SC-Schlussmann Milan Jurkovic vereitelte im Spitzenspiel etliche Chancen von N.A.F.I. Stuttgart, musste sich aber dennoch viermal geschlagen geben. Foto: Günter Bergmann

Fußball
Jetzt sind es vier Punkte Vorsprung: Spitzenreiter N.A.F.I. profitiert vom Resultat des Verfolgerduells.

Stuttgarter Norden - Ein Absteiger steht fest: der FC Stuttgart-Cannstatt. Der zweite ist seit Sonntag praktisch sicher: der SSV Zuffenhausen, der im Kampf der Kellerkinder mit 0:1 bei Croatia Stuttgart verlor und bei noch vier ausstehenden Spielen elf Punkte Rückstand auf Platz 14 hat. Auf diesen Tabellenrang reduziert sich inzwischen die Gefahrenzone in der Fußball-Bezirksliga, weil derjenige, der am Saisonende auf diesem Platz zu finden ist, die Abstiegsrelegation bestreiten muss. Diese Gefahr besteht für sechs Mannschaften, darunter neben Croatia auch die Sportvg Feuerbach, die gegen die TSVgg Münster nicht über ein 2:2 hinauskam. Dagegen hat sich der MTV Stuttgart mit dem 3:2 gegen die Spvgg Möhringen schon ein etwas solideres Polster verschafft. Apropos Polster: Spitzenreiter N.A.F.I. Stuttgart bestätigte mit dem 4:1 beim SC Stammheim seine Favoritenrolle. Zudem baute der Tabellenführer, der vom 2:0 des SV Bonlanden im Verfolgerduell gegen Türkspor Stuttgart profitierte, seinen Vorsprung auf die nun zweitplatzierten Bonlandener auf vier Punkte aus.

Die größte der noch verbleibenden Hürden auf dem Weg zum Titel hat N.A.F.I. Stuttgart genommen. „Meine Mannschaft hat das herausragend gemacht“, sagt N.A.F.I.-Trainer Damir Bosnjak nach dem 4:1-Erfolg beim SC Stammheim. Bereits in der 8. Minute nutzte Josip Biljeskovic nach einem Freistoß von Ali Parhizi ein Zuordnungsproblem in der Stammheimer Abwehr zum 1:0. Dass aber auch der Spitzenreiter nicht unverwundbar ist, zeigte sich Mitte der ersten Halbzeit. Parhizi verlor den Ball an Matthias Kassaye, der mit seinem Pass Sergio Mavinga freispielte. Mavinga wiederum überwand N.A.F.I.-Keeper Hüsrev Kop und vollendete zum 1:1-Ausgleich. Bis kurz vor der Pause konnten die Platzherren, vor allem dank der Paraden von SC-Schlussmann Milan Jurkovic, das Spiel offen halten. Doch dann landete der Tabellenführer einen Doppelschlag. In der 43. Minute schlug eine Direktabnahme des Ex-Stammheimers Emre Yildizeli zum 2:1 im SC-Tor ein. Zwei Minuten später verwertete Haris Grahic einen zu kurz abgewehrten Ball zum 3:1 für die Gäste. „Damit war das Ding eigentlich gegessen“, sagt Stammheims Trainer Thomas Oesterwinter. Dessen Team hielt weiter nach Kräften dagegen. Und so konnte N.A.F.I. nur noch eine der sich bietenden Möglichkeiten nutzen. In der 80. Minute steuerte Stürmer Erdal Koyuncu allein auf Jurkovic zu und hob das Spielgerät über den Torwart zum 4:1 ins Netz. Der 21. Sieg in der laufenden Runde war allerdings nicht das einzige, worüber sich Bosnjak und seine Mannschaft freuen konnten. Die Nachricht vom 2:0 des SV Bonlanden über Türkspor Stuttgart sorgte bei N.A.F.I. ebenfalls für gute Stimmung. „Jetzt könnten wir uns in den letzten vier Spielen sogar zwei Unentschieden leisten“, sagt Damir Bosnjak.

Siegreich, aber nicht ganz so souverän beendete der MTV Stuttgart seine Partie gegen die Spvgg Möhringen. „Wir haben die ersten 20 Minuten ein bisschen verschlafen“, sagt MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco. Wobei es eigentlich nur die ersten vier Minuten waren. Denn dann kamen die Möhringer durch Marvin Kuhn zur 1:0-Führung. „Es hat bis Mitte der ersten Halbzeit gedauert, bis wir das abgeschüttelt hatten“, sagt Mazzella di Bosco. Doch ab diesem Zeitpunkt eroberten sich die Platzherren mehr und mehr Spielanteile. In der 24. Minute fiel dann der Ausgleich. Friedrich Pfeifer Koelln war im gegnerischen Strafraum zu Fall gebracht worden. Willie Sauerborn verwandelte den fälligen Elfmeter zum 1:1, was gleichzeitig der Pausenstand war. Für den zweiten Spielabschnitt gab der MTV-Trainer seinen Spielern eine klare Devise mit auf den Weg: „Vollgas geben.“ Das tat die Elf vom Kräherwald dann auch. Zwar verpasste zunächst noch Haralampos Cechagias die Führung, aber in der 56. Minute traf Sauberborn nach guter Vorarbeit von Joel Graham zum 2:1. Raphael Hahn ließ nach Pass von Fadi Odesh zwei Minuten später den dritten Treffer für den MTV Stuttgart folgen. Die Möhringer konnten in der 84. Minute noch auf 2:3 verkürzen, doch der Sieg der Gastgeber geriet nicht mehr in Gefahr.

Da musste die Sportvg Feuerbach schon etwas mehr rackern, um sich gegen die TSVgg Münster wenigstens einen Punkt zu sichern. „Münster hat sicherer und konstruktiver gespielt“, sagt Feuerbachs Abteilungsleiter Robert Junak. Aber dafür bewies die Sportvg Moral. Nachdem die Gäste in der 23. Minute in Front gegangen waren, konnte Mahran Hussein kurz vor der Pause egalisieren. Und auch die erneute Führung der Münsterer, per Freistoß durch den kurz davor eingewechselten Ex-Profi Mustafa Parmak in der 70. Minute erzielt, hatten die Platzherren noch eine Antwort parat. In der 86. Minute traf Maximilian Eisentraut nach Vorarbeit von Interims-Spielertrainer Roland Filipovic und Harun Sever zum 2:2. „Einer der wenigen richtig guten Spielzüge von uns“, urteilte Junak über die Aktion. Allerdings muss die Sportvg in der nächsten Begegnung auf ihren Kapitän Harun Sever verzichten. Er handelte sich in der 89. Minute noch Gelb-Rot und damit eine Sperre für ein Spiel ein.

Eng geht es für Croatia Stuttgart im hinteren Tabellendrittel zu. Noch viel enger war es für den SSV Zuffenhausen vor der Partie bei den Kroaten. Und nach der 0:1-Pleite ist für den SSV die Saison praktisch gelaufen. Elf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz bei noch vier ausstehenden Begegnungen – da braucht es schon ein mittelgroßes Fußballwunder, um den Absturz der Zuffenhäuser in die Kreisliga A zu verhindern. Die prekäre Lage wirkte sich auch auf die Aufgebote beider Mannschaften aus. SSV-Trainer Emrah Uyar wechselte sich in der Schlussphase selbst ein, Ersatzkeeper Dennis Neumann kam als Feldspieler in die Partie, und als letzter verbliebener Ersatzspieler saß Andre Dietze, Trainer des SSV-Frauenteams, auf der Bank. Bei Croatia war die Lage nicht viel besser. Bei den Platzherren kamen sowohl Co-Trainer Stanko Colak als auch Coach Branimir Bresic zum Einsatz – wobei sich letzterer aus taktischen Gründen in der Schlussphase eingewechselt hat. Denn es galt ja, die knappe 1:0-Führung über die Zeit zu bringen, die Puria Masoumifar in der 55. Minute erzielt hatte. Nun hätten die Gastgeber, gemessen an ihren teils sehr klaren Chancen, längst einen deutlicheren Vorsprung haben können. Aber Zuffenhausens Schlussmann Björn Fante hatte einen ausgesprochenen Sahnetag erwischt und ließ nur den Schuss von Masoumifar passieren, der obendrein noch abgefälscht war. Das Aufbäumen der Zuffenhäuser kam zu spät, um das Blatt noch zu wenden. Entsprechend fiel das Urteil von Croatia-Trainer Bresic nach dem Schlusspfiff aus: „Ich kann dazu nur eines sagen: Wenn wir dieses Spiel nicht gewonnen hätten, hätte ich den Ball gefressen.“

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