Die Arbeiter-Statue befindet sich am Gebäude Schwieberdinger Straße 97. Foto: Bernd Zeyer

Damit auf dem Areal Schwieberdinger Straße/Lorenzstraße ein Bürokomplex errichtet werden kann, müssen einige Gebäude abgerissen werden. Darunter auch der Verwaltungssitz der ehemaligen Firma Albert Hirth AG. Die dort angebrachte Steinplastik soll vor der Abrissbirne gerettet werden.

Zuffenhausen - Auf dem Areal Schwieberdinger Straße/Lorenzstraße möchte die Firma Fritz OHG einen Bürokomplex errichten (wir berichteten). Dafür müssten einige Gebäude abgerissen werden, unter anderem auch das Haus Schwieberdinger Straße 97. Es ist das Verwaltungsgebäude der ehemaligen Firma Albert Hirth AG. Ganz oben, direkt unterhalb des Dachs, ist eine mannshohe Steinplastik angebracht. Sie stellt einen Arbeiter mit Hammer in den Händen und einem Zahnrad im Hintergrund dar. Der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis möchte, dass sie erhalten und eventuell anderswo aufgestellt wird. Seitens des Investors, der Firma Fritz, steht dem nichts entgegen. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Hans-Peter Fritz, dass die Statue im Rahmen der Abrissarbeiten (weder die Figur noch das Gebäude stehen unter Denkmalschutz) abmontiert und Winfried Schweikart vom Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis kostenlos überlassen werden soll.

„Die Statue ist eine Erinnerung an Albert Hirth. Er war ein großer Erfinder und Unternehmer. Deshalb sollte sie der Nachwelt erhalten bleiben“, sagt Schweikart. Diesen Wunsch hatte der Hobby-Historiker auch schon in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats geäußert, als es um den Bebauungsplan für den Fritz-Campus gegangen war. Im Gegensatz zu Sohn Hellmuth, dem Flugpionier und Motorenkonstrukteur, für den es in Zuffenhausen ein Denkmal und eine nach ihm benannte Straße gebe, erinnere nichts an Albert Hirth. Schweikart schlägt vor, die Figur in der geplanten Grünanlage des Fritz-Campus aufstellen zu lassen und dort eine Erinnerungstafel anzubringen.

Als Unternehmer und als Erfinder erfolgreich

Geboren wurde Albert Hirth 1858 bei Brackenheim, 1922 gründete er die nach ihm benannte Firma. Bereits ein Jahr später wurde sie in eine Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 12 Millionen Reichsmark umgewandelt. Das notwendige Gelände für die neue Fabrik erwarb Hirth am Zuffenhäuser Waldrand durch Abschluss eines Erbbauvertrags auf 99 Jahre. Der Platz wurde damals als „eine Öde außerhalb des Orts“ beschrieben. Weder Strom, Gas, Wasser, noch nicht einmal einen Weg gab es dort. Bei den Verhandlungen mit Zuffenhausens damaligen Bürgermeister Max Gutenkunst versprach Hirth, „dass spätestens in 10 bis 15 Jahren hier zahlreiche Männer und Frauen Brot und Arbeit finden werden.“ So kam es dann auch: Zunächst wurden Dichtungen und Inhalationsapparate hergestellt, dann auch Kurbelwellen und Zahnräder.

Nicht nur als Fabrikant, auch als Erfinder war Albert Hirth sehr erfolgreich. Deshalb wurde er auch der „schwäbische Edison“ genannt. Er meldete mehr als 350 Patente an. Unter anderem erfand er im Alter von 73 Jahren den Vierfarbenstift mit Einhandbedienung. 1903 ersann er zusammen mit dem Heilbronner Glockengießer G.A. Kiesel die erste elektrisch betriebene Läutevorrichtung für Kirchenglocken. Sie wurde, angeblich erstmals weltweit, in der Pauluskirche eingesetzt. Seit 1919 besaß Hirth ein Patent über die Stirnverzahnung. Diese Technik gewann stark an Bedeutung und brachte der Firma sehr großen Erfolg.

Albert Hirth starb im Jahr 1935 in Nonnenhorn am Bodensee. Begraben ist er auf dem Stuttgarter Waldfriedhof. Sein Unternehmen existierte bis in die 1970er-Jahre mit der Produktion von Zahnradgetrieben. Danach zog in das Verwaltungsgebäude an der Schwieberdinger Straße 97 die Spedition Fritz ein.

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