Schlechte Aussichten für das moderne Wohnprojekt Quantum Gardens. Foto: Hähnig

Beim Frühjahrsempfang in Ehningen wählt der Bürgermeister offene Worte. Nicht nur für das ambitionierte Vorhaben.

Beim Frühjahrsempfang der Gemeinde Ehningen machte Bürgermeister Lukas Rosengrün keinen Hehl daraus, dass er für das Großprojekt Quantum Gardens keine große Hoffnung mehr hat. „In der jetzigen Situation ist eine Umsetzung der Quantum Gardens in weite Ferne gerückt“, sagte er in seiner Rede.

 

Im Dezember hatte die Gemeinde das laufende Bebauungsplanverfahren für das ambitionierte Wohn- und Arbeitsprojekt auf Eis gelegt. Grund dafür war, dass der Eigentümer des Grundstückes und seine Firmen in Deutschland von den USA auf eine Sanktionsliste gesetzt worden waren. In seiner Rede erklärte der Bürgermeister den Ehningern, dass er mit den Anwälten des Eigentümers im Gespräch sei, im Sommer soll es bezüglich der Zukunft des Grundstückes neue Erkenntnisse geben. „Derzeit fehlt so ein bisschen der Silberstreif am Horizont“, sagt er. Die Situation sei verfahren, wie das Projekt ausgehe, sei nun maßgeblich von Dritten abhängig.

Doch beim Neubau des IBM-Tech Campus in unmittelbarer Nachbarschaft geht es nun endlich wieder voran: Dei Projektgesellschaft hat ihren Insolvenzantrag zurückgezogen, bis Ende des Jahres plant IBM ihre Belegschaft wieder in Ehningen anzusiedeln. Er selbst glaube noch nicht so richtig daran, doch er sei sich sicher, dass IBM bis zur ersten Jahreshälfte 2025 wieder nach Ehningen zurückziehe.

Autonom fahrender Linienbus soll ab Juni in Ehningen fahren

Auch mit weiteren High-Tech-Nachrichten hielt der Bürgermeister nicht hinterm Berg: Ab Juni soll ein autonom fahrender Linienbus mit Namen „Ameise“ in Ehningen fahren. Ehningen nehme dabei einer Vorreiterposition als eine der ersten Kommunen in Deutschland ein, in der ein solches Fahrzeug am Straßenverkehr teilnehme.

Auch eine seiner ersten wichtigen Aufgaben, die Lukas Rosengrün 2020 von seinem Vorgänger übernommen hat, ist seit vorigem Freitag abgeschlossen: Das Hochwasserrückhaltebecken im Maurener Tal ist nun in Betrieb. Ganze 70 Jahre alt sei diese Idee, sagte der Bürgermeister in seiner Rede.

Als eine der größten Herausforderungen der Gemeinde sieht der Bürgermeister das Rettungszentrum, das nun auf dem Standort „Eingemachtes Wäldle“ entstehen könnte. Darüber unzufrieden sei er, dass in der Vergangenheit Alternativen zum jetzigen Standort am Grunderwerb oder an fehlenden Mehrheiten gescheitert seien. „Hätten wir das hinbekommen, gäbe es heute eine laufende Baustelle für ein Feuerwehrgerätehaus und ein Rettungszentrum“, sagte er.

Beim Thema Interkommunaler Windpark, den die Gemeinde Ehningen gemeinsam mit Holzgerlingen und Böblingen plant, mahnte der Bürgermeister an, sich nicht auf Falschinformationen einzulassen. Dass 40 Prozent des Ehninger Waldes für das Vorhaben gerodet würden, sei nicht richtig.

Gegen Ende der Veranstaltung verlieh die AG Netzwerk Familie Baden-Württemberg der Gemeinde zum dritten Mal das Qualitätsprädikat „familienbewusste Kommune“. Außerdem wurden neun Gemeinderäte auf der Bühne geehrt. Darunter Karl-Heinz Barth (Freie Wähler) für 35 Jahre und Gisa Fichtner (SPD) für 40 Jahre Engagement.

Neben den ernsten Themen fehlte aber auch die gute Laune an diesem Nachmittag nicht: Der Musikverein übernahm den musikalischen Auftakt, gefolgt von dem Gitarren-Duo Café del Mundo, das mit seiner Version von „Viva la Vida“ von Coldplay den kommunalpolitischen Ernst in ausgelassene Stimmung umwandelte. Das große Finale stemmten dann die ganz Kleinen: Die c’OHRwürmer Ehningen’ verzückten das Publikum mit ihren Musikstücken.