Fola Dada lebt in Stuttgart. Ihre Kindheit und Jugend hat die Sängerin jedoch in Korntal verbracht – und tritt gerne in ihrer Heimat auf. Foto: privat

Die Sängerin Fola Dada ist in Korntal groß geworden – und auf Konzerten immer wieder dort zu Gast. Ein Gespräch über gute Konzerte, reelle Chancen – und die Schwierigkeit, in der Branche Fuß zu fassen.

Korntal-Münchingen - Eigentlich wollte sie mal Tänzerin werden, heute ist sie eine erfolgreiche Soul- und Jazz-Sängerin – und weit über ihre Heimat hinaus bekannt. Ein Gespräch mit Fola Dada über gute Konzerte, reelle Chancen und die Schwierigkeit, in der Branche Fuß zu fassen.

Frau Dada, Sie sind in Korntal aufgewachsen. Was verbinden Sie mit der Stadt?
Ein sehr angenehmes Großwerden, in jeglicher Hinsicht. Die Kindheit war toll, eigentlich war alles toll, und ich habe mich sehr wohlgefühlt. Korntal hat zwar nicht umsonst den Beinamen „Heiliges Korntal“, und der pietistische Hintergrund war spürbar, aber ich konnte dort als dunkelhäutiges Mädchen ziemlich gut großwerden.
Sind Sie noch häufig dort?
Vor allem wegen meiner Zahnärztin (lacht). Es gibt aber noch ein paar Verbindungen, weshalb ich ein paar Mal im Jahr dort auftrete.
Die Jazz-Szene in Korntal scheint sehr rege.
Es ist wahrscheinlich eher so, dass die Szene dort größtenteils in Stuttgart zuhause ist. Aber es ist sehr rührig. Ohne die High’n’Mighty-Big-Band etwa hätte ich meinen Weg wohl nicht eingeschlagen.
Inwiefern?
Die haben mich bei einem Musical am Gymnasium entdeckt. Es ist natürlich so eine Sache, gleich zum Einstieg bei einer Big Band zu singen, aber sie haben es mir sehr einfach gemacht. Das High’n’Mighty-Jazz-Festival, das jedes Jahr stattfindet, war für mich ein Sprungbrett.
Mit sieben Jahren wollten Sie Stepptänzerin werden. Wie sind Sie dann doch zum Gesang gekommen?
Das kam einerseits eher durch die Hintertür, andererseits war es vielleicht eine logische Konsequenz. Im deutschen Teil meiner Familie sind alle Sänger, und auch zuhause wurde immer gesungen. Meine Mutter war zwar Lehrerin, wollte aber Folksängerin werden. Ich hatte damit erst mal gar nicht so viel am Hut, ich wollte Tänzerin werden. Über das Musical am Gymnasium kamen dann aber Anfragen von mehreren Bands – und plötzlich war ich singend.
Und dann?
Die Schule war vorbei, ich habe gearbeitet und mich dann gefragt: was jetzt? Dann lernte ich Musikstudenten kennen, da war es plötzlich greifbar, dass man so etwas studieren kann. Und ich habe gedacht: warum nicht probieren? Ich hatte das Glück, in Mannheim direkt aufgenommen zu werden. Parallel war ich schon etwas bekannt in der Stuttgarter Musikszene, und dann rief die Band von Joy Denalane an, ob ich Backgroundsängerin dort werden wolle. Für das Studium war das natürlich nicht so günstig, aber es war eine tolle Zeit.
Hatten Sie je Bedenken, etwa finanzielle?
Für die Aufnahmeprüfung an einer Hochschule muss man üben, üben, üben, und man weiß, dass es nicht unbedingt belohnt wird. Deshalb muss man sich mit einem Plan B auseinandersetzen. Bei mir wäre das Pharmazie gewesen.
Jetzt sind Sie bekannte Künstlerin und leiten eine Gesangsschule. Wie geht es weiter?
Ich bin sehr dankbar, dass ich mit der Musik meinen Lebensunterhalt verdienen darf. Nachdem ich 15 Jahre dabei bin, ist es nicht so einfach, zu sagen, so, ich mache jetzt was anderes. Aber natürlich ist es immer eine Option, das gilt für jeden Menschen. Wenn man feststellt, dass das, was man macht, einen überhaupt nicht mehr glücklich macht, dann ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, über Alternativen nachzudenken.
Wo treten Sie am liebsten auf?
Das ist nicht so leicht zu beantworten, weil es immer Überraschungen gibt. Aber ich bin Schwäbin, und im Schwabenland aufzutreten ist eine Art Heimspiel. Ich kann den Dialekt auspacken, wenn ich möchte – was manche dann in Hinblick auf meine Hautfarbe nicht erwarten.
Und mit wem spielen Sie gerne?
Ich habe das große Glück, nur mit Bands zu spielen, die mir große Freude bereiten. Dann ist es egal, ob es ein Trio oder eine Big Band ist.
Wie muss ein Konzert laufen, damit Sie am Ende zufrieden sind?
Wenn man einen Künstler das fragt, ist es immer relativ – wir wissen, was gut gelaufen ist und wo Fehler waren. Man kann es wahrscheinlich immer besser machen. Aber wenn man in strahlende Gesichter guckt und merkt, dass man sie auf irgendeine Art erreicht hat, dann war es wohl gut.
Sie treten auch im Ausland auf. Kommen Sie dort anders an?
Ich bin unter anderem schon ein paar Mal in China aufgetreten. Während hier ewige Klatschsalven üblich sind, klatscht man in China nur drei Mal – und das war’s. Da war ich kurz irritiert, aber seine Euphorie hat das Publikum dann gezeigt, indem es auf die Bühne gestürmt ist.
Sie waren sechs Staffeln lang für RTL Vocal Coach bei „ Deutschland sucht den Superstar“. Wie war diese Zeit?
Manchmal etwas anstrengend. Das war damals relativ frisch nach dem Studium – wo ich mit hehren Werten rauskam und genau wusste, was man als Künstler machen sollte. Aber die Fernsehwelt ist einfach eine andere, und es hat gedauert, bis ich da reingewachsen bin. Eine Erkenntnis aus dieser Zeit ist, dass man nicht zu viel nachdenken sollte. Manchmal zögert man, weil man nichts falsch machen will, aber das nimmt auch die Fähigkeit, zu strahlen.
Was braucht es zum Erfolg? Talent? Oder eine gute Selbstvermarktung?
Die Formel für Erfolg habe ich noch nicht gefunden, und ich weiß nicht, ob es die gibt. Ausschlaggebend ist, sich treu zu bleiben. Wenn man sich verbiegt, um einem Markt gerecht zu haben, kann man zwar Glück haben, aber man muss damit klarkommen, dass man für etwas steht, was man nicht mag. Als Künstler sind wir immer wieder mit Niederlagen und Misserfolgen konfrontiert, das ist unser Leben. Es ist nicht leicht, in der Branche Fuß zu fassen, die Konkurrenz ist groß. Aber was bleibt? Die Persönlichkeit.
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