Dieser Fair-Teiler steht bereits in Sindelfingen. Dort können Menschen Lebensmittel abgeben oder sich holen. Foto: Eibner/Drofitsch

Foodsharing kommt nach Hildrizhausen: Die Initiative gegen Lebensmittelverschwendung will dort zusammen mit der Gemeinde voraussichtlich noch vor den Sommerferien einen Fair-Teiler eröffnen.

Hildrizhausen - Bereits vor Monaten saß die Studentin Sophia Häußler in Hildrizhausen im Gemeinderat und stellte dort das Konzept vor, das hinter „Foodsharing“ steht. Weniger Lebensmittel verschwenden – das ist das Ziel der Initiative und der engagierten Ehrenamtlichen aus Hildrizhausen, zu denen Sophia Häußler gehört. Wie sie das erreichen wollen? Unter anderem über sogenannte Fair-Teiler: Das sind zumeist kleine Häuschen, in denen Menschen übrig gebliebene Lebensmittel anderen zur Verfügung stellen. Schon damals war der Hausemer Gemeinderat begeistert von der Idee. Wer beispielsweise vor dem Urlaub merkt, dass der Kühlschrank noch voller Essen ist, das verrotten würde, hätte mit dem Fair-Teiler eine Anlaufstelle. Oder vielleicht erntet der ein oder andere passionierte Gärtner in den Sommermonaten auf einen Schlag zwölf Zucchini von der Größe eines kleinen Zaunpfahls und weiß nicht, wohin damit?

 

Die Arbeit der Ehrenamtlichen Sophia Häußler und Annabelle Breuninger, die beide bei „Foodsharing“ aktiv sind, trägt nun ihre Früchte. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Foodsharing-Initiative setzen sich die beiden jungen Frauen dafür ein, dass noch vor den Sommerferien ein Fair-Teiler nach Hildrizhausen kommt. Einen Teil der Kosten übernimmt die Gemeinde, für den Rest sind sie auf Spenden von privaten Personen und Betrieben angewiesen. Momentan fehlen noch rund 1600 Euro in der Kasse.

Das Tauschhäuschen wird gegenüber vom evangelischen Pfarramt stehen

Das kleine Häuschen soll gegenüber vom evangelischen Pfarramt in der Dorfmitte aufgestellt werden. Gebaut wird der Fair-Teiler von der Firma Holzbau Braun aus Hildrizhausen. Momentan ist die Fläche noch mit Rasen überwachsen. In den nächsten Wochen soll sie jedoch zu Parkplätzen umgebaut werden. Auf einem dieser Plätze soll das Häuschen stehen. Dann können Privatpersonen dort Lebensmittel kostenlos abliefern und mitnehmen. Und nicht nur das: Die Ehrenamtlichen bringen immer wieder Lebensmittel vorbei, die über das Foodsharing-Netzwerk gerettet werden. „Im Kreis Böblingen haben wir gerade knapp 20 laufende Kooperationen mit Betrieben“, erklärt die 19-jährige Sophia Häußler. Sie betont: „Es gibt aber keine Garantie“. Das heißt, dass nur Lebensmittel, die tatsächlich übrig sind, im Fair-Teiler-Häuschen landen. Es kann also mal sein, dass die Regale leer bleiben. Zudem wird in dem Tauschhaus auch ein Kühlschrank stehen, den die Firma Elektro Breitling zur Verfügung stellt. Damit dort keine Lebensmittel verkümmern, schaut einmal am Tag ein Hygieneteam nach dem Rechten.

Fair-Teiler als Anlaufstelle für alle Menschen

Wichtig ist Sophia Häußler, dass das Projekt nicht ein Angebot für Menschen ist, die sich den Einkauf im Supermarkt nicht leisten können, sondern eine Anlaufstelle für alle Menschen. „ Jede Person, die dort hingeht, tut etwas Gutes“, sagt die Biochemiestudentin. Ihrer Erfahrung nach werden die Fair-Teiler im Kreis Böblingen jedoch von vielen Menschen sehr gut angenommen. In mehreren Orten gibt es bereits Stellen zum Lebensmitteltausch, die von den unterschiedlichsten Menschen genutzt werden. Und auch in Hildrizhausen scheint die Idee bereits gut anzukommen.

So erzählt Sophia von einer Frau, die zu viel Marmelade gekocht hat und sich nun vorgenommen hat, einige Gläser anderen zur Verfügung zu stellen. Auch eine Frau, deren Hühner einfach zu viele Eier für ihren eigenen Gebrauch legen, hat sich bereits bei Sophia gemeldet. Genau darauf kommt es den ehrenamtlichen „Foodsavern“, wie sich die Mitglieder der Foodsharing-Kampagne nennen, an: Ungewollte und überproduzierte Lebensmittel aus privaten Haushalten und Betrieben vor der Mülltonne zu retten.

Momentan werden unnötigerweise sieben Millionen Tonnen an Nahrung pro Jahr in Deutschland entsorgt. Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft werfen private Haushalte in Deutschland jedes Jahr rund sechs Millionen Tonnen an Nahrung weg. Pro Kopf wären das jedes Jahr 75 Kilogramm. Bald hat nun auch jeder einzelne Hildrizhausener mit dem Fair-Teiler eine Möglichkeit, diese Zahl zu senken.