Hasan Isbert (rechts) holte bereits in der 1. Minute der Partie gegen den FC Stuttgart-Cannstatt einen Elfmeter heraus, der die Weilimdorfer 1:0-Führung brachte. Foto: Günter E. Bergmann

Tabellenführer N.A.F.I. verabschiedet sich mit einem 11:0 über Mitaufsteiger SV Ümmet in die Winterpause.

Stuttgarter Norden - Lediglich zwei Mannschaften haben es in der Fußballsaison 2015/20156 geschafft, dem unangefochtenen Bezirksliga-Spitzenreiter N.A.F.I. Stuttgart eine Niederlage zuzufügen: der TSV Weilimdorf und der FC Stuttgart-Cannstatt. Das Duell zwischen den beiden Herbstmeister-Besiegern endete allerdings ohne einen Gewinner, während sich der Spitzenreiter mit einem 11:0-Kantersieg in die Winterpause verabschiedete. Auch der MTV triumphierte am letzten Spieltag des Jahres, während sich der SSV Zuffenhausen, der TV 89 Zuffenhausen, Croatia Stuttgart und die Sportvg Feuerbach allesamt Niederlagen einhandelten. Wobei sich die Feuerbacher immerhin noch damit trösten können, gleich vier Neuzugänge verpflichtet zu haben.

Als die Partie zwischen dem TSV Weilimdorf und dem FC Stuttgart-Cannstatt beim Stand von 1:1 abgepfiffen wurde, gab es zumindest auf Seiten der Weilimdorfer lange Gesichter. Denn während die Gäste als Tabellensiebter mit dem einen Pünktchen gut leben können, war besagter Zähler für den Tabellenzweiten aus Weilimdorf zu wenig, um auf Schlagdistanz zum Spitzenreiter N.A.F.I. zu bleiben. Dabei hatte die Partie nach Maß begonnen. Noch nicht einmal 60 Sekunden waren gespielt, als die FC-Verteidiger Recep Yildiz und Tuncay Yildiz den Weilimdorfer Angreifer Hasan Isbert in die Zange nahmen. Isbert fiel, der Schiedsrichter pfiff und entschied trotz heftiger Proteste der Gäste auf Strafstoß. Den verwandelte Gökhan Kücükcolak sicher zum 1:0 für den TSV. Doch der frühe Führungstreffer hatte für die Platzherren einen eher gegenteiligen Effekt – denn fortan kam der Gast immer besser ins Spiel und glich in der 19. Minute aus. Behar Hasanaj entwischte nach einem Pass in die Tiefe der Weilimdorfer Abwehr und vollendete zum 1:1. In einer von beiden Seiten engagiert geführten Begegnung sollte es bis zur Pause aber nur noch eine Torchance geben: Mahdenhager Woldezion verfehlte in der 37. Minute aus spitzem Winkel das Tor des FC Stuttgart-Cannstatt nur um Zentimeter. In Hälfte zwei wurde der Schlagabtausch intensiver, doch trotz einiger Möglichkeiten auf beiden Seiten blieb es bei dem Remis, das einige, aber bei weitem nicht alle zufrieden stellte. „Ich bin stolz auf mein Team, dass es sich gegen einen Titelfavoriten so gut verkauft hat“, sagt FC-Spielertrainer Ümit Sahin. Weitaus weniger begeistert zeigt sich TSV-Coach Marco Scheel. „Unser Gegner hatte über 90 Minuten hinweg den Willen, der bei einigen meiner Spieler gefehlt hat.“

Damir Bosnjak, Trainer des Spitzenreiters N.A.F.I. Stuttgart, gehört nicht gerade zu der Sorte Übungsleiter, die großartige Lobeshymnen auf ihre Mannschaft singen. „Es war ein ganz gutes Spiel von uns“, sagte Bosnjak, nachdem seine Mannschaft den Mitaufsteiger SV Ümmet Stuttgart mit 11:0 und damit dem höchsten Resultat in der laufenden Runde vom Platz gefegt hatte. „Wir haben fast alle unsere Chancen genützt“, sagt Bosnjak. Vor allem Stürmer Adnan Akcan zeigte sich in Torlaune. Der Führende der Bezirksliga-Torschützenliste erzielte in der Begegnung seine Saisontreffer Nummer 23 bis 27. Die weiteren Tore gegen weitgehend überforderte SV-Kicker steuerten die zweimal erfolgreichen Danijel Bosnjak und Samet Yesil sowie Kaan Tosun, Ali Parhizi und Marcel Avdic bei.

Übrigens: Die Mannschaft, die bis dahin den Saisonrekord für die meisten eigenen Treffer binnen einer Begegnung gehalten hatte, ist der MTV Stuttgart. Der kam seinerzeit gegen den SV Ümmet zu einem 10:0, begnügte sich aber am Sonntag mit einem vergleichsweise bescheidenen 2:0-Sieg über die sich nach Kräften wehrende TSVgg Münster. „Mit dem 2:0 bin ich zufrieden. Vor allem mit der Null“, sagt MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco, dessen Team nach Ansicht ihres Coaches in den vergangenen Partien zu viele Gegentore kassiert hat. Dass der MTV in Hälfte zwei noch einige gute Konterchancen liegen ließ, verzieh Mazzella di Bosco seinen Kickern. Zumal die Elf vom Kräherwald den Rückstand auf die zweitplatzierten Weilimdorfer auf einen Punkt verkürzt hat.

Damit zu den Clubs, denen es nicht vergönnt war, mit einem Erfolgserlebnis in die Winterpause zu gehen. Wie etwa die Sportvg Feuerbach, die kein Mittel gegen die beste Defensive der Liga fand. Gerade einmal 15 Gegentore haben die Plattenhardter in der laufenden Saison zugelassen – und gegen die Sportvg kam kein weiteres hinzu. Allerdings nutzte der Gast seinerseits einen Aussetzer in der Feuerbacher Hintermannschaft zum einzigen und deshalb entscheidenden Treffer. „Der Gegner war einfach abgeklärter als wir“, sagt Sportvg-Trainer Gökhan Dogan. Doch dafür vermelden die Feuerbacher gleich vier Neuzugänge, von denen drei vom TSV Weilimdorf kommen: Torwart Daniel Weyershäuser, Aykut Can und Mustafa Kockaya laufen nach der Winterpause für die Sportvg auf. Dazu kommt noch Harun Sever, der vom TSV Münchingen in den Stuttgarter Norden wechselt.

Wenigstens einen Neuzugang hat sich der TV 89 Zuffenhausen geangelt. Allerdings nicht für den Angriff, obwohl der TV 89 seit drei Spielen kein einziges Tor mehr erzielt hat. Sondern für die Abwehr: Alija Palevic heißt der neue Mann, der einst beim SV Böblingen in der Verbandsliga kickte und zuletzt beim TSV Birkach war. Allerdings schadet ein kundiger Defensivmann auch nicht, denn in der Partie gegen den ebenfalls abstiegsgefährdeten SV Bonlanden II traf der Gast nach einer Standardsituation und in der Schlussphase nach einem Konter. Dazwischen hatten Mehmet Kuzu, Maris Prietidis und Volkan Uyar durchaus gute Möglichkeiten, um Tore zu erzielen. „Der Ball wollte einfach nicht ins Tor“, sagt TVZ-Spielleiter Christian Bauer. Nachdem sich die Zuffenhäuser nach einem kurzen Zwischenhoch nun drei Pleiten in Serie eingefangen haben, müssen sie auf dem zur Abstiegsrelegation verpflichtenden 13. Tabellenplatz überwintern.

Den Lokalrivalen SSV Zuffenhausen trennen trotz der 2:5-Niederlage beim VfB Obertürkheim immerhin noch vier Punkte von der Gefahrenzone. Geht es nach SSV-Coach Ingo Ramljak, dann wären es ein paar mehr: „Wir hatten uns viel vorgenommen“, sagt er über die Partie beim VfB. Doch dazu hätten Martin Mataija und Fabian Eichner die Torgelegenheiten in der Anfangsphase nützen müssen. Und der SSV hätte ein paar individuelle Fehler weniger machen müssen – was beides nicht gelang. Den 0:1 Rückstand konnten die Gäste durch Martin Mataija noch egalisieren, den 1:3-Rückstand durch Eichners Elfmetertor verkürzen. Doch mit dem Treffer zum 4:2 nach einem Konter brachen die Obertürkheimer den Widerstand der Gäste.

Wohl dem, der auch in schweren Zeiten das Gute zu erkennen weiß. Zu diesen Menschen gehört Tomislav Babic, Spielleiter des Tabellenschlusslichts Croatia Stuttgart. „Normalerweise kassieren wir nach einem 0:3-Rückstand immer noch das vierte, fünfte oder sechste Gegentor.“ Was im Spiel beim SV Vaihingen nicht der Fall war. Zwar hatten sich die Kroaten durch einige individuelle Fehler drei Tore eingefangen, doch danach stemmten sie sich gegen die Niederlage. Drei Minuten vor Schluss traf Derijo Mlikota per Freistoß zum 1:3, 120 Sekunden später erzielte Marijan Kelentric nach einer Ecke das 2:3. Doch dann sorgten die Gäste wieder einmal selbst für ihren K.o.: Ein Fehlpass von Branimir Bresic führte zu einem Konter, der mit dem 4:2 für die Platzherren abgeschlossen wurde.

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