Der Frontmann seiner Generation: der Deutsch-Österreicher Jochen Rindt Foto: Baumann

Die Geschichte des außergewöhnlichen Rennfahrers Jochen Rindt, der nur 28 Jahre alt wurde – und nach seinem Tod Weltmeister.

Stuttagrt - Jochen Rindt war eine Legende: Lebemann, Kettenraucher, eine lässige Erscheinung, dessen Frau Nina als Schönheit mit extravaganten Hüten erstmals Glamour in die Formel 1 brachte. Das Drama von Monza 1970 sahen die Experten derweil immer auch im Zusammenhang mit Rindts berühmtester Aussage über Arbeitgeber und Auto: „Bei Lotus kann ich entweder Weltmeister werden oder ich sterbe.“ Am Ende schaffte der Rennfahrer beides – eine traurige Geschichte. Beim Abschlusstraining zum Großen Preis von Italien brach in der Bremsphase zur Parabolica die rechte vordere Bremswelle an seinem Lotus 72. Der Wagen schleuderte mehrfach gegen die Leitplanke. Ärztlichen Angaben zufolge waren für den Tod eine zerrissene Luftröhre und ein eingedrückter Brustkorb die Ursache.

Nichts erinnert im Autodromo Nazionale di Monza an die Tragödie vom 5. September 1970. Keine Gedenktafel haben die Italiener eingangs der berühmten Parabolica-Kurve angebracht, dabei verlor an besagtem Septembertag vor 50 Jahren der erste Popstar der Formel 1 sein Leben. Und vor allem der einzige Formel-1-Weltmeister, der nie erfuhr, dass er Champion wurde. Sie legten dem tödlich verunglückten Rennfahrer Rindt später den Siegerkranz ans Grab. Seine Witwe Nina nahm den Pokal in Empfang. Im vorletzten Saisonrennen machte am Rennwagen des Rivalen Jacky Ickx die Benzinleitung schlapp – also war die WM zugunsten des einzigen posthum Weltmeisters entschieden.

Einblicke in die Gedankenwelt

Zu dem außergewöhnlichen Rennfahrer und zur Sportikone machte sich Jochen Rindt aber auch selbst: Er war der erste Pilot, der seine Fernsehinterviews selbst organisierte, sein Privatleben home-story-artig präsentierte und Einblicke in seine Gedankenwelt gab. Rindt machte sich große Sorgen um die Sicherheit, denn einen Formel-1-Boliden zu steuern war in den 1960er Jahren immer auch eine Frage von Leben und Tod. Keiner wusste damals, ob er nach dem Startsignal jemals zurückkehren würde – auch Rindt nicht.

Insofern sind Parallelen zu ziehen zwischen dem Österreicher und dem Brasilianer Ayrton Senna. Beide galten als nachdenkliche und sensible Charaktere, beide waren die charismatischen Wortführer ihrer Generation. Und beide starben, weil Teile an ihren Boliden unnötigerweise kaputtgegangen waren. Schon als junger Nachwuchsfahrer hatte Rindt öfter mal ein seltsames Gefühl. „Ich bin zum Rennfahren nicht geboren, das war heute eine ernste Warnung, ich sollte aufhören“, sagte er nach einem schlimmen Crash.

Aufgewachsen bei den Großeltern

Rindt war kein Österreicher – auch wenn sie das in der Alpenrepublik nicht gerne thematisieren. Geboren wurde er am 18. April 1942 in Mainz. Sein Vater war Deutscher, seine Mutter Österreicherin. Als seine Eltern im Jahr 1943 bei einem Bombenangriff in Hamburg ums Leben kamen, nahmen ihn seine Großeltern in Österreich zu sich. Er blieb Deutscher, doch fuhr er mit österreichischer Rennlizenz. „Ich fühle mich als Europäer“, sagte er einmal bei einem Auftritt im „Aktuellen Sportstudio“, um es sich mit keiner der beiden Nationen zu verscherzen.

Der renommierte Schweizer Formel-1-Reporter Roger Benoit, der seit mehr als 50 Jahren für den „Blick“ berichtet, erinnert sich noch sehr genau an den 5. September 1970: „Jochen rauchte mehr als James Hunt. Als ich mit ihm vor dem Trainingsstart auf der Boxenmauer saß, zog ich an meiner Zigarre und er an seiner Zigarette. Dann kam Jackie Stewart zu Jochen und sagte: ,Lass den Scheiß! Wenn du so weiterrauchst, lebst du nicht mehr lange‘. Drei Stunden später brach die Bremswelle.“

Jochen Rindt wurde nur 28 Jahre alt. Sein bester Freund Jackie Stewart überbrachte Nina Rindt die traurige Nachricht vom Tod ihres Mannes – und sprach später immer wieder vom schwersten Moment seines Lebens.

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