Björn Lorer (3. v. r.) traf in Hälfte eins nur die Latte. Dasselbe widerfuhr noch zwei seiner Teamkollegen vom MTV. Foto: Günter E. Bergmann

147 Tore sind in den Partien der ersten vier Bezirksligaspieltage gefallen. Doch nur ein Team kann wirklich als Torfabrik bezeichnet werden: Spitzenreiter N.A.F.I. Stuttgart, der erneut einen Kantersieg feierte.

Stuttgarter Norden - Die Trefferquote in der aktuellen Bezirksligasaison kann sich sehen lassen: In den bislang 31 Begegnungen netzten die Kicker 147-mal ein. Aber da gibt es eine Mannschaft, die den Begriff „Torfabrik“ wahrlich verdient hat. Spitzenreiter N.A.F.I. Stuttgart feierte am Sonntag gegen die Landesliga-Reserve des SV Bonlanden den nächsten Kantersieg und hat nun schon 24 Tore auf dem Konto. Abgesehen von N.A.F.I., dem spielfreien TSV Weilimdorf und dem FC Stuttgart-Cannstatt, der sich ein Stück weit in der Tabelle nach oben gearbeitet hat, verlief der vierte Spieltag für die Teams aus dem Stuttgarter Norden eher trist.

Für N.A.F.I. Stuttgart war es der vierte Sieg im vierten Saisonspiel, für den SV Bonlanden II war die 1:8-Pleite beim Aufsteiger die höchste Niederlage in seiner Bezirksligageschichte, und für N.A.F.I.-Coach Damir Bosnjak war die Leistung seiner Mannschaft „ganz ordentlich“. Fakt ist jedenfalls: Auch wenn die Bonlandener ihre erste Tormöglichkeit in der 11. Minute zur 1:0-Führung nützten – sie hatten nicht den Hauch einer Chance gegen den Kombinationswirbel des hochkarätig besetzten Liganeulings. Der hatte den Rückstand durch zwei Treffer von Murat Öcal und zwei von Adnan Akcan bis zur Pause in eine 4:1-Führung umgewandelt. In Hälfte produzierte die Torfabrik gegen sich nun aufgebende Bonlandener munter weiter: Akcan baute seine Bilanz durch zwei weitere Tore auf nun 13 Saisontreffer aus, jeweils ein Mal vollendeten Neuzugang Ali Parhizi und Ugur Capar.

Der MTV Stuttgart hat gerade einmal acht Saisontore auf dem Konto. Wobei es durchaus ein paar mehr wären, sofern die Elf vom Kräherwald in der Begegnung mit Croatia Stuttgart nicht reihenweise gute Chancen verballert hätte und sich am Ende mit einem 2:2 begnügen musste. Allein dreimal rettete die Latte für das kroatische Team: Björn Lorers 30-Meter-Schuss klatschte in Hälfte eins ebenso gegen das Aluminium wie der Schlenzer von Moritz Helmes und der Kopfball von Raphael Hahn in Durchgang zwei. Dabei hatte es ganz gut für den MTV begonnen, der schon nach fünf Minuten durch Tom Kursawe in Front ging. Kursawe bereitete in gewisser Weise auch den zweiten Treffer der Platzherren vor: Er wurde in der 64. Minute von Branimir Marijanovic im Strafraum zu Fall gebracht. Den fälligen Strafstoß – übrigens der zweite, den Marijanovic in dieser Spielzeit verursacht hat – verwandelte Hahn zum Ausgleich. Denn zuvor hatten erst ein Kopfballtreffer von Dragan Zulj und dann eine verunglückte Flanke von Mirko Plantic, die sich ins Tor senkte, zum zwischenzeitlichen 2:1 für die Kroaten geführt. „Schade, dass wir es nicht geschafft haben, den Vorsprung bis zum Schluss zu verteidigen“, sagt Croatia-Spielleiter Tomislav Babic. „Das lag leider an dem blöden Elfer und dem Platzverweis von Stanislav Vrcan.“ Da wird es den Spielleiter kaum trösten, dass sich auch MTV-Coach Francesco Mazzella di Bosco nicht mit dem Ergebnis anfreunden konnte: „Bei gefühlt 80 Prozent Ballbesitz und bei unseren Chancen in der zweiten Hälfte hätten wir eigentlich gewinnen müssen.“

Der FC Stuttgart-Cannstatt hat das Spiel beim SSV Zuffenhausen zwar mit 3:0 gewonnen, doch FC-Trainer Samir Avdic hatte hinterher einiges zu kritisieren: „Wir sind viel gelaufen. Aber in der zweiten Halbzeit sind wir dumm gelaufen.“ Dabei hatte der FC in Hälfte eins praktisch alles richtig gemacht: Avdics Team spielte schnell und schnörkellos. Der Lohn: das frühe 1:0 durch Behar Hasanaj nach Freistoß-Vorlage von Tamer Fara. Beim 2:0 durch Mesut Tanribuyurdu hatte Ethem Baykan die Vorarbeit geleistet. Und dem Tor Nummer drei, das schon nach einer halben Stunde Spielzeit die Vorentscheidung bedeuten sollte, ging eine Ballstafette über Spiridon Katsiulas und Tamer Fara voraus, ehe Hasanaj vollendete. „Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen“, schimpfte SSV-Trainer Ingo Ramljak. „Da hat gar nichts zusammengepasst.“ Immerhin gelang es den Zuffenhäusern, nach der Pause wenigstens konsequent zu verteidigen – was allerdings auch ein Stück weit durch die Spielweise des FC erleichtert wurde. „Not gegen Elend“, urteilte Avdic über die Geschehnisse im zweiten Spielabschnitt. Der FC-Trainer hätte sich jedenfalls gewünscht, dass seine Schützlinge in Hälfte zwei ebenso zielstrebig wie in den ersten 45 Minuten zu Werke gehen. „Denn dann hätten wir wenigstens unser Torverhältnis ausgleichen können.“

Zum Kreis der angesäuerten Trainer darf sich auch Gökhan Dogan, Coach der Sportvg Feuerbach, rechnen. Denn in der Partie gegen die TSVgg Münster gerieten die Feuerbacher schnell mit 0:2 in Rückstand und glichen noch vor der Pause mit einem Doppelschlag durch Michele Cinque und Mahran Hussein aus. Was folgte, war ein emsiges Berennen des Tores der Münsterer. An Chancen herrschte auch kein Mangel – nur an deren Verwertung. Selbst dann, als die TSVgg nach einem Platzverweis in der 64. Minute nur noch zu zehnt war. „Wir haben danach das Fußballspielen eingestellt“, schimpfte Dogan. Das sollte sich rächen: Kurz vor Schluss fing sich die Sportvg das 2:3 ein. „Ein Tor aus dem Nichts“, zürnte der Feuerbacher Trainer.

Der TV 89 Zuffenhausen bleibt auch im vierten Anlauf ohne Sieg. Zum Spielverderber wurde der Gastgeber SV Sillenbuch – wobei sich das TVZ-Team auch an die eigene Nase fassen muss. „Das war suboptimal, was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben“, kritisierte der Zuffenhäuser Coach Sven Peuckert. Die Sillenbucher wussten das Formtief der Gäste wohl zu nutzen und gingen mit einer 2:0-Führung in die Pause. In Durchgang zwei präsentierten sich der TV 89 zwar deutlich verbessert, schaffte es aber nicht, die Möglichkeiten in Zählbares umzumünzen. Die beste Chance vergab Eddy Bormann, dessen Kopfball in der 54. Minute an der Latte landete. Dafür glückte dem SV nach einem Konter noch das 3:0.

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