Laible & Frisch: Die beiden Darsteller Winfried Wagner und Simon Licht Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die 23. Filmschau Baden-Württemberg ist am Mittwoch mit der schwäbischen Mundart-Komödie „Laible & Frisch“ eröffnet worden. Deren Produzent Frieder Scheiffele fordert mehr Wertschätzung.

Stuttgart - Wenn Äffle und Pferdle in mannshoher Ausführung vor dem Stuttgarter Kino Metropol umherstapfen und nicht nur Kinderaugen sich weiten, hat nicht etwa der Wahnsinn letztgültig Einzug in die Stadt gehalten, sondern die 23. Filmschau Baden-Württemberg. Am Mittwoch eröffnete man das Festival mit dem offiziell erst am 28. Dezember startenden Streifen „Laible & Frisch – Do goht dr Doig“.

Ungeniert wurde mit typisch schwäbischer Bodenständigkeit auf allen Seiten von einer „Weltpremiere“ gesprochen. Eine solche war es freilich auch, wenngleich die angesprochene Welt respektive das Einzugsgebiet der Zielgruppe an den Grenzen Württembergs endet. „Laible & Frisch“, die Geschichte über den eingesessenen Traditionsbäcker Walter Laible (Winfried Wagner) und den neigschmeckten Konkurrenten Manfred Frisch (Simon Licht), begeisterte mit schwäbischer Mundart zunächst als Serie, später als Theaterstück und soll die Anhänger nun auch zum Kinogang bewegen. 50 000 Euro haben die Fans bereits bei einem Crowdfundings zugeschossen.

Roter Teppich nebst Blasmusik

Bewegt wurden am Mittwoch zumindest die Verantwortlichen: Den roten Teppich hatte man ausgerollt, Schauspieler, Förderer und der Regisseur Michael Rösel wurden vorgefahren. Zuvor hatten dort drei Musiker der eigentlich sechsköpfigen Band Erpfenbrass gespielt, die auch den Soundtrack zum Film beigesteuert hat. Tuba, Posaune und Bass, die im Freien bei zwei Grad Celsius vor der akustischen Kulisse der Bolzstraße „Auf der Vogelwiese ging der Franz“ dudeln – selten bot sich Stuttgart ein traurigerer ­Anblick dar.

Heiterer ging’s zu, als das Ensemble um Walter Schultheiß und Ulrike Barthruff ­anrückte. Die beiden Hauptdarsteller ­Simon Licht und Winfried Wagner scheinen sich in puncto Duktus und Diktion kaum von ihren Rollen zu unterscheiden, verstehen sich aber im echten Leben wesentlich besser: „Eine echte Männerfreundschaft“, sagt Licht. Auch Monika Hirschle, die die trinkfeste Friseurin Uschi Stammer mimt, schaute auf dem Weg zur benachbarten Komödie im Marquardt rasch vorbei, wo derzeit „Em Charley sei Tante“ zu sehen ist – die schwäbische Fassung schrieb Hirschle. Im Kinofilm, so viel sei verraten, zitiert sie den wohl bekanntesten Spruch der Serie als Hommage: „Säufsch, stirbsch! Säufsch net, stirbsch au! Also säufsch!“

Das S-21-Disaster hinderte OB Kuhn am erscheinen

Der Produzent Frieder Scheiffele musste nicht herankutschiert werden. Er war ­bereits vor Ort, wohnte er doch vorher einer Podiumsdiskussion bei, bei der er eine höhere Wertschätzung der Arbeit der Filmemacher forderte. Seitens der Politik höre er ab und an die Frage: „Sind Sie Künstler oder wollen Sie Geld damit verdienen?“.

Apropos Politik: OB Fritz Kuhn konnte leider nicht erscheinen, musste er doch den „schlechten Tag für Stuttgart“ anlässlich des nächsten desaströsen Kapitels des Geniestreichs Stuttgart 21 verkünden.

Liebe Grüße ausrichten durfte deshalb der Sicherheits-, Ordnungs- und Sportbürgermeister Martin Schairer, ehe der Festivalleiter Oliver Mahn dankend seine Sponsorenliste vorlas und die Weltpremiere ihren Lauf nahm.

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