Daniel Ricciardo hofft in Bahrain auf die ersten WM-Punkte. Foto: Getty

Formel-1-Pilot Daniel Ricciardo muss zwei Pleiten verdauen, obwohl er in den Rennen nichts falsch gemacht hat. Doch nicht nur er ist überzeugt davon, dass er bald auf dem Podium auftauchen wird.

Formel-1-Pilot Daniel Ricciardo muss zwei Pleiten verdauen, obwohl er in den Rennen nichts falsch gemacht hat. Doch nicht nur er ist überzeugt davon, dass er bald auf dem Podium auftauchen wird.

Bahrain - Mit 30 Punkten wäre ein Pilot nach zwei Großen Preisen Zweiter in der Fahrer-WM. Diese 30 Punkte könnte Daniel Ricciardo auf dem Konto haben – weil aber die Formel 1 nicht den Ruf besitzt, ein Wunschkonzert für junge Rennfahrer zu sein, muss sich der Australier mit der harten Realität anfreunden. Die da lautet: null Punkte – eine Disqualifikation in Melbourne, eine Rennaufgabe in Sepang. „Im Rennsport kann es manchmal recht unbarmherzig zugehen“, raisoniert der 24 Jahre alte Red-Bull-Mann, „leider spielen ab und zu auch andere Faktoren eine Rolle. Ich hatte einen ziemlich unglücklichen Start in die Saison, aber so ist das nun mal.“

Zweimal blieb Daniel Ricciardo ohne Belohnung für seine gute Leistung, zweimal brach das Unheil über ihn herein, ohne dass er selbst irgendeine Schuld zu verantworten hatte. In Melbourne wurde ihm Platz zwei aberkannt, weil die Benzindurchflussmenge im Motor nicht regelkonform war. In Sepang wäre sein Red Bull wohl auf Platz vier ins Ziel gekommen, doch ein verpatzter Boxenstopp sowie ein gebrochener Frontflügel führten zur Aufgabe – zu allem Ärger zieht die Boxenpanne eine Strafe nach sich: Beim Grand Prix von Bahrain an diesem Sonntag (17 Uhr/RTL) wird der Bursche aus Perth in der Startaufstellung um zehn Plätze nach hinten versetzt, weil ihn sein Team in Malaysia losfahren ließ, obwohl ein Rad nicht korrekt befestigt war. „Ich werde versuchen, unser Potenzial in Punkte umzusetzen“, sagt der Mann trotzdem tapfer und strahlt so herzerfrischend, als habe Bernie Ecclestone persönlich die Strafversetzung gerade aufgehoben.

Daniel Ricciardo marschiert häufig mit einem Lächeln durchs Fahrerlager; sein sonniges Gemüt rührt aber weniger daher, dass die Wurzeln seiner Familie im sonnigen Italien liegen. Sein Vater wurde in Sizilien geboren, kam mit sieben Jahren nach Australien; die Großeltern mütterlicherseits stammen aus Kalabrien. Mutter Grace wuchs aber wie Vater Joe in Down Under auf. „Dan ist Australier durch und durch“, betont Papa Joe, „auf seinem Helm prangt die australische Flagge.“ Und deshalb pocht Daniel Ricciardo auch gegenüber jedem Gesprächspartner darauf, dass sein Name nicht italienisch („Ritschiardo“), sondern englisch („Riccardo“) ausgesprochen wird. Daniel, kurz Dan genannt, Ricciardo geht mit einer optimistischen Grundeinstellung durchs Leben – er versucht stets, gerade auch in ­ärgerlichen Situationen die erfreulichen Aspekte nicht zu übersehen. „Malaysia war ein tolles Rennen“, bekräftigt er so intensiv, dass man ihm nicht zu widersprechen wagt, „es war toll, wieder aus den vorderen Reihen zu starten. Ich hatte einen guten Start und konnte bis zum Aus gut mithalten. Das gibt mir viel Motivation.“

Der Pechvogel mit der guten Laune. Positiv denken. Mit dieser Eigenschaft erinnert der Neuzugang an seinen Teamkollegen Sebastian Vettel. Auch der Dauerweltmeister aus Heppenheim hat durch seine offene Art, sein schelmisches Grinsen und seine verschmitzten Aussagen viele Sympathien gesammelt, und wie Seb Vettel kann auch Dan Ricciardo den Schalter in kürzester Zeit von Spaß auf Ernst umlegen, sobald er die Box betritt und sich ins Formel-1-Cockpit zwängt. „Er hat sich von Beginn an voll reingehängt und das sofort auf höchstem Niveau“, lobt Teamchef Christian Horner, „er beeindruckt mich sehr – ich denke, wir dürfen noch sehr viel von ihm erwarten.“

Es gibt eine weitere Parallele zwischen dem viermaligen Champion und dem Australier. Beide sind unter den Fittichen des Red-Bull-Motorsportberaters Helmut Marko aufgewachsen, und die unumstrittene Eminenz des Rennstalles hält weiter die schützenden Flügel über beide. Wie der Österreicher einst Sebastian Vettel zuerst beim Ausbildungsteam Toro Rosso parkte und zu gegebener Zeit in die Red-Bull-Elitemannschaft beförderte, so manövrierte Helmut Marko auch Daniel Ricciardo behutsam wie zielstrebig in die Königsklasse. „Ich kenne Doktor Marko schon lange und er mich“, erzählt er, „ich habe vom ersten Tag an seine volle Unterstützung genossen.“

Mit dieser Überzeugung ist der 24-Jährige auch absolut sicher – passend zu seiner optimistischen Grundeinstellung –, dass er im Team nicht schlechter gestellt und behandelt wird als Superbulle Sebastian Vettel. Ricciardos Vorgänger und Landsmann Mark Webber hatte stets geätzt, Red Bull setze alles auf Liebling Vettel. „Selbst wenn Mark diese Chancengleichheit oft infrage gestellt hat“, sagt Dan Ricciardo, „ich werde das nicht tun. Ich gehe das Ganze positiv an.“ Ein Fehler ist das bestimmt nicht.

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