Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm (re.), informierte darueber, dass die evangelische Kirche gemeinsam mit etlichen weiteren Organisationen ein Schiff kaufen will. Foto: epd/Christian Ditsch

Die Evangelische Kirche will sich selbst an der Seenotrettung im Mittelmeer beteiligen – dafür soll nun ein eigenes Schiff in den Einsatz geschickt werden.

Berlin - Die Evangelische Kirche Deutschland verstärkt ihr Engagement in der Seenotrettung: Der Rat der EKD beschloss den Kauf eines Schiffs, das Flüchtlinge im Mittelmeer retten soll, wie der Vorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am Donnerstag in Berlin sagte. Gemeinsam mit Vertretern von Rettungs- und Hilfsorganisationen, Kommunen und der Seebrücke-Bewegung forderte er dringend einen europaweiten Verteilmechanismus für im Mittelmeer gerettete Menschen.

"Solange schutzsuchende Menschen im Mittelmeer ertrinken und staatliches Handeln versagt, werden wir die zivile Seenotrettung nach Kräften unterstützen", sagte Bedford-Strohm. Der Kauf eines Schiffs war bereits beim Evangelischen Kirchentag mit einer Resolution beschlossen worden; der EKD-Rat entschied nach Angaben Bedford-Strohms am vergangenen Wochenende, dieses Vorhaben mit der Gründung eines Vereins umzusetzen, der ein Schiff anschaffen soll. 

"Das Geschachere um Menschenleben muss aufhören."

Die Not habe keine Nationalität, und "egal, aus welchen Gründen Menschen in Not sind, wir haben die Pflicht, sie zu unterstützen und ihnen zu helfen", sagte Bedford-Strohm bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertretern von Ärzte ohne Grenzen, der Organisation Sea-Eye, der Seebrücke und dem Oberbürgermeister von Potsdam, Mike Schubert (SPD).

Barbara Held, Ärztin und Einsatzleiterin der Organisation Sea-Eye, forderte: "Das Geschachere um Menschenleben muss aufhören." Flüchtlinge wochenlang unter unwürdigen Umständen auf Rettungsschiffen gefangen zu halten, sei "menschenverachtend". Die Verantwortung liege nicht nur bei Italien und Malta, sondern bei ganz Europa.

Ein Zeichen von Humanität

Christoph Hey, der für Ärzte ohne Grenzen in einem Internierungslager in Libyen gearbeitet hat, beschrieb die Situation in den Lagern als "entsetzlich und teilweise unmenschlich". Die Ernährung sei mangelhaft, die hygienischen Bedingungen seien unerträglich. Die Menschen, darunter Minderjährige, seien "regelrecht zusammengepfercht und können oft tagelang nicht ins Freie". Ärzte ohne Grenzen fordert die Auflösung aller Internierungslager und ein Ende der EU-Unterstützung für die libysche Küstenwache, die fliehende Menschen völkerrechtswidrig nach Libyen zurückbringe.

Der Potsdamer Oberbürgermeister Schubert sprach für die inzwischen mehr als 90 Kommunen im Netzwerk Städte Sicherer Häfen, die sich bereit erklärt haben, Flüchtlinge aufzunehmen. Es sei ein Zeichen von Humanität, sich zu engagieren.

Sprecher der SPD lobt das Engagement

Neben einem dringend gebotenen Verteilmechanismus aufnahmebereiter EU-Mitgliedstaaten forderten die Organisationen einen Stopp der Rückführungen nach Libyen. Flüchtlinge seien dort dem Risiko "systematischer Folter, Versklavung und Gewalt" ausgesetzt. Jede Unterstützung und Ausbildung der libyschen Küstenwache müsse eingestellt werden.

Positiv zum Engagement der Kirche äußerte sich der menschenrechtspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Frank Schwabe. "Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass die Evangelische Kirche ein Schiff zur Seenotrettung schickt. Dieses Engagement hält der Europäischen Union den Spiegel vor, die aufgrund der Haltung einiger Mitgliedsländer ihrer fundamentalen Verantwortung nicht gerecht wird", erklärte Schwabe in Berlin. Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, sich auf EU-Ebene für eine neue staatliche Mission zur Seenotrettung einzusetzen.

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