Flughafen Stuttgart Airport investiert Millionen in neue Technik

Von Josef Schunder 

Auf der Flughafenpiste werden jetzt Leuchtdioden eingesetzt. Foto: Flughafen Stuttgart
Auf der Flughafenpiste werden jetzt Leuchtdioden eingesetzt. Foto: Flughafen Stuttgart

Die Flughafengesellschaft hat die Halogenleuchten entlang der Start- und Landebahn aus dem Verkehr gezogen. Fast fünf Millionen Euro kostete die Umrüstung.

Stuttgart - Für die Piloten erscheint der Manfred-Rommel-Flughafen Stuttgart in einem neuen Licht. Die Befeuerung der Start-und-Lande-Bahn – also die Markierung des Pistenverlaufs, die vor allem bei nächtlichen Flügen wichtig ist – bedarf seit Neuem keiner Halogenleuchten mehr. Nun bietet LED-Technik Orientierung.

Die Umrüstung auf die energiesparenden, langlebigeren und wartungsfreundlicheren Leuchtdioden sei jetzt beendet, teilte die Flughafen Stuttgart GmbH mit. Es hat auch deswegen so lang gedauert, weil entlang der Bahn immer nur in der Nachtzeit zwischen 1.30 und 5.30 Uhr gearbeitet werden konnte, wenn der Flugbetrieb wegen der Nachtruhe der Anrainer beschränkt ist.

Die Umrüstung hat viel Geld gekostet

Die Aktion kostete rund fünf Millionen Euro, denn man kaufte nicht einfach 1500 LED-Leuchten und ließ sie in Fassungen stecken; zunächst waren die unterirdisch verlegten Stromkabel auszutauschen – immerhin 160 Kilometer Kabel. Beim Gesamtprojekt LED geht es sogar um rund 5000 Leuchten und noch viel mehr Kabel, denn auch das Vorfeld der Flughafenterminals samt Rollwegen wird in anderes Licht getaucht. Hier ist noch ein Restpensum zu erledigen.

Das neue Licht ist heller als das alte und stärker auf das zu beleuchtende Gelände gerichtet, hieß es schon im Jahresbericht 2017 der Flughafen-GmbH. Die Arbeitsbedingungen fürs Personal würden besser, die Lichtverschmutzung im Umfeld nehme ab. Außerdem sei der Austausch der LED-Leuchten, weil die Stromspannung niedriger ist, ohne Ausschalten der kompletten Anlage möglich – und ungefährlicher.

Eine Gigawattstunde Strom für die Befeuerung

Im Blickpunkt steht aber besonders der Strombedarf. 2017 musste noch rund eine Gigawattstunde Strom für die komplette Befeuerung der Flugbetriebsflächen aufgewendet werden, obwohl ein Teil des Vorfelds bereits umgerüstet war. Zum Vergleich: Die Flughafengesellschaft mit allen Tochterunternehmen sowie ihren Mietern verbrauchte 2017 knapp 48 Gigawattstunden. Eine Gigawattstunde entspricht einer Million Kilowattstunden. Ganz Deutschland soll einen Strombedarf von rund 525 Milliarden Kilowattstunden haben.

Die Faustregel besagt, dass mit der Umrüstung von Halogen auf LED bis zu 60 Prozent Stromeinsatz eingespart werden kann. Es habe sich um ein „Nachhaltigkeitsprojekt“ gehandelt, betonte die Flughafen-Pressestelle daher. Damit fügt sich die Aktion ein in das Konzept Fairport STR, das die Flughafen-Chefs und der grüne Aufsichtsratsvorsitzende Winfried Hermann gern als Aushängeschild verwenden: Man sei bestrebt, auch sozial und ökologisch verträglich zu wirtschaften. Im Bereich Umwelt, Ressourcen, Klimaschutz und Energie gibt es noch viele andere Projekte, etwa die Verringerung des Fluglärms und der Abfälle, mehr Ökostrom, mehr Elektromobilität im Fuhrpark auf dem Vorfeld sowie weniger Ausstoß von Treibhausgasen und Luftschadstoffen. Ziel ist hier eine Verminderung um 50 Prozent bis zum Jahr 2030, bezogen auf 1990.

Schutzgemeinschaft würde sich weniger Flüge wünschen

Steffen Siegel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Filder, attestiert der Flughafen GmbH denn auch „teilweise tolle“ Bemühungen, die er „nicht schlechtreden“ will. Die Sache mit dem Stromsparen klinge ja auch ganz gut, meint er, aber die Flughafengesellschaft mache an anderer Stelle wieder mehr kaputt. Als Beispiel nennt Siegel das Vorhaben, für den Flughafen und die Messe zusätzliche Abstellplätze für 4100 Autos anzulegen. Vor allem aber: „Die Flughafengesellschaft pusht das Fliegen nach Kräften, während sie sich mit dem Nachhaltigkeitskonzept ein umweltfreundliches Image verschaffen will. Das Fliegen ist aber die klimaschädlichste Art der Fortbewegung.“ Der Klimawandel mit seinen Gefahren erscheine neuerdings noch drastischer als zuvor. Alternative Antriebe für Flugzeuge würden in der Praxis noch lange Zeit keine Rolle spielen – die Flughafengesellschaft freue sich aber, weil sie fälschlicherweise die Chance sehe, dem hiesigen Airport durch das Bahnprojekt Stuttgart 21 gut eine Million zusätzliche Fluggäste pro Jahr zuführen zu können.

Siegel: „Die Flüge drastisch zu verringern, das wäre wirklich umweltfreundlich und erforderlich – aber vielleicht ist das zu viel verlangt von den Flughafen-Chefs“.

Lesen Sie jetzt