Flussschwimmen in Ludwigsburg Warum Schwimmen im Neckar Spaß macht

Von Martin Tschepe 

Wer im Neckar kraulen will, sollte gut trainiert sein. Günter Eckert schwimmt auch im Winter draußen. Flüsse, sagt er, hätten im Unterschied zu Seen einen großen Vorteil: „Man kommt immer ganz schnell ans Ufer.“

Ludwigsburg - Ein strahlend schöner Sommertag in Ludwigsburg: Günter Eckert sitzt am Neckarufer. Er trägt nur eine Badehose, eine Kappe und eine Schwimmbrille. Seine Beine baumeln im Wasser, das angenehme 20 Grad haben dürfte. Dann steigt der Diplom-Kaufmann, der als Verwaltungsleiter des Kunstmuseums in Stuttgart arbeitet, in den Fluss. Mit ruhigen, kräftigen Zügen krault er davon. Im Schlepptau hat er eine organgefarbene Schwimmboje, zur Sicherheit. Notfalls könnte er sich daran festhalten. In einer brenzligen Situation könnte er aber auch am Rande des Neckars im ­Wasser stehen bleiben, sich ausruhen, die großen Frachtkähne vorbeilassen oder rausklettern.

Am 58. Geburtstag 5,8 Kilometer weit geschwommen

Eckert, Jahrgang 1960, ist ein Wiederholungstäter. Er schwimmt seit vielen Jahren in allen möglichen und unmöglichen Gewässern. Seit Kurzem krault er mit ein paar Gleichgesinnten sogar im Winter im eiskalten Wasser, im Neckar, im Breitenauer See, wo auch immer. Einmal ist er sogar bei den offenen Deutschen Meisterschaften im Eisschwimmen angetreten, bei rund drei Grad Wassertemperatur. An solche Ausflüge in die Eiseskälte will er an diesem tollen Tag am Rande der Barockstadt aber lieber noch nicht denken. Der Winter ist weit weg. Der zweifache ­Vater krault diesmal auch nicht so weit wie kürzlich an seinem Geburtstag. Damals standen 5,8 Kilometer auf dem Programm – für 58 Jahre. Jetzt also nur ein paar ­Hundert Meter in Richtung Schleuse Poppenweiler, gegen die Strömung. Zurück zum Startplatz beim Freibad Hoheneck geht es dann schneller, die ­Strömung schiebt den Fluss-Schwimmer nämlich, allerdings nicht so rasant wie zum Beispiel im Rhein.

Wie wird man Fluss-Schwimmer? Eckert erzählt nach dem Ausflug im Neckar von seinem ersten Triathlon inklusive Schwimmen in einem See. Anfang der 1990er muss das gewesen sein. Das trübe Wasser war ihm zwar ein bisschen unheimlich, trotzdem war er begeistert. Später ist Eckert dann beim Surfen im Internet zufällig auf den britischen Reiseveranstalter Swimtrek gestoßen, er war ­fasziniert, hatte zwar noch das trübe Seewasser vom ersten Triathlon in den Gedanken, hat sich dann aber angemeldet für ein organisiertes Schwimmen in der Themse. „Seitdem bin ich richtig angefixt.“ Sagt’s und strahlt wie ein Kind, das vom Lieblingsspielzeug erzählt. Später ist er auf eigene Faust in vielen Donauzuflüssen geschwommen, etwa im Regen. Eckert hat eine spezielle Taktik ausgetüftelt. Das Auto und das Rad werden so am Ufer abgestellt, dass der Fluss-Schwimmer weder zum Start noch nach der Ankunft am Ziel weit laufen muss. Eine gute Organisation ist das halbe Leben, mindestens. Das gilt sowohl für das Hobby im Wasser wie für die Arbeit im Museum.

Performance-Künstler im Neckar

„Warum – um Himmels willen – schwimmst du in Flüssen?“ Solche Fragen muss Eckert oft beantworten. „Man erlebt die Landschaft ganz anders als von der Straße“, sagt er dann. Fluss-Schwimmen habe im Unterschied zu Seequerungen einen Vorteil: „Man kommt immer ganz schnell ans Ufer.“ Dieser Mann kann andere begeistern. Kürzlich haben ihn ein paar internationale Performance-Künstler gefragt, wo sie in der Region schwimmen könnten. Eckert hat flugs einen Kleinbus angemietet und die Künstler zum Neckar nach Ludwigsburg gefahren. Dann ist die Gruppe gut einen Kilometer weit im Fluss geschwommen.

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