Viele Spiele im App Store von Apple basieren auf der „Unreal“-Engine von Epic Games, die mit der Sperre aus dem Angebot fliegen würden. Foto: AP/Patrick Semansky

Apple setzt den „Fortnite“-Entwicklern eine Frist und droht damit, den Mitarbeitern die Entwicklerzugänge zu sperren. Das könnte Folgen haben für zahlreiche Blockbuster-Spiele im App Store.

Stuttgart - Der Streit zwischen den „Fortnite“-Machern von Epic Games und Apple geht in die nächste Runde. Der iPhone-Hersteller fährt nun schwere Geschütze auf und droht den Mitarbeitern des Spieleherstellers, die Entwicklerzugänge zum App-Store zu sperren.

Apple hat Epic eine Frist bis zum 28. August gesetzt, um sich mit der „Fortnite“-App an die Regeln zu halten. Das teilte der kalifornische Videospielehersteller auf Twitter mit. Wenn bis dahin nichts passiere, dann werde Apple „alle Entwickler-Accounts abschalten und Epic die Zugänge zu Entwicklertools für iOS und Mac sperren“. Epic hat nach eigenen Angaben ein Gericht gebeten, diesen „Vergeltungsschlag“ zu unterbinden.

Sollte Apple die Drohung wahr machen, wäre das ein schwerer Schlag für Epic. Denn das Unternehmen steckt nicht nur hinter „Fortnite“, sondern liefert mit der beliebten „Unreal“-Engine die Grundlage für zahlreiche andere Apps im Apple-Angebot. Darunter sind etwa Blockbuster-Spiele wie „Pro Evolution Soccer 2019“, „Mortal Kombat“ und „PlayerUnknown’s Battlegrounds“. Wenn Apple der Programmiersoftware den Hahn abdrehen sollte, dann könnten App-Hersteller gezwungen sein auf Konkurrenz-Angebote wie Unity umsteigen.

Ein Apple-Sprecher teilte unserer Redaktion auf Anfrage mit, dass man Epic im Entwicklerprogramm und die Apps des Anbieters behalten wolle. Das Unternehmen sei einer der erfolgreichsten Entwickler im App Store und habe sich zu einem Multimilliarden-Dollar-Geschäft entwickelt, das Millionen von iOS-Kunden auf der ganzen Welt erreicht.

„Das Problem, das Epic selbst geschaffen hat, kann leicht behoben werden, wenn sie ein Update ihrer App einreichen, das wieder den Richtlinien entspricht, denen sie zugestimmt haben und die für alle Entwickler gelten“, sagt der Sprecher. „Wir werden für Epic keine Ausnahme machen.“

Epic provozierte Streit mit Regelbruch

Der Streit könnte unangenehme Folgen haben für beide Unternehmen, die voneinander profitieren. Apple führt zahlreiche Apps mit der „Unreal“-Engine im App Store, die Geld vor allem über In-App-Käufe generieren. Epic hingegen erreicht über Apple viele Nutzer, die „Fortnite“ und andere Titel auf dem iPhone und auf Mac-Rechnern installieren.

Epic ist jedoch unzufrieden mit der 30-Prozent-Abgabe, die Entwickler bei jeder Transaktion im App Store an Apple zahlen müssen. Das Entwicklerstudio hatte in der vergangenen Woche eine Kampagne gegen Apple losgetreten, mit dem Ziel, die Gebühren zu senken. Facebook hat sich der Protestbewegung bereits angeschlossen. Laut dem Nachrichtenportal „The Information“ soll Epic versucht haben, auch den Musikstreaminganbieter Spotify für die Anti-Apple-Allianz zu gewinnen.

Zunächst hatte Epic den iPhone-Hersteller in der vergangenen Woche mit einem Schleichweg verärgert, über den die mehr als 350 Millionen „Fortnite“-Spieler außerhalb der iOS-App virtuelle Artikel günstiger kaufen konnten. In der Folge warf Apple den Online-Shooter aus dem App-Store.

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