Noch sind die Feldbetten im Zelt beim Landratsamt nicht mit Flüchtlingen belegt. Das wird sich am Freitag ändern. Foto: Horst Rudel

Unkonventionelle Maßnahmen, welche das Göppinger Landratsamt und die Kommunen schon ergriffen haben und noch umsetzen werden, lindern bei der Flüchtlingsunterbringung erst mal nur die bereits vorhandene Not.

Kreis Göppingen - Um die 140 Flüchtlinge, die zurzeit Woche für Woche im Kreis Göppingen eintreffen, auch nur halbwegs adäquat unterzubringen, müssen die Verantwortlichen sämtliche Register ziehen: 200 provisorische Plätze entstehen gerade in der Sporthalle 2 des Berufsschulzentrums in der Göppinger Öde. Die Geislinger Wölkhalle, die eigentlich von Ende November an dem Sportbetrieb wieder zur Verfügung stehen sollte, bleibt bis auf weiteres eine Sammelunterkunft.

50 Flüchtlinge werden Anfang Dezember sogar im Hohenstaufensaal des Landratamts einquartiert. Und noch einmal 80 Feldbetten wurden direkt dahinter aufgestellt in einem Zelt auf dem Mitarbeiterparkplatz. Spartanischer geht es von der Einrichtung her kaum: Auf den Schlafgelegenheiten liegt das Bettzeug, daneben ein Teller, eine Tasse und Essbesteck. Auf einigen wenigen Schränken steht Kochgeschirr, hinzu kommen ein paar kleine Tische und Stühle, das war’s. An diesem Freitag kommen wohl die ersten Zeltbewohner in Göppingen an.

Wolff: Hilfe der Kommunen weiterhin erforderlich

Der Landrat Edgar Wolff hat in der jüngsten Kreistagssitzung mit eindrücklichen Worten deutlich gemacht, dass es ihm mit diesen ganzen Maßnahmen beileibe nicht um irgendeine Form der Symbolik gehe. „Bisher sind wir den Entwicklungen immer hinterher gerannt. Wenn wir es so machen, wie wir es jetzt vorhaben, und wenn die Zahlen der ankommenden Menschen nicht weiter steigen, dann ist damit die Unterbringung bis zum Ende des Jahres gesichert.“ Trotzdem sei die Hilfe der Kommunen dringend erforderlich, ergänzte er.

Zwei Eilentscheidungen hat Wolff in diesem Zusammenhang bereits getroffen. In Ebersbach soll ebenfalls ein Zelt aufgestellt werden, in dem bis zu 250 Asylbewerber Platz finden können. Allerdings muss diese Lösung vom Gemeinderat noch gebilligt werden. Das Gremium befasst sich am Dienstag mit dem Thema, ehe über das Projekt, voraussichtlich am 1. Dezember, in einer Bürgerversammlung diskutiert wird. Obendrein will der Kreis in Bad Überkingen und in Eislingen größere Wohncontainer-Einheiten aufstellen. Zusätzlich habe man fünf weitere derartige Objekte im Blick, erklärte der Landrat. Die Finanzierung für all diese Vorhaben belastet den Kreishaushalt derweil nicht einmal vorübergehend. Ein zinsloses KfW-Darlehen in Höhe von 8,2 Millionen Euro ist im Zuge eines Sonderprogramms bewilligt worden.

Andere Probleme machen der Kreisverwaltung wesentlich größere Sorgen. So ist die Personalsituation massiv angespannt. Mit dem Besetzen neuer Stellen, sofern es denn überhaupt Bewerber gibt, kommt man nicht hinterher. Durch freiwillige Abordnungen werden derzeit die größten Löcher gestopft. Und noch ein anderer Punkt führt beim Landrat zu Stirnrunzeln: „Wir sind, was die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge betrifft, ein so genannter aufnehmender Landkreis. Aktuell sind 50 solche Kinder und Jugendliche bei uns. Im nächsten Jahr sollen es bis zu 225 werden“. Für Wolff ist dafür noch keine echte Lösung in Sicht. Die Einrichtungen, die für eine Aufnahme in Frage kämen, seien voll. „Und die avisierten 20 Plätze, die wir in der Jugendherberge Hohenstaufen belegen können, reichen natürlich bei weitem nicht“, fügte er hinzu.

In den Kommunen im Kreis ist viel in Bewegung

Allerdings hat es in den vergangenen Wochen, was die Unterbringung von Flüchtlingen angeht, in vielen Kreiskommunen Bewegung gegeben. In Albershausen werden zwei Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen hergerichtet. Unterkommen werden dort gut 20 Personen. Die geforderte Quote liegt jedoch bei 71 Plätzen, weshalb dem Landratsamt darüber hinaus mehrere Stellplätze für Wohncontainer benannt werden sollen, um eine dezentrale Unterbringung gewährleisten zu können.

Dürnau prüft momentan mehrere Optionen, um seine Quote von 37 Unterbringungsplätzen zu erfüllen. Vorstellbar ist, dass ein Investor, mit dem bereits Gespräche geführt wurden, auf dem früheren Gralglas-Gelände ein Domizil in der entsprechenden Größe baut. Sollte eine Verteilung auf zwei Standorte gewünscht werden, gibt es in der Nähe aber auch ein Grundstück im Gewerbegebiet Unteres Ried, das erworben werden könnte. Drei weitere Standorte, sollte aus den bisherigen Planungen nichts werden, hat die Kommune ebenfalls schon im Blick.

Eislingen richtet Stabsstelle für Flüchtlingsfragen ein

Eislingen hat dem Landkreis, wie berichtet, drei Grundstücke angeboten, auf denen Gebäude für jeweils 50 Asylbewerber errichtet werden könnten. Zudem führt der Kreis Gespräche mit dem Eigentümer über die Anmietung einer ehemaligen Lagerhalle der Firma Scheller Cosmetics, in der 250 Flüchtlingen unterkommen könnten. Eislingen wird auch eine „Stabsstelle Flüchtlingsfragen“ schaffen, in der die Verwaltung und Vertreter der Ratsfraktionen sowie des Freundeskreises Asyl auf kurzem Weg miteinander kommunizieren können. Erfreut angenommen wurde zudem ein Angebot der katholischen Kirche, das Café Asyl künftig im Gemeindezentrum St. Markus stattfinden zu lassen. Der Platz im Jugendhaus Talx hat zuletzt einfach nicht mehr gereicht.

Gammelshausen bietet dem Kreis zwei Grundstücke in der Ortsmitte an. Dort könnte bald, aber befristet auf fünf Jahre in Container- oder in Holzbauweise Wohnraum für 25 bis 30 Flüchtlinge geschaffen werden. In Gingen wird derweil die Flüchtlingsunterkunft an der B 10 doppelt so groß ausfallen wie zunächst vorgesehen. Das Gelände, auf dem bereits Wohncontainer stehen, ist aus der Sicht des Bürgermeisters Marius Hick ausreichend, um die geplanten 37 Plätze auf 74 aufzustocken.

Reutter: Bei Anschlussunterbringung noch einiges zu tun

Hattenhofen ist bisher die einzige Göppinger Kreisgemeinde, die das am Ende nächsten Jahres erforderliche Soll von 48 Unterbringungsplätzen bereits jetzt übererfüllt. Sorgenfrei ist Bürgermeister Jochen Reutter dennoch nicht. „Wir müssen, was die Anschlussunterbringung von anerkannten und geduldeten Asylbewerbern angeht, noch einiges tun“, erklärt er.

Die Gemeinde Wangen bietet dem Kreis den Weilerhof im Ortsteil Oberwälden, der zu Jahresbeginn als Unterkunft noch abgelehnt worden war, erneut an. Das Objekt hält die Kommune für geeignet, zumal drumherum Wohncontainer mit insgesamt rund 30 Unterbringungsplätzen aufgestellt werden könnten. Eine weitere Option ist der ehemalige katholische Kindergarten. Die Prüfung dieses Objekts ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

In Wäschenbeuren soll es nach dem Willen der kommunalpolitisch Verantwortlichen auch weiterhin keine Massenunterkünfte geben. Mit der dezentralen Unterbringung von bis jetzt 40 Flüchtlingen habe man im Ort gute Erfahrungen gemacht, sagt Bürgermeister Karl Vesenmaier. Der Schultes und die Gemeinderäte gehen davon aus, dass man die bis zum Ende des kommenden Jahres fehlenden 25 Plätze in mehreren gemeindeeigenen Wohnungen wird schaffen können.

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