Natalie Hieronymus zählt mit 14 Treffern zu den erfolgreichsten Torschützinnen im TSV Heimsheim. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Fußball-Frauen des TSV Heimsheim sind in der Bezirksliga klarer Tabellenführer – mit einem jungen Coach, der viel Engagement zeigt. Dabei wollte lange Zeit gar niemand das Team übernehmen.

Es war längere Zeit einiges in der Schwebe bei den Fußballerinnen des TSV Heimsheim nach dem unglücklichen Abstieg aus der Regionenliga im Sommer 2023. Auch der Bezirkspokalsieg mit dem klaren 4:0-Erfolg gegen den SB Asperg konnte Dietmar Bulla nicht davon überzeugen, weiterhin Trainer bei den Heimsheimer Frauen zu bleiben, obwohl sogar zwei Töchter von ihm im Team sind. Dietmar Bulla nahm seinen Abschied als Coach.

 

Die Spielerinnen machten sich selbst auf die Suche nach einem neuen Übungsleiter – und konnten ihr Glück kaum fassen, dass nach mehreren Absagen ausgerechnet Oliver Münzer seine Bereitschaft dafür erklärte. Nicht nur, dass er mit 25 Jahren ein junger Kerl in der Trainer-Gilde ist – er war auch erst im November 2022 aus der Düsseldorfer Gegend in den Süden gezogen, weil er nach seinem Studium als medizinischer Physiker eine Stelle bei einem Automobilzulieferer begonnen hatte. Seit Januar 2023 spielte der ehemalige Junioren-Oberliga-Kicker zudem bei den Heimsheimer Männern mit, damals noch in der Bezirksliga.

Es gab sehr viel Neues für Oliver Münzer zu verarbeiten – die Trainerstelle bei den Heimsheimer Frauen lud er sich trotzdem zusätzlich auf die Schultern. „Ich wollte schon immer irgendwann mal Trainer werden, warum sollte ich nicht hier anfangen?“, erklärte er seine Zusage. Und es freute ihn ungemein, dass er den TSV-Frauen damit einen Gefallen tat. „Die Mädels wollten mir erst nicht glauben, als ich zugesagt habe. Sie hatten zuvor offenbar zu viele Absagen bekommen“, erinnert sich der 25-Jährige schmunzelnd.

Dass das Team ihn mit dem Saisonziel sofortiger Wiederaufstieg aus der Bezirksliga konfrontierte, irritierte ihn nur kurzzeitig. „Für mich als Auswärtigen war das schwer zu beurteilen“, weiß er noch gut. Doch im Laufe der Saisonvorbereitung stellte er fest, dass der Aufstieg keineswegs ein utopisches Ziel war. „Wir hatten sogar den Plan formuliert, alle unsere zehn Spiele in der Hinrunde zu gewinnen, um gleich mal ein Zeichen für die Konkurrenz zu setzen“, erzählt Münzer.

Nur einmal muss der Trainer laut werden

Viel hat dazu nicht gefehlt – nur dem TSV Heimerdingen gelang es, den Heimsheimerinnen beim 1:1 zwei Zähler abzunehmen. Dennoch thront Heimsheim zur Winterpause mit sechs Zählern Vorsprung deutlich über dem Rest der Liga – was für Oliver Münzer nicht ganz überraschend ist. „Die Bezirksliga ist sehr heterogen, manche Gegner haben es uns sehr einfach gemacht“, stellt er fest. Seinem Team sei es zumeist sehr gut gelungen, den Ball laufen zu lassen.

Nur der Auftritt gegen den TSV Heimerdingen hat ihm nicht gefallen. „In der ersten Halbzeit haben wir die Körpersprache eines arroganten Tabellenführers an den Tag gelegt, der sich ja nicht weh tun will“, kritisiert er. Es war die einzige Partie, in der Oliver Münzer in der Halbzeitpause nach einem 0:1-Rückstand in der Kabine lauter wurde. Als glücklich stuft er den 2:1-Erfolg bei der SG Horrheim/Sternenfels/Häfnerhaslach II ein. „Auf dem sehr langen Platz haben wir keine Struktur in unser Spiel gekriegt“, weiß er noch gut.

Nur fünf Gegentore vor der Winterpause

Dagegen standen neun Siege mit bis zum Teil acht Toren Unterschied – und ein Torverhältnis von 46:5 aus zehn Spielen zur Winterpause. Vorne kann sich die Mannschaft vor allem auf Rieke Bulla und Natalie Hieroniymus verlassen, die beide mit jeweils 14 Treffern die Torjägerliste anführen. Defensiv sorgen unter anderem Innenverteidigerin und Kapitänin Janina Hüsgen und Torspielerin Svenja Ströbel für Stabilität. „Das Team funktioniert aber insgesamt hervorragend, die Mädels sind cool“, freut sich Oliver Münzer.

Zusammen mit Co-Trainer Daniel Nellinger, einem Arbeitskollegen, sorgt er dafür, dass alle Spielerinnen aus dem 16er-Kader Einsatzzeiten kriegen. Fast jeden Abend steht Oliver Münzer in Heimsheim auf dem Sportplatz, zweimal als Spieler bei den Männern, zweimal als Trainer der Frauen. Eigentlich wollte er dieses Amt nur bis zur Winterpause ausüben, nun macht er sicher bis zum Saisonende weiter. Um den Aufstieg zu feiern? Gut möglich. „Der TSV Heimerdingen ist eigentlich unser einziger echter Konkurrent. Sie waren gegen uns gut eingestellt und haben uns am meisten Probleme gemacht“, zollt der dem Tabellendritten Respekt.