Förderverein krebskranke Kinder Ein Zuhause im Blauen Haus

Von fri 

In der Gemeinschaftsküche können sich  Merhawi Mesfun, Vater eines kranken Kindes,   und die anderen Familien im Haus vom Krankenhausalltag ablenken. Foto: Förderkreis
In der Gemeinschaftsküche können sich Merhawi Mesfun, Vater eines kranken Kindes, und die anderen Familien im Haus vom Krankenhausalltag ablenken. Foto: Förderkreis

Seit das Olgäle umgezogen ist, bekommt der Förderkreis krebskranke Kinder noch mehr Anfragen von Familien, die eine Unterkunft im Blauen Haus benötigen. Da sich der Verein über Spenden finanziert, nimmt der Druck zu.

S-Nord - Um seinem Sohn die bestmögliche Behandlung zu verschaffen, ist Merhawi Mesfun aus Uganda nach Stuttgart gekommen. „Mein Sohn Milkias ist im September 2013 mit Krebs diagnostiziert worden“, erzählt der 30-Jährige. „Im Krankenhaus vor Ort war man nicht darauf spezialisiert und hat uns geraten, ins Ausland zu gehen.“ So kam die Familie nach Stuttgart. Während der kleine Sohn im neuen Olgäle an der Kriegsbergstraße behandelt wurde, kamen dessen Vater und hochschwangere Mutter bei Verwandten unter. „Auf Dauer war das aber keine Lösung“, erinnert sich Merhawi Mesfun. So fand die Familie – zwischenzeitlich war auch das Geschwisterchen auf die Welt gekommen – ins Blaue Haus.

Die Familien kommen von weit her

Hier leben sie in einem von 18 Apartments. Es sind hauptsächlich Familien, die nicht aus der Region Stuttgart stammen – „sonst bräuchten sie ja keine Übernachtungsgelegenheit“, erklärt Cornelia Völklein, die die Geschäftsstelle des Förderkreises krebskranke Kinder leitet. Dem Kreis gehört das Blaue Haus. Aus allen Ecken Deutschlands kommen die Familien, sowie Osteuropa und Afrika. „Wie lange sie hier sind, richtet sich nach der Behandlung des Kindes – zwischen einem Tag und einem Jahr ist alles dabei.“

Durch Spendengelder wurde das Blaue Haus gekauft

Im Blauen Haus, einem Gründerzeitbau am Herdweg 15, der 2009 vom Verein mit Spendengeldern gekauft und umgebaut worden ist, gibt es neben den Zimmern für die Familien auch Gemeinschaftsräume wie Küche oder Spielzimmer. „Wir haben um die 20 Ehrenamtliche, die bei uns aktiv sind und Aktionen wie ein gemeinsames Frühstück, Yoga oder Kürbisschnitzen organisieren“, erzählt Völklein.

Damit die Eltern ein Zuhause nahe am Krankenbett haben

Meist sei das Haus voll, sagt Cornelia Völklein. „Nahtlos wie im Hotel können wir allerdings keine Zimmer verplanen, denn es kommt oft vor, dass eine Behandlung kurzfristig verlängert wird, dann bleiben die Familien länger, oder umgekehrt.“ Seit dem Umzug des Olgäles auf das neue Gelände an der Kriegsbergstraße bekommt der Verein sogar noch mehr Anfragen: „Für die Leute, die den ganzen Tag bei ihren Kindern im Krankenhaus sind, ist es einfach praktisch, wenn sie nur wenige Schritte bis zur Unterkunft laufen müssen“, erklärt Cornelia Völklein.

Die Spenden reichen allein nicht aus

Der Förderkreis krebskranke Kinder finanziert sich und das Blaue Haus ausschließlich aus Spenden. „Teilweise bezahlen die Krankenkassen einen Teil der Übernachtungen, teilweise die Familien selbst“, erklärt Vorstand Stefan Nägele. „Aber das trägt das Haus natürlich nicht.“ Nägele schätzt, dass rund 700 000 Euro jährlich nötig sind, um Verein und Haus am Leben zu erhalten. Lediglich zwei Teilzeitstellen, für die Hausleiterin Katrin Beutenmüller und Cornelia Völklein in der Geschäftsstelle, unterhält der Verein. Alle anderen, inklusive aller Vorstandsmitglieder, engagieren sich ehrenamtlich. So auch die Damen des Cannstatter Bastelkreises, deren Erlös aus Selbstgestricktem an den Förderkreis geht. Dafür sind sie im Frühjahr mit dem Ehrenamtspreis „Stuttgarter des Jahres“ ausgezeichnet worden.

Wie viel gespendet wird, ist nicht vorhersehbar

„Wir wissen nie, wie viel gespendet wird, und stehen darum immer unter Druck“, erklärt Stefan Nägele. „Während der Bauzeit des Blauen Hauses war es deutlich einfacher, Spenden zu generieren, weil die Leute wussten, es ist für den Umbau“, berichtet er. „Mittlerweile ist es viel schwerer, weil wir selten konkrete Projekte haben, sondern die Spenden für den laufenden Betrieb verwenden.“

Es gibt wieder Grund zur Hoffnung

Dem kleinen Milkias geht es mittlerweile wieder besser: Nach Operation, einigen Wochen im Koma und Chemotherapie hat er so große Fortschritte gemacht, dass er die Intensivstation verlassen durfte und mit der Familie im Blauen Haus lebt. Mehrmals die Woche geht es zurück ins Olgäle zur Behandlung. Merhawi Mesfun hofft, dass sie nächstes Jahr nach Uganda zurückkehren können. „Die Leute vom Blauen Haus sind wunderbar und tun so viel für uns“, sagt er voller Lob. „Sie gehören auch schon zur Familie. Ohne das Blaue Haus hätte ich nicht gewusst, wohin.“

Unterstützung für kranke Kinder und Familien

Spenden:
Die Bankverbindung des Förderkreises liegt bei der Sparda Bank Baden-Württemberg, Konto 77776, Bankleitzahl 600 908 00. Alternativ kann man online auf der Internetseite des Vereins, www.foerderkreis-krebskranke-kinder.de, spenden.

Projekte:
Neben dem Betrieb des Blauen Hauses unterstützt der Förderkreis mit den Spenden auch Familien, die durch die Erkrankung eines Kindes in eine wirtschaftliche Notlage geraten, und er hat den „Raum der Stille“ im Olgahospital finanziert.

Redaktion Stuttgart-Nord

Ansprechpartnerin
Dr. Eva Funke
s-nord@stz.zgs.de

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