Die Fünferkette analysiert das Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Kürze. Foto: STZN/Kijack

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich bei der Fußball-EM für das Viertelfinale qualifiziert. Wer war Spielentscheider und wie sieht der Plan für das nächste Match aus? In unserer Fünferkette analysieren wir das Spiel.

Lille - Beim 3:0-Sieg im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei hat die deutsche Nationalmannschaft ihre beste Turnierleistung geboten. Rechtzeitig vor dem Viertelfinalklassiker gegen Spanien oder Italien kommt der Weltmeister in Schwung und gewinnt in allen Bereichen an Stabilität. Die Abwehr steht und hat noch immer kein Gegentor kassiert; der Angriff geht konsequenter mit den Torchancen um. Und auf Linksaußen wird ein Mann zum Matchwinner, den vorher keiner richtig auf der Rechnung hatte.

Spielplan:Wie im letzten Gruppenspiel gegen Nordirland (1:0) war es das Ziel des Bundestrainers Joachim Löw, den defensiv ausgerichteten Gegner von Beginn an mit schnellem Kurzpassspiel auseinanderzunehmen. Im Angriff sollte wieder Mario Gomez die Verteidiger auf sich ziehen und damit Räume für die Mitspieler schaffen; Thomas Müller agierte auch diesmal eher zentral denn auf rechts wie in den ersten beiden Turnierspielen. In Julian Draxler nahm Löw dafür anstelle von Mario Götze einen Linksaußen in die Mannschaft, der die Aufgabe bekam, Eins-gegen-Eins-Duelle zu suchen und ins Dribbling zu gehen. Ein äußerst gelungener Schachzug.

Spielentscheidend::Schon nach neun Minuten traf der Abwehrspieler Jerome Boateng im Anschluss an eine Ecke mit einem Volleyschuss aus dem Hinterhalt zum 1:0. Ein früher Schock für die Slowaken, während die deutsche Mannschaft dadurch an Sicherheit gewann und das Spiel in der Folgezeit nach Belieben dominierte. Mesut Özil vergab zwar beim Elfmeter die große Chance, schon frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen, doch ließ sich die Mannschaft dadurch nicht aus dem Konzept bringen. Konsequent spielte sie nach vorne und ließ in der eigenen Abwehr dank des Weltklasseduos Boateng und Hummels fast nichts anbrennen. Auf einer stabilen Defensive basiert das deutsche Spiel trotz allen Angriffswirbels.

Spielentscheider:Eher verhalten waren die Auftritte von Julian Draxler in den ersten beiden Spielen, nach denen er vom Bundestrainer eine Pause bekam. Gegen die Slowakei drehte der Wolfsburger groß auf und zeigte seine bisher beste Leistung im DFB-Trikot. Schnell, trickreich, selbstbewusst – immer wieder kam Draxler auf der linken Seite durch und bereitete auf diese Weise auch das vorentscheidende 2:0 von Mario Gomez vor. Mit seinem Treffer zum 3:0 belohnte sich Draxler nach der Pause selbst und wurde verdientermaßen zum „Man of the match“ gekürt.

Wortspiel:„Wir sind eben eine Turniermannschaft und keine Testspielmannschaft“, sagte der Mittelfeldspieler Toni Kroos nach dem Schlusspfiff. In der Tat. Vorerst vergessen sind die kargen Leistungen der vergangenen Monate ebenso wie die mühevolle Gruppenphase der EM. Zwar war auch die Slowakei noch kein echter Prüfstein, doch scheint die Mannschaft wieder einmal rechtzeitig Fahrt aufzunehmen. Sie hat sich zuletzt in jedem Spiel gesteigert.

Spielplan:Eine weitere Leistungssteigerung wird im Viertelfinale nötig sein. Der Gegner wird an diesem Montagabend im Duell zwischen Italien und Spanien ermittelt, womit schon jetzt feststeht, dass die DFB-Auswahl erstmals bei dieser EM auf eine große Fußballnation trifft. Im Erfolgsfall wird es anschließend vermutlich nicht leichter, denn im Halbfinale könnte der Gastgeber Frankreich warten. Fürchten muss sich Löws Mannschaft nicht, denn gegen die Slowakei hat sie wieder einmal unter Beweis gestellt, dass sie immer dann ihre besten Leistungen zeigt, wenn es darauf ankommt.

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