Eine umfangreiche Zahnbehandlung kostet viel Geld. Foto: dpa-tmn/Patrick Pleul

Finanzinvestoren entern die Zahnmedizin – und sorgen für große Verunsicherung unter alteingesessenen Zahnärzten.

Stuttgart - Die Zahl zahnmedizinischer Versorgungszentren (Z-MVZ) hat sich in Deutschland seit 2015 mehr als verzehnfacht. Inzwischen gibt es bundesweit bereits 909 solcher Großpraxen, die häufig Ketten bilden. 169 sind nicht in der Hand von Zahnärzten, sondern werden von nationalen oder internationalen Finanzinvestoren geführt. 33 solcher Versorgungszentren in Investorenhand sind derzeit in Baden-Württemberg tätig. Sie liefern sich einen heftigen Preiskampf mit alteingesessenen Zahnärzten.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KVZ) als Standesvertretung im Land sieht die Entwicklung kritisch, weil es an Transparenz mangle. „Übernahmen von Praxen durch Investoren werden nicht öffentlich gemacht. Patienten bekommen im Regelfall nichts davon mit und glauben, dass ihr langjähriger Zahnarzt weiterhin der Praxisinhaber sei, obwohl er in Wirklichkeit als Angestellter für eine Investmentfirma arbeitet“, sagte KZV-Vorstandschefin Ute Maier unserer Zeitung.

Maier fordert ebenso wie die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) eine Pflicht zur Offenlegung. Es müsse sichtbar werden, welcher Geldgeber hinter einem Versorgungszentrum steht. Es wäre dann vorstellbar, dass Patienten von den Versorgungszentren Abstand nehmen und sich die Gewinnerwartungen der Geldgeber nicht mehr erfüllen, so Maier. Verbraucherschützer und Krankenkassen dagegen begrüßen den Wettbewerb. Sie sehen keine Hinweise für eine Abzocke von Patienten durch Renditejäger.

Kassenzahnärzte fordern Transparenz

Auch unter dem Eindruck der Kritik der Kassenzahnärzte sind im Mai Auflagen für Investoren in Kraft getreten. Deren Marktanteile sind nun regional gedeckelt. Zudem reicht es nicht mehr, eine Klinik zu kaufen, um auf dieser Basis bundesweit Zahnzentren eröffnen zu können.

„Für Investoren ist das Geschäft schwieriger geworden, weil sie regionale Versorgungsquoten beachten müssen und zudem gegebenenfalls nicht nur eine Klinik erwerben müssen, sondern eine Klinik pro Planungsbereich, wie die KZBV meint“, erklärt der Mediziner und Jurist Alexander Ehlers. Er schließt nicht aus, dass Gerichte darüber entscheiden müssen. Auch wenn die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung Recht behalte, werde das Geschäftsmodell für Investoren nicht unattraktiver. „Sie müssen aber verstärkt überlegen, wo und wie sie mit Blick auf Kosten, Qualität und Zusammenarbeit zwischen den Standorten vernünftige Versorgungsstrukturen aufbauen“, so Ehlers.

Nach seiner Einschätzung werden weiter Investitionen getätigt. Aber es gebe „den einen oder anderen Investor, der die Braut jetzt schnell hübsch macht, um sie mit hohem Gewinn zu verkaufen“. Das sei „absolut schädlich“. Die Zahnmedizin brauche nachhaltig tätige Investoren, um die Versorgung langfristig zu sichern.

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