage, wer aus dem Verfolgerfeld die Chance nutzen kann, die sich durch die Verlegung der Partie von Spitzenreiter N.A.F.I. Stuttgart ergeben würde. Seit Sonntag ist klar: Keiner der Titelkonkurrenten gab sich eine Blöße. Türkspor Stuttgart gewann gegen die TSVgg Plattenhardt und eroberte so den ersten Rang. Der SV Bonlanden bremste den Mini-Aufschwung von Croatia Stuttgart, und der SC Stammheim hielt sich mit einem 4:0 gegen das Schlusslicht FC Stuttgart-Cannstatt schadlos. Apropos Aufschwung: Sowohl die Sportvg Feuerbach als auch der MTV Stuttgart, die beide mit Niederlagen ins Fußballjahr 2017 gestartet waren, machten den missratenen Auftakt wieder wett. Dagegen haben der SSV Zuffenhausen und Croatia Stuttgart im Kampf um den Klassenverbleib Rückschläge erlitten.

Erwartungsgemäß hatte der SC Stammheim nur wenig Probleme, die Partie gegen das Tabellenschlusslicht FC Stuttgart-Cannstatt mit 4:0 für sich zu entscheiden. Zwar hielt der Gast am Anfang noch gut dagegen, doch mit den ersten beiden Treffern durch Armando Barbieri und Matthias Kassaye brach der SC den Widerstandswillen seines Gegners. Beide Tore hatte Tobias Oesterwinter vorbereitet, der sich kurz nach der Pause als dritter in die Torschützenliste eintrug. Dass es danach nur noch zu einem weiteren Treffer durch Barbieri reichte, hatte einen einfachen Grund. „Meine Mannschaft hat die taktischen Vorgaben ignoriert“, begründet Stammheims Coach Thomas Oesterwinter. „Da wollte einfach jeder für sich noch ein Tor machen.“ Durch den Sieg bleibt der Ex-Landesligist auf Schlagdistanz zur Tabellenspitze, während der FC die 13. Niederlage in Serie zu verkraften hat. Zudem ist der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz auf elf Punkte angewachsen.

Die Sportvg Feuerbach hat sich dagegen ein Stück weit von der Gefahrenzone absetzen können. So grausam der Auftritt der Feuerbacher beim 2:3 gegen Croatia Stuttgart im ersten Spiel nach der Winterpause gewesen war, so ordentlich präsentierte sich das Team von Trainer Gökhan Dogan beim 3:0 über die Spvgg Cannstatt. „Nach so einem Spiel hat man einfach ein Lächeln im Gesicht“, sagte Dogan. „Jeder meiner Spieler hat von der ersten bis zur letzten Minute alles gegeben.“ Der erste, der ziemlich viel von seinem Können aufbieten musste, war Daniel Weyershäuser. Der Sportvg-Schlussmann verhinderte nach einer Viertelstunde mit einer Glanzparade die Führung der Cannstatter. Die Gastgeber wussten ihre Möglichkeit konsequenter zu verwerten. Eine Flanke von Anton Zovko leitete Harun Halilovic auf Harun Sever weiter, der in der 29. Minute zum 1:0 vollendete. Allerdings verpassten es die Feuerbacher, noch vor der Pause das zweite Tor nachzulegen. Dies hatte wiederum zur Folge, dass die Spvgg in Hälfte zwei auf den Ausgleich drängte, dabei aber nur wenig Zwingendes zustande brachte. Die Sportvg ließ ihrerseits einige Konterchancen aus. Erst in der Nachspielzeit gelang Amir Limani nach Pass von Vaidas Rocys das entscheidende 2:0. Und eine Minute später lenkte der Cannstatter Carsten Bauer eine scharfe Hereingabe von Marc Rössner zum 3:0 in eigene Tor.

Noch ein bisschen spannender machte es der MTV Stuttgart. Sieben Spieltage lang war die Mannschaft vom Kräherwald ohne Sieg geblieben, ehe sie diese Serie am Sonntag mit einem 1:0-Erfolg beim TSV Rohr beendete. Wobei allerdings eingeräumt werden muss, dass es für den frühen und letztendlich einzigen Treffer der Partie schon ein gerütteltes Maß an Rohrer Schützenhilfe bedurfte. Denn der TSV hatte nahe des eigenen Strafraums einen Freistoß zugesprochen bekommen, den Eren Sonal allerdings zu kurz ausführte. Friedrich Pfeifer-Koelln schaltete am schnellsten, erlief sich den Ball und versenkte ihn in den Maschen des Rohrer Tores. Da waren gerade einmal acht Minuten gespielt – also genug Zeit für den MTV, um den Vorsprung auszubauen, und genug Zeit für den TSV Rohr, den Rückstand aufzuholen. Der Treffer gab den Gastgebern mehr Auftrieb als den Gästen, die sich aber Mitte der erste Hälfte wieder stabilisierten und vor der Pause beinahe noch das 2:0 nachgelegt hätten. Doch Willie Sauerborns Fallrückzieher verfehlte sein Ziel. „Wenn der reingeht, dann ist es das Tor des Monats“, urteilte MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco. In Hälfte zwei hatten zwei beide Kontrahenten Chancen, aber keine wirklich klaren. „Letztendlich war das Glück diesmal auf unserer Seite“, sagt Mazzella di Bosco.

Dies kann sein Amtskollege vom SSV Zuffenhausen, Emrah Uyar, wahrlich nicht behaupten. Nicht nur, weil sich die Ausgangslage der abstiegsgefährdeten Zuffenhäuser nach der 1:3-Niederlage beim SV Sillenbuch verschärft hat. Sondern auch, weil Uyars Team durchaus die Möglichkeiten hatte, das Spiel in Sillenbuch zu gewinnen. Bereits nach 14 Minuten hatte Rick Hachenbruch nach Vorarbeit von Umut Yürük den SSV mit 1:0 in Führung gebracht. Und hätte Lucian Antonesei in der 34. Minute aus spitzem Winkel ins Tor statt an den Pfosten geschossen, wäre die Partie vermutlich anders verlaufen. So konnten die Sillenbucher den Rückstand in Hälfte zwei in eine 2:1-Führung verwandeln. Der SV bekam zwei Elfmeter zugesprochen, deren Rechtmäßigkeit Uyar bezweifelt: „Im ersten Fall war es vorher Abseits von den Sillenbuchern, im zweiten Fall spielt Barjalei Khostwal ganz klar den Ball.“ Markus Löw war das egal – er verwandelte beide Strafstöße. Nach einem Konter besiegelten die Platzherren in der 85. Minute mit dem 3:1 die Niederlage der noch vor Wochenfrist erfolgreichen Zuffenhäuser.

Wie der SSV hatte auch Croatia Stuttgart im ersten Spiel nach der Winterpause einen Sieg eingefahren. Und wie beim SSV folgte diesem Erfolgserlebnis die Ernüchterung in Form einer 1:3-Niederlage. Eine verdiente, wie Croatia-Coach Branimir Bresic einräumt. „Der SV Bonlanden war einfach besser.“ Die erste Situation, in der die Hintermannschaft der Kroaten nicht vollständig im Bilde war, nutzen die Bonlandener zur Führung. Die Gäste versuchten zwar, dagegenzuhalten, waren aber in der Offensive zu harmlos. Der SV baute seine Führung in der 65. Minute per Foulelfmeter aus und legte in der 74. Minute das 3:0 nach. Croatia gelang lediglich in der 89. Minute nach einem Eckball noch der 1:3-Anschluss durch Pero Mamic. Die Niederlage war ein Rückschlag, aber Aufgeben gilt nicht: „Wir haben vergangene Wochen keine Freudensprünge gemacht, und wir werden jetzt auch nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagt Bresic.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: