Seit 40 Jahren im Geschäft: Gerd Seiler, Geschäftsführer der Hockenheim-GmbH Foto: dpa

Der Hockenheimring-Geschäftsführer Georg Seiler spricht im Interview über den enormen finanziellen Kraftakt, einen Grand Prix ausrichten zu können und das Interesse, welches das Land Baden-Württemberg an der Formel 1 haben sollte.

Hockenheim - An diesem Sonntag findet der Große Preis von Deutschland in Hockenheim statt (15.10 Uhr/RTL). Es könnte für viele Jahre das letzte Mal sein, weil Bewerber wie Hanoi, Kopenhagen oder Miami mehr bezahlen. Hockenheimring-Chef Georg Seiler kämpft um den Standort.

Herr Seiler, als Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH geben Sie auf der Piste sicher auch mal Gas. Wie steht es um Ihre Rundenzeiten?
Ich bin oft genug über den Ring gefahren, aber auf die Zeiten schaue ich nicht.
Mit welchen Autos waren Sie unterwegs?
Mit fast allen. Ich möchte aus Gründen der Neutralität aber keine Marken nennen.
Wie angespannt sind Sie vor Rennen?
Es ist seit 40 Jahren mein Job. Ich bin nicht mehr so angespannt – und für mein Team ist das schon Routine.
Wie viel größer ist der Aufwand, wenn die Formel 1 ins Badische kommt – etwa im Vergleich zur DTM?
Wesentlich größer. An der Anlage muss sehr viel mehr präpariert werden, auch hat man als Promoter sehr viel zu organisieren, vom Kartenverkauf bis zur sportlichen Abwicklung. Zudem gibt es immer wieder neue Formel-1-spezifische Themen zu klären. Unsere Arbeit beginnt zirka ein halbes Jahr vor dem Rennwochenende.
Wie sehen Sie die Zukunft des Formel-1-Gastspiels in Hockenheim? Findet am Sonntag das letzte Rennen statt?
Die Frage höre ich zum tausendsten Mal, und zum tausendsten Mal gebe ich die gleichen Antworten. Aber ich gebe Sie gerne auch nochmal Ihnen.
Das ist nett.
Unser Vertrag läuft in diesem Jahr aus. Ob die Formel 1 weiterhin in Deutschland oder Hockenheim fährt, das werden die Verhandlungen zeigen. Wir sind in Gesprächen mit Liberty Media und haben immer wieder deutlich gemacht, dass wir an einer Fortführung des Events interessiert sind, sofern eine Konstellation gefunden wird, die eine essentielle Risikominimierung bringt.
Sie wollen natürlich keine roten Zahlen mehr schreiben.
Uns wurde ein Ansatz über eine mögliche Zusammenarbeit skizziert. Inwieweit sich unsere Vorstellungen mit denen der Formel 1 zusammenbringen lassen, wird sich zeigen. Dem Rhythmus entsprechend wären wir ja erst 2020 wieder an der Reihe. Deshalb haben wir jetzt Zeit, die Verhandlungen vertieft zu führen.
Bernie Ecclestone war seinerzeit ein harter Verhandlungspartner.
Ecclestone war tatsächlich ein harter Verhandlungspartner, der seine Vorstellungen hatte. Er hat Geld verdient an den Leuten, die einen Grand Prix ausrichten wollten und bereit waren, große Summen dafür zu bezahlen. Wir sind mit Ecclestone aber stets gut gefahren. Er hat immer zu uns gestanden. Wir hatten ein vertrauensvolles, ehrliches und kooperatives Verhältnis.
Obwohl Sie sich den Ausrichtung des Grand Prix seit 2006 nur noch alle zwei Jahre leisten konnten. Ist eine Ihrer Ansicht nach gute Zusammenarbeit auch mit Liberty möglich?
Liberty will auf dem deutschen Automobilmarkt weiterhin Fuß fassen und dabei bleiben. Aber letztendlich entscheiden Partner darüber, die die Sicherheit geben, sich auch weiterhin in der Formel 1 zu engagieren. Natürlich muss auch Liberty Geld verdienen. Wie sie das machen, ist letztendlich aber ihre Sache.
Sie reden von Partnern. Fehlen Sponsoren und Unterstützer?
Das kann man so sagen. Wir brauchen starke Partner, die Geld mitbringen und etwaige Verluste abdecken. Alle die die Formel 1 wollen, müssen ihren Beitrag leisten. Ich weiß nur, dass wir den Grand Prix bisher immer aus eigener Wirtschaftskraft gestemmt haben. Mit entsprechenden Verlusten oder ausgeglichenen Ergebnissen. Es ist am Ende aber ein Risiko. Das können wir alleine nicht tragen – und das werden wir in Zukunft auch nicht tun.
Sollte nicht auch das Land Baden-Württemberg etwas in die Schatulle greifen und den Deutschland-Grand-Prix bezuschussen?
Jeder sollte den Grand Prix unterstützen, der sieht, dass die Formel 1 ja auch Steuereinnahmen generiert. Ich möchte nicht sagen, das Land muss etwas tun, ich sage nur: es geht auch um das Image von Baden-Württemberg. Aber am Ende des Tages kann ich ja nicht über Steuergelder verfügen, ich weiß nur, dass durch die Formel 1 Steuergelder in die Kasse fließen. Wir haben es Bund und Land oft genug gesagt – aber wenn nicht reagiert wird, dann kann ich es nicht ändern.
Sebastian Vettel kommt als WM-Leader. Hat das den Kartenverkauf belebt?
Ja. Wir sind nahezu ausverkauft und haben eine Zusatztribüne gebaut. Wir sind zufrieden. Auch viele Holländer werden wegen Max Verstappen da sein. Sie werden hier volle Ränge sehen.
Ist die große deutsche Formel-1-Zeit mit Michael Schumacher als Frontfigur nicht längst beendet? Man könnte auch sagen: Vettel elektrisiert das Publikum bei Weitem nicht so wie seinerzeit Schumacher. Außerdem sind nur zwei deutsche Piloten am Start.
Ach, in den vergangenen Jahren waren doch sehr viel deutsche Fahrer in der Formel 1 unterwegs. Und wenn am Sonntag 70 000 Zuschauer zu uns kommen, kann man nicht sagen, dass es kein Interesse mehr gibt. In der Formel 1 hat sich in der Vergangenheit viel bewegt. Der Sound der Autos hat gefehlt, das Reglement war zu kompliziert und einiges mehr. Aber es hat sich wieder positiv entwickelt.
Kriegt die Rennserie die Kurve?
Ja, es geht wieder aufwärts. Der Zweikampf zwischen Ferrari und Mercedes, zwischen Vettel und Hamilton trägt viel dazu bei.
Liberty Media hat die Grid Girls aus dem Programm geworfen. War das notwendig?
Jeder Rechteinhaber hat seine Ideen. Das mit den Grid-Kids als Alternative ist ganz okay, sie sind ja auch die Fans der Zukunft. Aber ob es jedem gefällt, sei dahin gestellt. Doch glauben sie mir: Am Hockenheimring werden auch so viele schöne Mädchen herumlaufen. Im Prinzip braucht man da die Grid Girls nicht.

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