Bereit für das Duell: Marco Huck (li.) und Firat Arslan. Foto: dpa

Sie kämpfen in der selben Gewichtsklasse, sie wollen beide an diesem Samstag (22.45 Uhr/ARD) in der Stuttgarter Schleyerhalle den WM-Gürtel gewinnen. Viel mehr haben WBO-Champion Marco Huck und Firat Arslan nicht gemeinsam.

Sie kämpfen in der selben Gewichtsklasse, sie wollen beide an diesem Samstag (22.45 Uhr/ARD) in der Stuttgarter Schleyerhalle den WM-Gürtel gewinnen. Viel mehr haben WBO-Champion Marco Huck und Firat Arslan nicht gemeinsam.

Stuttgart - Die Boxer: Marco Huck (29) ist ein Haudrauf, sein Stil erinnert an einen Kneipenschläger. Allerdings ist er dabei ungemein schlagstark und explosiv. Probleme bekommt er, wenn er selbst getroffen wird. „Dann geht sein Temperament mit ihm durch“, sagt Ex-Weltmeister Sven Ottke. Huck verliert in solchen Fällen leicht die taktische Linie, vernachlässigt die Deckung und sucht den schnellen Knockout. Gegen einen cleveren Konterboxer kann das ins Auge gehen.

Firat Arslan zählt wie Huck nicht zu den feinen Technikern des Cruisergewichts (bis 90,7 kg). Aber er marschiert bedingungslos nach vorne, setzt den Gegner permanent unter Druck und verschanzt sich selbst hinter einer Doppeldeckung. Er stützt sich auf eine Physis, die für einen 43-Jährigen außergewöhnlich ist. Allerdings hat der Rechtsausleger nicht so viel Kraft in den Fäusten wie Huck, dafür schlägt er wesentlich öfter. „Er ist boxerisch limitiert“, sagt Thomas Pütz, Chef des Bundes Deutscher Berufsboxer, „aber er hat einen eisernen Willen.“ Pütz gehörte zu den vielen Experten, die Arslan als Sieger des ersten Duells im November 2012 gesehen haben, das der Herausforderer durch ein umstrittenes Urteil nach Punkten verlor: „Ich hätte für Arslan gewertet.“

Die Typen: Marco Huck leidet nicht unter fehlendem Selbstvertrauen. „Ich bin der Champion“, sagt er, „die meisten Leute beneiden mich und wollen so sein wie ich.“ Zweifel, ob dies wirklich so ist, lässt Huck nicht zu. Er sieht sich als Star, und er zeigt auch gerne, dass er dank einer Börse von rund 750 000 Euro pro Kampf zu den bestverdienenden Boxern in Deutschland gehört. „Ich musste während der Vorbereitung auf 20 Partys verzichten“, sagt Huck, „dafür muss jetzt einer büßen – Arslan.“ Seinen Promoter Kalle Sauerland freuen diese Sprüche: „Marco ist der Böse, Firat der Gute – dieser Kampf teilt die Box-Welt.“

Luan Krasniqi, bester Freund von Firat Arslan und früher Berater von Huck, ärgert sich über solche Sätze. „Huck ist unreif wie ein kleines Kind“, sagt der Ex-Schwergewichtler, „Firat ist dagegen ein großartiger Mensch. Ich kenne keinen Sportler, der so hart für den Erfolg arbeitet.“ Der Herausforderer lebt in Donzdorf, hat sich in einer ehemaligen Fabrikhalle ein Domizil mit eigenem Boxring geschaffen. Er lebt für seinen Sport und engagiert sich sozial. Gerne erzählt er Jugendlichen, dass es lohnenswert ist, sich Ziele zu setzen und alles dafür zu tun, um diese auch zu erreichen. Arslan schöpft viel Kraft aus seinem Glauben, sein Box-Team besteht vor allem aus engen Freunden. „Sie nehmen mir alles ab. Wenn ich einen Schlag kassiere, dann tut ihnen das mehr weh als mir“, sagt er, „doch sie wissen auch, dass sie nach dem Kampf genauso auf mich zählen können.“

Die Trainer: Ulli Wegner (71) ist eine lebende Legende des Boxens, umso mehr ärgert ihn, wenn sein Schützling Marco Huck sich nicht an die vereinbarte Taktik hält – wie zum Beispiel im ersten Duell gegen Arslan. Danach wollte Wegner das Urteil lieber nicht kommentieren, jetzt sagt er: „Wenn wir nicht gewinnen, wäre das eine Katastrophe.“

Dieter Wittmann (41) war früher selbst Boxer, als Trainer hat er allerdings viel weniger Erfahrung als Wegner. Er verdient sein Geld im Daimler-Werk in Mettingen, an seinem Freund Firat Arslan schätzt er, dass auch er ein ehrlicher Arbeiter ist. „Um ihn bezwingen zu können, muss man ihm konditionell und boxerisch überlegen sein“, sagt Wittmann, „bei Huck trifft beides nicht zu.“

Für den Kampfabend an diesem Samstag in der Schleyerhalle (ab 18.20 Uhr) wurden über 10.000 Tickets verkauft. Restkarten (25 Euro) gibt es an der Abendkasse.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: