Die Flugrouten-Debatte im Landkreis Esslingen spaltet die Kommunen. Foto: Horst Rudel/Horst Rudel

Gegenwind bekommt Aichtals Bürgermeister Sebastian Kurz, nachdem er den Rücktritt von OB Christof Bolay als Chef der Fluglärmkommission gefordert hatte. Verwaltungschefs aus dem Neckartal und vom Schurwald wollen die neue Flugroute beibehalten.

Mehrere Bürgermeister im Neckartal und auf dem Schurwald kritisieren „den verbalen Angriff auf den Vorsitzenden der Fluglärmkommission, Christof Bolay“ scharf. Bei der Informationsveranstaltung in Aichtal am 12. Januar hatte Bürgermeister Sebastian Kurz dessen Rücktritt gefordert. Das weisen die Unterzeichner der Stellungnahme zurück.

 

Sie danken der Fluglärmkommission dafür, den einjährigen Probebetrieb ermöglicht zu haben. Durch die Lärmmessungen habe die Kommission nun belastbare Fakten vorliegen. Diese zeigten, „dass die Kommunen im Neckartal und auf dem Schurwald spürbar entlastet werden“. Deshalb fordern Esslingens Beigeordneter Hans-Georg Sigel sowie die Bürgermeister von Wendlingen, Plochingen, Wernau, Deizisau, Altbach, Aichwald, Lichtenwald und Baltmannsweiler, dass die neue Route für Abflüge in Richtung Osten nach dem Ende des Probebetriebs am 23. Februar dauerhaft beibehalten werden soll, „und zwar für alle Abflüge, bei denen sie genutzt werden kann“. Bei Westwind wird die neue Strecke vom Stuttgarter Flughafen aus nicht geflogen.

Viele Klagen in den frühen Morgenstunden

In den neu betroffenen Kommunen Neuhausen, Nürtingen, Aichtal, Wolfschlugen und Denkendorf häufen sich die Klagen über laute Flugzeuge. Vor allem in den frühen Morgenstunden fühlen sich viele Bürgerinnen und Bürger belastet, die bisher keine Probleme mit dem Fluglärm hatten. Dass bisher nicht klar ist, wie es nach dem Ende des Probebetriebs am 23. Februar weitergeht, sorgt bei vielen für Unsicherheit. Das wird bei den Veranstaltungen der Initiative „Vereint gegen Fluglärm“ deutlich.

Dass Aichtals Bürgermeister Kurz bei der jüngsten Versammlung Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay zum Rücktritt als Vorsitzender der Fluglärmkommission aufgefordert hatte, rügen die Vertreter der Neckartal- und der Schurwaldkommunen mit Nachdruck. „Innerhalb der kommunalen Familie wünscht man sich aus Esslingen einen anderen Umgangston, wie man ihn in der Vergangenheit stets gewöhnt war und gepflegt hat“, sagte Esslingens Baubürgermeister Sigel. Er schätze die ehrenamtliche Tätigkeit von Christof Bolay im Rahmen der Kommission, „da er Themen stets sachlich und anhand von Fakten behandelt.“

Der Ton in der Debatte missfällt

Auch Wernaus Bürgermeisterin Christiane Krieger, die erst seit wenigen Wochen im Amt ist, missfällt der Ton in der Debatte: „Wenn wir es innerhalb der kommunalen Familie nicht mehr schaffen, auch in emotionalen Situationen und aufgeladenen Sachverhalten konstruktiv zusammenzuarbeiten, habe ich große Sorgen darum, wie wir andere anstehende Herausforderungen bewältigen können.“ Sie erwarte gerade von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, dass sie als gutes Vorbild gegen Polemik vorangehen: „Gerade wir sollten aus eigener Erfahrung wissen, welcher Schaden damit angerichtet werden kann.“ Noch schärfer formuliert es Plochingens Bürgermeister Frank Buß. Er erwarte von Bürgermeistern seriöse und sachliche Arbeit. „Die heiße Luft aus Aichtal ist ein einziges Ärgernis.“

Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs, der mit seinem Kollegen Martin Funk aus Altbach während des laufenden Verfahrens der Flugroutenänderung zusätzlich in die Kommission berufen wurde, verweist auf die Bedeutung des Flughafens als „Wirtschaftsmotor für die Region“. Da erwarte er von allen Kommunen Solidarität.

Die von den Gegnern ins Feld geführte „Bündelung des Lärms“, die durch die neue Route verloren gehe, lassen die Befürworter nicht gelten. Die bislang vorliegenden Messergebnisse ermöglichten „messbare Entlastungen sowie spürbare Lärmpausen für zehntausende hochbelastete Anwohner im Neckartal und auf dem Schurwald.“ Außerdem könne auf der neuen Route erheblich präziser geflogen werden, und sie führe „über weniger dicht besiedeltes Gebiet.“