Spielt mit Menschen und sehnt sich nach Liebe: Jessica Chastain in „Fräulein Julie“ Foto: Verleih

Die junge Adlige Julie will ihren Standesfesseln entfliehen und gibt sich ihrem Diener Jean hin, der nicht Liebe, sondern sozialen Aufstieg im Sinn hat – August Strindbergs 1889 uraufgeführtes Drama „Fräulein Julie“ spielt hier in Irland.

Filmkritik und Trailer zum Kinofilm "Fräulein Julie"

Liv Ullmann hat das Stück des schwedischen Schriftstellers um Klassengegensätze und Geschlechterkampf ins Irland des Jahres 1890 verlegt, ansonsten trotz einiger Freiluft-Szenen sehr werktreu als Drei-Personen-Kammerspiel inszeniert.

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Ausstattung und Franz Schuberts als ­Motiv dienendes Klaviertrio Nr. 2 sind zum Sterben schön, und auch die Darsteller ­beeindrucken anfangs, etwa Jessica Chastain in der Titelrolle als ätherische Schönheit voller Neurosen, die launenhaft mit ­Bediensteten spielt und sich zugleich nach großer Liebe sehnt; Colin Farrells Jean wiederum nimmt man zwar die brennende ­Unzufriedenheit mit seinem Stand ab, weniger die Fähigkeit zur kühlen Manipulation, dafür wirkt sein Spiel zu aufgekratzt.

Nicht nur deshalb verliert der Film nach dem entscheidenden Liebesakt in der Mittsommernacht rasant an Schlüssigkeit, er gleitet ab in eine allzu prätentiöse Inszenierung, in der Gefühle lautstark herausgeschrien, aber nicht glaubhaft werden. Überzeugend bis zuletzt bleibt allein Samantha Morton, die Jeans gedemütigte Verlobte ­Kathleen mit größter Subtilität spielt. Doch unterm Strich enttäuscht Ullmanns Adaption, wenn auch aufs Dekorativste.

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