Verzweifelter Blick: Trainer Velimir Petkovic konnte die sportliche Wende bei Frisch Auf Göppingen nicht herbeiführen – nun muss er gehen. Foto: Getty

Nach nur 11:21 Punkten zieht Frisch Auf Göppingen die Reißleine und entlässt Velimir Petkovic. Nachfolger wird Aleksandar Knezevic.

Nach nur 11:21 Punkten zieht Frisch Auf Göppingen die Reißleine und entlässt Velimir Petkovic. Nachfolger wird Aleksandar Knezevic.

Göppingen - Eigentlich hatte sich Velimir Petkovic (57) an diesem Dienstag wie immer auf das Training in der EWS-Arena eingestellt. Doch statt von 17.30 Uhr an auf dem Spielfeld seine Anweisungen zu geben, verabschiedete er sich zu diesem Zeitpunkt im Pressekonferenz-Raum von der versammelten Mannschaft. Dann verließ er die Halle, stieg in seinen Dienst-Mercedes ein – und brauste davon. Kurz davor hatte er sich zur Trennung geäußert: „Ich bin erleichtert. Nach jeder Niederlage wurden die Diskussionen lauter. Der Verein ist in einer Situation, in der er handeln musste. Es interessiert aber keinen, warum das so gekommen ist. Jeder sieht nur die fehlenden Punkte.“ Geschäftsführer Gerd Hofele lobte artig die Verdienste Petkovic’ um den Verein: „Er hat große Spuren hinterlassen und Frisch Auf in der Bundesliga als feste Größe etabliert. Die Trennung ist uns mega-schwer gefallen, leider blieb uns aber keine andere Wahl.“ Hofele führte zum einen die insgesamt negative Entwicklung der vergangenen zwei Jahre an. Zum anderen die aktuelle prekäre Lage: „Wir haben 11:21 Punkte und in dieser Saison erst zwei von acht Heimspielen gewonnen“, sagte Hofele. Das Polster auf die Abstiegsplätze beträgt nur vier Punkte.

Der Mann, mit dem Frisch Auf schnell die Kurve nach oben bekommen soll, betrat am Montag um 17.50 Uhr die Halle: Knezevic wurde den Spielern als Petkovic-Nachfolger vorgestellt. Nötig war das eigentlich nicht. Denn der 44-Jährige ist bestens bekannt. Der Linkshänder spielte von 1999 bis 2007 für Frisch Auf und trainiert seit 2009 die Göppinger Bundesliga-Frauen-Mannschaft, deren Geschäftsführer er auch ist. Nebenbei ist er die rechte Hand von Hofele. Von der neuen Saison an fungiert Knezevic offiziell als sportlicher Leiter der Männer.

Ära endet

Warum er dies nicht schon in dieser Saison war, lag an der Person, die er am Montag als Trainer ablöste: Petkovic und Knezevic ignorieren sich seit Jahren. Beide stammen aus dem bosnischen Banja Luka und waren sich einst freundschaftlich verbunden. Doch längst wechseln sie kein Wort mehr miteinander. Ursache ist die Balkan-Mentalität. Es geht um Stolz und Ehre, um Eifersüchteleien, um Machtspiele im Verein.

Jetzt hat sich Knezevic durchgesetzt. Er wird bei der Männer-Mannschaft erstmals an diesem Samstag (20.15 Uhr/EWS-Arena) gegen die HSG Wetzlar auf der Bank sitzen. Sein Traineramt bei den Frauen übernimmt Petkovic’ bisherigen Assistent Nedeljko Vujinovic. Geschäftsführer bei den Frauen soll Knezevic bleiben, bis Saisonende aber Unterstützung erhalten. „Ich bin es dem Verein schuldig, in dieser schwierigen Situation zu helfen“, sagte Knezevic. Am 1. Juli wird der Schwede Magnus Andersson wie geplant das Amt des Männer-Cheftrainers übernehmen. Knezevic soll dann wieder als Coach zu den Frauen wechseln.

Mit der Trennung von Petkovic ging in Göppingen eine Ära zu Ende. 2004 war er vom Bundesligarivalen aus Wetzlar zu Frisch Auf gekommen. Mit dem EHF-Pokal-Titelgewinn 2011 gelang es ihm, erstmals seit 1972 wieder einen Titel unter den Hohenstaufen zu holen. Ein Jahr später wiederholte er diesen Erfolg. Jetzt musste er gehen. Dass ihm sein Intimfeind nachfolgt, wird seinen Schmerz alles andere als lindern.

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