Auch wenn es altmodisch klingt, so empfehlen Experten immer noch das Haushaltsbuch, um einen guten Überblick über die eigenen Einnahmen und Ausgaben zu behalten. Foto: Fotolia/©fovito

Wer am Ende des Monats auf seinen Kontostand schaut, ist oft überrascht: Wo ist nur das ganze Geld hin? Diese Tipps helfen, einen guten Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten.

Stuttgart/Hohenheim - Die Rechnung ist eigentlich kinderleicht: Einnahmen minus Ausgaben – und schon hat man den Betrag, über den man monatlich verfügen kann. Doch offensichtlich ist es nicht ganz so einfach, wie es klingt. „Gerade beim bargeldlosem Bezahlen fällt es vielen schwer, den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten“, sagt Katharina Brugger von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Tatsächlich verschulden sich junge Leute heute öfter als noch vor drei Jahren. Laut einer Studie der GfK für den Bundesverband Deutscher Banken hat knapp jeder dritte (31 Prozent) der 14- bis 24-Jährigen schon einmal Schulden gemacht – meist um sich ein Smartphone oder ein anderes technisches Gerät anzuschaffen.

Es fehlt am Gespür für das Haushalten, sagen Experten wie Rainer Hufnagel, Privatdozent für Haushalts- und Konsumökonomik sowie Genderökonomik und Lehrbeauftragter der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Uni Hohenheim. In den Schulen rücken so lebensnahe Dinge wie Haushaltsführung mehr und mehr in den Hintergrund. Der Umgang mit Geld und vor allem der Umgang mit Knappheiten sei nicht mehr zentraler Bestandteil der Lerninhalte, sagt Hufnagel. „Dabei ist es wichtig, mal zu erfahren, wie es ist, wenn man ein begrenztes Budget hat – egal ob es um Geld, Zeit oder Sachwerte geht.“

Wer einen Haushalt führen will, braucht Disziplin

Wer mehr ausgeben will, muss zuvor sparen. Und auch das will gelernt sein: „Kinder müssen altersgerecht ermutigt werden, auch an später zu denken.“ Es braucht dafür eine gewisse Disziplin – auch seitens der Eltern. Sie müssen den Kindern vorleben, was es heißt, wichtige Entscheidungen zu treffen: Wie teilt man sein Geld ein, was muss man beim Abschluss von Verträgen beachten, und wie sorgt man für das Alter vor? Einen Haushalt zu führen, so Hufnagel, sei eben keine Bagatelle.

Auch wenn es altmodisch klingt, so empfehlen Experten immer noch das Haushaltsbuch, um einen guten Überblick über die eigenen Einnahmen und Ausgaben zu behalten. Wer es in Papierform führen will, sollte verschiedene Spalten anlegen – etwa für Sparen, Versicherungen, Auto, Urlaub, Kleidung, Wohnen. Dann braucht es noch die zwei Spalten, in denen notiert wird, wie viel Geld schon ausgegeben wurde und wie viel vom Budget noch übrig ist. „Kosten für Miete und den Strom sollte man immer als Erstes begleichen“, sagt Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Es gibt auch vorgedruckte Haushaltsbücher

Vorgedruckte Bücher hält unter anderem die Verbraucherzentrale bereit. Inzwischen gibt es aber auch spezielle Computerprogramme oder Apps für Smartphones. Mit diesen können die Besitzer ihre Ausgaben schon unterwegs ins Handy eintippen.

Wichtig ist in jedem Fall, die Ausgaben schnell einzutragen. Bestenfalls täglich, mindestens einmal die Woche, raten Finanzexperten. Die Mühe kann sich durchaus lohnen, sagt die Verbraucherschützerin Katharina Brugger: „Sparpotenzial gibt es fast immer.“

Das Haushaltsbuch der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg mit vielen Spartipps ist für 7,90 Euro erhältlich: www.ratgeber-verbraucherzentrale.de

So spart man Haushaltskosten ein

1. Seine Rechte beim Einkauf kennen

Blöd, wenn das Weihnachtsgeschenk dem Bedachten nicht gefällt. Aber man kann es ja umtauschen – so denken viele. „Ein Umtauschrecht hat der Gesetzgeber jedoch nicht vorgesehen“, sagt Katharina Brugger von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Das funktioniert nur, wenn der Händler schon beim Kauf dies zugebilligt hat.“ Daher sollte man dies beim Bezahlen absprechen und vermerken lassen.

2. Keine dubiosen Nebenjobs

Viele Firmen locken in Inseraten mit scheinbar lukrativen Nebenjobs. Doch Vorsicht, warnt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Bei dubiosen Anbietern sind die Jobs nur vage oder gar nicht beschrieben. Oder aber Interessenten müssen vorab Waren kaufen, um sie später weiterzuverkaufen. Und oft ist die Ware nicht ihren Preis wert. Seltsam ist es auch, wenn von der Firma in Anzeigen nur Chiffrenummern, Postfachadressen oder Telefonnummern angegeben werden.

3. Kostenbremse im Kopf

Wie viel Geld man im laufenden Monat tatsächlich zur Verfügung hat, lässt sich mit der Übertragsseite leicht ermitteln: einfach die Summe der festen Ausgaben von der Summe der Einnahmen abziehen. Diesen Betrag durch die Anzahl der Tage des jeweiligen Monats dividieren – so weiß man, wie viel man pro Tag ausgeben darf, um das Guthaben nicht ins Soll zu treiben. 

4. Rechtzeitig überweisen

Das Geld für unregelmäßige Ausgaben sollte man am besten auf ein Tagesgeldkonto oder ein Sparbuch überweisen, damit man zu den Fälligkeitsterminen das Geld auch wirklich parat hat. „Man kann auch Monate mit besonders hohen Belastungen einplanen, in denen man dann an anderer Stelle spart, um die unregelmäßigen Spitzen zu bestreiten“, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

5. Null-Prozent-Finanzierung

Mit der Null-Prozent-Finanzierung lassen sich viele Neuanschaffungen finanzieren, ohne einen Gedanken an die Zinsbelastung durch das Abstottern in Raten zu verlieren. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass die Ware auch günstig erworben wird: Denn das zinslos Gekaufte kann bei anderen Händlern billiger sein. Man sollte sich nicht durch die kleinen Raten vom Kaufpreis ablenken lassen.

6. Nur wichtige Versicherungen laufen lassen

Nicht alle Versicherungen, die man abgeschlossen hat, sind notwendig. „Man sollte seinen Versicherungsschutz nach dem GAU-Prinzip überprüfen“, sagt Katharina Brugger von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ein Muss ist die private Haftpflichtversicherung, abgesichert werden sollten auch die Risiken Tod und Invalidität. „Überprüfen Sie, ob diese bedarfsgerecht sind und wechseln sie gegebenenfalls den Anbieter.“

7. Vorsparen statt Kredit

Bevor man sich für einen Kredit entscheidet, sollte man erst die Möglichkeit des Vorsparens in Betracht ziehen, um die Kreditkosten zu umgehen. Man kann auch versuchsweise ausprobieren, ob die Haushaltskasse eine monatliche Ratenbelastung verkraftet, indem man den Betrag für drei Monate zur Seite legt. Grundsätzlich sollte aber man Kreditvermittler meiden, weil deren Angebote aufgrund der Provision teurer sind.

8. Zuzahlungen im Auge behalten

Gesetzlich Krankenversicherte müssen für Rezepte und therapeutische Behandlungen Zuzahlungen leisten: zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens – so lautet die Belastungsgrenze. Bei chronisch Kranken ist es ein Prozent. Deshalb lohnt es sich, alle Quittungen bei Zuzahlungen aufzubewahren. Denn ist die Belastungsgrenze erreicht, kann bei der Krankenkasse ein Antrag auf Befreiung von Zuzahlungen gestellt werden.

9. Online-Apotheken vergleichen

Bei nichtrezeptpflichtigen Medikamenten bieten Online-Apotheken Sonderkonditionen von bis zu 30 Prozent. Solche Angebote sind vor allem für chronisch Kranke interessant. Achtung: Hohe Versandkosten können eine Ersparnis beim Internetkauf wieder zunichte machen. Auch bei einem akut benötigten Medikament sind Bestellungen über eine Versandapotheke wegen längerer Lieferzeiten nicht sinnvoll.

10. Richtig heizen

Man kann schon mit ein bisschen weniger Heizen einiges an Geld sparen, heißt es bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Schon ein Grad weniger spart bis zu sechs Prozent der Heizenergie ein“, sagt die Sprecherin Katharina Brugger. Als Richtmaß gilt: Wohnzimmer 22 Grad, Schlafzimmer 16 bis 18 Grad, Kinder- und Arbeitszimmer 20 Grad, Küche zwischen 18 und 20 Grad, Bad 24 Grad, Klo und Flur 15 Grad.

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