Stolpersteine halten die Erinnerung an jüdische Opfer des Holocaust wach. Foto: Roberto Bulgrin

„Es gibt leider immer noch Antisemitismus“, weiß der Esslinger Ehrenbürger Wolfgang Drexler. Um ein Zeichen des Miteinanders zu setzen, hat der Unterstützerkreis „Jüdische Kultur in Esslingen“ eine Reihe zum jüdischen Leben in der Stadt auf den Weg gebracht.

Die Diagnose des Esslinger Ehrenbürgers Wolfgang Drexler ist eindeutig: „Es gibt leider immer noch Antisemitismus. Wir müssen gemeinsam dagegen aufstehen und unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in die Mitte nehmen, um ihnen zu zeigen, dass sie zu uns gehören und dass wir fest an ihrer Seite stehen.“ Um ein weithin sichtbares Zeichen zu setzen, hat der Unterstützerkreis „Jüdische Kultur in Esslingen“ zusammen mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs schon vor Monaten eine Veranstaltungsreihe auf den Weg gebracht, die zeigen soll, wie sehr die jüdische Kultur auch unser Leben bereichert. Ein „Streifzug durch das jüdische Esslingen“ eröffnet die Reihe an diesem Sonntag.

 

Traurige Aktualität

Mit seinem jüngsten Projekt setzt der Unterstützerkreis fort, was er mit seinem Engagement für eine neue Tora-Rolle vor Jahren erfolgreich begonnen hatte. Als sich Wolfgang Drexler und seine Mitstreiter vor Monaten an die Planung ihrer Veranstaltungsreihe „Le Chaim – Jüdisches (Er)Leben in Esslingen“ machten, konnten sie nicht ahnen, welch traurige Aktualität ihr Projekt gewinnen würde. „Unsere Reihe ist keine Reaktion auf den brutalen Überfall der Hamas auf Israel und die Diskussionen, die auch hierzulande geführt werden. Unser Anliegen hat dadurch aber eine ganz neue Dynamik erhalten, weil uns die jüngsten Ereignisse vor Augen führen, wie wichtig es ist, immer wieder zu zeigen, dass unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Teil dieser Gesellschaft sind. Wenn man sich verstehen will, muss man miteinander reden, sich besser kennen lernen.“

Diese Einschätzung teilt die Professorin Barbara Traub, die Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs: „In den vergangenen drei Jahrzehnten ist Esslingen vielen jüdischen Menschen zu einem neuen Zuhause geworden. Zuwanderer, die hier Wurzeln geschlagen haben, sich in Vereinen engagieren und längst aktiv in die Esslinger Stadtgesellschaft einbringen.“ Begegnung sei ein zentrales Anliegen: Mit jüdischer Religion und Tradition, mit der Geschichte von einst. „Und Begegnung mit den jüdischen Menschen von heute, wenn man ganz selbstverständlich zusammen die gemeinsame Zukunft aktiv gestaltet“, sagt Traub.

Zahlreiche Veranstaltungen

Weil jüdisches Leben in Esslingen viele Facetten hatte und bis heute hat, ist das Programm der Veranstaltungsreihe breit gefächert. Unterschiedlichste Vereine und Institutionen beteiligen sich: Der Verein Denk-Zeichen, der Esslinger Liederkranz, die Freunde Jüdischer Kultur, die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs, das Kommunale Kino, das Stadtarchiv, die Stadtbücherei, der Verein Trimum sowie die Württembergische Landesbühne.

Gleich die ersten Veranstaltungen zeigen die ganze Vielfalt dieser Reihe: Bei einem „Streifzug durch das jüdische Esslingen“ werden am Sonntag, 26. November, elf neu verlegte Stolpersteine sowie der alte jüdische Friedhof besucht. Beginn ist um 14 Uhr am Marktplatz. Unter dem Titel „Alles koscher!?“ liest Gerhard Polacek am Dienstag, 28. November, ab 19.30 Uhr im Kutschersaal der Stadtbücherei jüdische Witze und Anekdoten. Eine koschere Weinprobe beginnt am Mittwoch, 29. November, um 19.30 Uhr im jüdischen Gemeindezentrum Im Heppächer – Anmeldung unter Telefon 07 11 / 22 83 617. Und bei einer Führung, die am Donnerstag, 30. November, um 18 Uhr im Stadtarchiv beginnt, werden historische Quellen vorgestellt, die Aufschluss über die jüdische Geschichte in Esslingen geben. Das komplette Programm gibt es im Internet unter: www.irgw.de/esslingen/kulturtage