Robert Seifried hat sein Haus in Berkheim mit einem großen VfB-Wappen bemalen lassen.
Esslingen - Wer sagt denn, dass es einen Brustring nur auf Trikots geben kann? In Berkheim steht ein Haus, bei dem schon von Weitem klar ist: Hier wohnt ein echter VfB-Fan. Als Robert Seifried die Fassade seines Hauses im Kornbergweg sanieren ließ, hat er sich einen Traum erfüllt. Das Haus wurde weiß gestrichen und bekam auf der Vorderseite ein großes VfB-Logo. Zugegeben, der Brustring in leuchtendem VfB-Rot reicht nicht komplett ums ganze Haus herum. Trotzdem sticht das Haus jedem ins Auge. Die Seifrieds sind es gewohnt, dass immer wieder Leute stehen bleiben oder langsam mit dem Auto vorbeifahren, einige machen auch Fotos. Um das Original-Wappen des VfB verwenden zu dürfen, musste sich Seifried extra eine Genehmigung des Vereins einholen. Er bekam eine CD mit den Daten zugeschickt, davon hat eine Firma eine Schablone erstellt. „Dann wurde alles in Handarbeit aufgemalt, mit allem Schnickschnack“, erinnert sich Seifried. Fast zwei Tage war eine Stuckateurin damit beschäftigt. Billig war das Ganze nicht. „Man hätte sich dafür mindestens vier Dauerkarten kaufen können“, sagt er lachend. Vorbild für seine Fassade war übrigens ein Haus in Schorndorf, das Seifried auf einer Radtour entdeckt hatte. Dort erstreckt sich das VfB-Zeichen sogar über das halbe Haus. „Das hat mir dermaßen imponiert“, erinnert er sich. In Deizisau kennt er noch ein Gebäude mit einer HSV-Raute. Seine Tochter, die im selben Haus wohnt, war sofort Feuer und Flamme, schließlich ist sie auch VfB- Fan. Bei seiner Frau musste er schon mehr Überzeugungsarbeit leisten. Aber letztlich war auch das kein Problem: „Ich bin relativ gut darin, andere zu überreden“.
Wie wohl jeder echte VfB-Fan hat Robert Seifried schon oft heftig geflucht über seinen Verein. Das Logo auf seinem Haus aber hat er nie bereut und immer verteidigt. „Ich lasse mich nach einem Streit ja auch nicht gleich scheiden“, vergleicht er augenzwinkernd. Der pensionierte Polizist ist Mitglied bei den Rot-Weißen Schwaben Berkheim, dem größten VfB-Fanclub. Seit 35 Jahren hat er eine Dauerkarte. 2020 ist das erste Jahr, in dem er pausieren muss. Und ausgerechnet beim letzten Heimspiel gegen Bielefeld, bevor wegen Corona keine Zuschauer mehr ins Stadion durften, war er auch noch krank geworden. Der sportliche 65-Jährige bezeichnet sich selbst als „durchschnittlichen Fan“. Von Haus aus ist er sowieso Handballer. Ganz früher hat er selbst gespielt, er war Abteilungsleiter und Jugendleiter beim TSV Deizisau gewesen, wo er bis zu den Corona-Einschränkungen weiterhin fast jedes Wochenende im Einsatz war. Trotzdem hat er im Keller auch noch einen VfB-Fan-Raum, der seinesgleichen sucht. Die Türe zu dem Raum haben seine beiden Schwiegersöhne – obgleich Bayern- und Freiburg-Fans – rot-weiß gestrichen und mit Logo beklebt, auf einer Wand steht groß und in rot „furchtlos und treu“. Drei Abstiege, drei Meisterschaften – Robert Seifried hat mit dem VfB schon fast alles erlebt und das zeigt sich auch an den vielen Erinnerungsstücken, die hier stehen. Wie die Flasche Bier von der Meisterschaft 1984, die immer noch ungeöffnet ist, diverse Wimpel und Fanschals. Oder die gerahmte Fahne, die er 1967 bei seinem ersten VfB-Spiel dabei hatte, sein Vater hatte ihn damals mitgenommen.
Von Geisterspielen hält er nicht viel, es fehle die Atmosphäre. „Fußball ohne Zuschauer ist wie Cola ohne Zucker oder alkoholfreies Bier“, sagt er. Am Samstag beginnt wieder die Bundesliga, in einer Testphase sind mit Einschränkungen auch wieder Zuschauer erlaubt. Wie sich die Stuttgarter in der ersten Liga schlagen? Da ist er nicht allzu optimistisch: „Mir fehlt der Glaube, dass es mit der Truppe klappt. Aber vielleicht gibt es ja eine Überraschung.“