Keltermäusle Lisa I. und Oberbacchus Maximilian I. regieren Fellbachs Narren. Foto: Julian Rettig

In Fellbach und in Waiblingen sind die närrischen Hoheiten für die diesjährige Faschingskampagne inthronisiert worden.

Auf diesen Moment hatte das Narrenvolk im Innenhof des Fellbacher Rathauses hingefiebert. Dann tat sich die Wand aus Weingeistern und Gardemädchen auf und gab den Blick auf das neue Prinzenpaar des Fellbacher Carneval Clubs frei. Beifall für Keltermäusle Lisa I. und Oberbacchus Maximilian I. brandete auf.

 

Jedes Jahr wird ein großes Geheimnis um die Tollitäten gemacht, das erst am Tag der Inthronisation gelüftet wird – und das neue FCC-Prinzenpaar legte einen strahlenden Auftritt hin. Beide sind auch erfahrene Karnevalisten. Das 23-jährige Keltermäusle namens Lisa Schmidt tanzt schon seit 13 Jahren in den Garden des FCC – und ist allen gut bekannt. Der Oberbacchus an ihrer Seite ist ein neues Gesicht im Verein. Der 22-jährige Maximilian Bohn kennt sich aber mit Fasching aus. Sein Vater Jürgen war, wie auch wie der Vater von Lisa Schmidt, 2005 Gründungsmitglied des Murrer Karneval-Vereins, des Patenvereins der Fellbacher. „Wir sind schon als Kinder gemeinsam durch den Fasching gezogen“, sagt das Keltermäusle, das schon im Alter von drei Jahren davon träumte, einmal Faschingsprinzessin zu sein. „Damals war meine ältere Schwester Christine Prinzessin bei der Fasnet-Gilde Markgröningen, und ich wusste, das will ich auch.“

Den alten Kumpel im Kopf gehabt

Bei der Wahl ihres Prinzen erinnerte sich Lisa Schmidt, die Public Management in Ludwigsburg studiert, an ihren alten Kumpel. Doch der hatte sich, anders als die Fellbacherin, eigentlich aus dem närrischen Treiben ausgeklinkt und widmete seine Freizeit der Freiwilligen Feuerwehr Murr. „Doch als Lisa angerufen hat und mich gefragt hat, ob ich ihr Prinz sein will, dachte ich mir, das kann ich schon mal machen“, sagt der Auszubildende zum Elektriker. „Und die Rückkehr in den Fasching war schön, jetzt freue ich mich richtig auf die Kampagne“, sagt der Oberbacchus nach dem erfolgreichen Auftakt am 11.11. „Schade, dass sie in diesem Jahr recht kurz ist.“ Bis zum Aschermittwoch am 14. Februar werden das Fellbacher Keltermäusle und ihr Oberbacchus aber noch auf vielen Ordensfesten, Prunksitzungen und Umzügen tanzen. Am Freitag geht es los mit einem hoheitlichen Auftritt beim Karnevalsclub Stuttgarter Rössle, und am Samstag begleiten sie die Prinzengarde zu ihrem Auftritt bei Blau-Weiß Stuttgart.

Die Inthronisation ist ein besonderer Moment gewesen, auch für Kim Lisa Neumann alias Oberbacchus Kimi I.. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Frederike Popp alias Keltermäusle Freddi I., hatte sie in der vergangenen Kampagne Fellbachs Narren regiert. „So viel ich weiß, waren wir das erste gleichgeschlechtliche Prinzenpaar in der Region“, sagt Kim Lisa Neumann.

Keine blöden Sprüche

Eine Premiere in der Geschichte des 1981 gegründeten FCC war es auf jeden Fall. Und es war ein Erfolg. „Es hat uns unendlich viel Spaß gemacht, und es gab nie blöde Sprüche“, sagt die 26-jährige Abteilungsleiterin in einem großen Möbelhaus. „Wir hatten aber schon im Vorfeld keinerlei Befürchtungen, außerdem sind wir beides Menschen, die offen damit umgehen.“ Am Freitag trug Kim Lisa Neumann dann wieder ihr angestammtes Weingeister-Häs, „in das ich hineingeboren wurde“, wie sie lächelnd sagt. Die Insignien der Macht übergab sie alleine. „Freddi hat sich einen Traum erfüllt und ist zum Start in die fünfte Jahreszeit nach Köln gefahren.“

Auch in Waiblingen wurde am 11. 11. eine neue närrische Hoheit gekrönt: Prinzessin Larissa I. von Ghibellinia führt, ganz emanzipiert, die Narren in der Kampagne allein an.