Statt der bekannten Designs könnten wie in Australien einheitliche, unscheinbare Verpackungen eingeführt werden, die Zigaretten weniger attraktiv machen – besonders für Jugendliche. Foto: dpa/Monika Skolimowska

Die Deutschen sind bei der Tabakkontrolle nach Ansicht von Experten europäisches Schlusslicht. Würden strengere Regeln viele Krebsfälle verhindern? Krebsforscher sagen: Ja.

Heidelberg - Der Vorrang wirtschaftlicher Interessen behindert nach Ansicht des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) den Kampf gegen den Krebs. „Drei Tabakkontrollmaßnahmen könnten bis 2050 eine Million Krebsfälle vermeiden“, sagt Ute Mons, die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ. Würden wiederholte Steuererhöhungen, ein umfassendes Tabakwerbeverbot sowie eine einheitliche neutrale Verpackung für alle Zigarettenmarken umgesetzt, bliebe vielen Menschen ein schlimmes Schicksal erspart. Das sei das Ergebnis von Modellrechnungen von DKFZ-Forschern, die das Fachjournal „Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention“ veröffentlicht hat. „Leider fehlt der politische Wille, diese Schritte zu gehen“, sagte Mons anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai: Die Lobby der Tabakindustrie sei in Deutschland weitaus stärker als die der Vertreter der Gesundheitsinteressen der Bevölkerung. Deutschland sei im Kampf gegen den gesundheitsschädlichen Tabakkonsum europäisches Schlusslicht.

Ohne zusätzliche Tabakkontrollmaßnahmen dürfte es im Jahr 2050 einen Raucheranteil von 14,8 Prozent bei den Männern und von 10,2 Prozent bei den Frauen geben. Das haben die Wissenschaftler auf der Basis des heutigen Rauchverhaltens und des derzeitigen jährlichen Rückgangs der Raucherquote errechnet. Bei einer sofortigen Einführung der drei vorgeschlagenen Maßnahmen würden demnach in 30 Jahren voraussichtlich nur noch 9,7 Prozent der Männer und 6,7 Prozent der Frauen zum Glimmstängel greifen. Daraus ergebe sich die Zahl einer Million vermeidbarer Krebserkrankungen.

Identische, unscheinbare Zigarettenschachteln

Das DKFZ spricht sich für ein Außenwerbeverbot für Tabakprodukte aus, etwa an Litfaßsäulen und Plakatwänden. „Es konterkariert alle schulische Aufklärung über die Gefahren des Rauchens, wenn die Jugendlichen nach der Schule an den Haltestellen mit Zigarettenwerbung überschüttet werden“, sagt Mons. Deutschland hinke in dieser Hinsicht im europäischen Vergleich hinterher. Allerdings wollte der Bundestag an diesem Freitag erstmals über ein schrittweises Verbot der Plakatwerbung ab 2022 beraten.

Erfolgversprechend wäre nach Mons’ Ansicht auch eine einheitliche, unscheinbare Verpackung nur mit dem Hinweis auf die Marke, wie sie Australien erstmals eingeführt habe. Damit werde der Versuch der Unternehmen vereitelt, durch die farbliche Gestaltung der Packung für sich zu werben. Die Warnhinweise und abschreckenden Bilder kämen dann auch besser zur Geltung. „Marlboro Red und Gauloises Blau sehen dann identisch aus.“ Insbesondere für Jugendliche verliere die Verpackung an Attraktivität.

Steuern stufenweise erhöhen

Auch der dritte Schritt - die stufenweise Erhöhung der Steuern – zielt besonders auf die Gruppe der „preissensiblen“ jungen Raucher ab. Vorstellbar seien jährlich zehn Prozent für eine Dauer von zehn Jahren. Mons: „Zehn Prozent mehr Steuern führt in der Regel zu fünf Prozent weniger Absatz.“ Das sei die Erfahrung aus Steuererhöhungen vor 15 Jahren. Seitdem habe es nur Erhöhungen in homöopathischen Dosen gegeben. „Da ist noch viel Luft nach oben“, glaubt die Krebsforscherin.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: