SC-Stürmer Armando Barbieri (Mitte) brachte sein Team gegen den FC Stuttgart-Cannstatt mit 1:0 in Führung – sein fünfte Treffer in der laufenden Runde. Foto: Günter E. Bergmann

Der SSV verpasst es, im Tabellenkeller weiter Boden gutzumachen. An der Spitzen bleibt es eng.

Stuttgarter Norden - Der Nächste, bitte: Hatte die TSVgg Plattenhardt vor Wochenfrist den ersten Rang in der Fußball-Bezirksliga erobert, ist sie diese Platzierung sieben Tage später auch schon wieder los. Denn die Plattenhardter verloren das Spitzenspiel gegen Türkspor Stuttgart. Das hatte wiederum zur Folge, dass N.A.F.I. nun Zweiter ist und ausgerechnet der Erzrivale der TSVgg, der SV Bonlanden, die Tabellenspitze ziert. Wobei die Bonlandener nebenbei noch die Abstiegsnöte von Croatia Stuttgart vergrößert haben. Aber auch der FC Stuttgart-Cannstatt und der SSV Zuffenhausen mussten Rückschläge im Kampf um den Klassenverbleib hinnehmen – wobei der Punktverlust der Zuffenhäuser einer von der ganz bitteren Sorte war.

Beim Titelanwärter N.A.F.I. Stuttgart ist die Fußballwelt wieder in Ordnung. Mit dem 4:1 gegen Möhringen hat das Team um Spielertrainer Damir Bosnjak sein Mini-Tief erst einmal beendet. Und auch Bosnjak, der eher zu den kritischen Vertretern seiner Zunft gehört, hatte wenig zu mäkeln. Nur eines musste Bosnjak noch anmerken: „Das Gegentor war eigentlich überflüssig.“ Immerhin – es war die 90. Minute, als die Möhringer den Ehrentreffer erzielten. Und es war obendrein die erste Chance, die N.A.F.I. in der Partie zugelassen hatte. Es ließ sich verschmerzen, denn durch einen Doppelschlag von Emre Yildizeli, der in der 3. und 8. Minute traf, sowie einem weiteren Doppelschlag durch Admir Osmanovic und Erdinc Bozoglu, die in der 53. und 56. Minute jeweils nach Freistoß-Flanken von Erdem Ürün und Ali Parhizi vollendeten, war die Partie bereits vorzeitig entschieden.

Auch der SC Stammheim hatte wenig Probleme, den Führenden im Klassement ein Stückchen näher auf die Pelle zu rücken. Mit 4:0 gewann das Team von Trainer Thomas Oesterwinter beim kriselnden FC Stuttgart-Cannstatt. „Eigentlich haben wir gar nicht so schlecht gespielt“, sagt Ahmet Kiymaz, Abteilungsleiter und Interimscoach. Die Niederlage sei zu einem guten Teil der angespannten Personalsituation geschuldet. Der FC konnte nur noch zwei Ersatzspieler aufbieten – wobei Kiymaz einer davon war. Zudem machte den Gastgebern ihre Abschlussschwäche, die sich wie ein roter Faden durch die bisherige Saison zieht, zu schaffen. SC-Trainer Oesterwinter sah die sportliche Qualität der Gastgeber jedenfalls anders als sein Amtskollege Kiymaz: „Unser Gegner hat zwar im Rahmen seiner Möglichkeiten alles gegeben, aber das ist in der Summe nicht bezirksligatauglich.“ Allerdings taten sich die Gäste auch nicht ganz leicht damit, gegen den massiv verteidigenden FC zu treffen. Doch nachdem Armando Barbieri und Tobias Oesterwinter für einen 2:0-Halbzeitführung gesorgt hatten und Matthias Kassaye unmittelbar nach Wiederanpfiff zum 3:0 traf, erlahmte die Gegenwehr der Platzherren. Den Schlusspunkt zum 4:0 setzte Sergio Mavinga, der damit seine Position als Top-Torjäger des SC verteidigte.

Dagegen tritt der MTV Stuttgart weiter auf der Stelle. Das 1:1 gegen den TSV Rohr war das dritte Remis in Folge und bereits das siebte in der laufenden Saison. „Wir haben nicht unseren besten Tag erwischt“, räumt MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco ein. Zu wenig Laufbereitschaft, zu wenig Biss in den Zweikämpfen – das warf der Coach seinen Kickern vor. Aber immerhin hatten die eher zäh vorgetragenen Angriffe des MTV einen Vorteil: Es gab den Gästen aus Rohr nur wenig Chancen, ihr inzwischen gefürchtetes schnelles Umschaltspiel einzusetzen. So entwickelte sich eine Partie, in der Tormöglichkeiten rar waren. Erst in den letzten zehn Minuten nahm die Begegnung Fahrt auf. In der 85. Minute nutzte der Aufsteiger von den Fildern nach einem schnell ausgeführten Einwurf eine Unaufmerksamkeit in der MTV-Defensive zum Führungstreffer. In der 88. Minute fingen sich die Rohrer einen Platzverweis ein, dem eine Minute später der Ausgleich durch Willie Sauerborn folgte, ehe kurz vor dem Schlusspfiff ein weiterer Akteur des TSV des Feldes verwiesen wurde.

Ähnlich wie der MTV klebt auch die Sportvg Feuerbach im Mittelfeld des Klassements fest. Wobei die Mannschaft von Trainer Gökhan Dogan der Gefahrenzone noch etwas näher ist als die Elf vom Kräherwald. Dass es für die Feuerbacher einen 1:3-Pleite bei der Spvgg Cannstatt setzte, war allerdings ein Stück weit einkalkuliert. Denn zu lang war die Ausfallliste – so lang, dass Dogan in Merih Yesilirmak einen A-Jugendlichen und in Simone Barraco und Raffaele Di Muccio zwei Akteure aus der eigenen Reserve ins Aufgebot holen musste. Zwar legte sich das Not-Aufgebot der Sportvg kräftig ins Zeug, gebracht hat es allerdings wenig. „Wir haben dem Gegner praktisch alle Tore aufgelegt“, sagt der Feuerbacher Trainer. Dem 1:0 für die Cannstatter ging ein misslungener Befreiungsschlag voraus, dem 2:0 und dem 3:1 ein Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, der in einem Cannstatter Konter nebst anschließendem Treffer gipfelte. Dagegen gelang es nur einem Feuerbacher, das Runde ins Eckige zu bugsieren. Harun Halilovic verwandelte einen nach Foul an Amir Limani verhängten Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:2.

Eines kann man Emrah Uyar, dem Trainer des abstiegsgefährdeten SSV Zuffenhausen, wahrlich nicht vorwerfen: dass er ein Pessimist ist. Da fängt sich seine Mannschaft in der dritten Minute der Nachspielzeit beim Stand von 2:1 für die Zuffenhäuser noch den Ausgleich ein und gibt damit einen fast schon sicher geglaubten Sieg im Kellerduell gegen den SV Sillenbuch aus der Hand. Doch wo andere schimpfen und fluchen würden, bewahrt sich der SSV-Trainer seine Zuversicht: „Wenn man es positiv sehen will, dann sind wir seit zwei Spielen ungeschlagen. Für uns ist das eine Riesen-Serie.“ Die Platzherren hatten die erste halbe Stunde der Begegnung schlicht verpennt und waren folgerichtig mit 0:1 in Rückstand geraten. Doch die Nord-Stuttgarter zeigten Moral und glichen kurz vor der Pause durch Martin Mataija aus. Der SSV-Angreifer ließ in der 63. Minute noch das 2:1 folgen. Mataija vollendete, nachdem er zuvor zwei Gegenspieler und den Sillenbucher Schlussmann umkurvt hatte. Theoretisch hätten die Zuffenhäuser sogar mit 3:1 führen müssen, doch ein Treffer von Umut Yürük war wegen vermeintlicher Abseitsstellung nicht gegeben worden. Und so kam es doch noch zu einem bitteren Ende. In der Nachspielzeit brachte die SSV-Abwehr den Ball nach einer Freistoß-Flanke nicht aus der Gefahrenzone und fing sich doch noch den Treffer zum 2:2 ein.

Apropos einfangen: Vor dem Spiel gegen den neuen Spitzenreiter SV Bonlanden hatte Croatia Stuttgart in Sachen Gegentore eine vertretbare Bilanz vorzuweisen. Doch seit Sonntag stellt der kroatische Club die zweitschlechteste Defensive der Liga – mit 1:7 wurde das Team der Interimstrainer Mio Cagalj/Marko Benakovic von dem Meisterschaftskandidaten abgestraft. Da half es auch nicht, dass sich die Platzherren gegen spielstarke Bonlandener zumindest in Hälfte eins nach Kräften gewehrt und durchaus einige Möglichkeiten verbucht hatten. Am Ende blieb nur der 1:7-Ehrentreffer durch Josip Pezerovic.

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