Für 2021 sind unter den Volks- und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg sieben weitere Zusammenschlüsse geplant. Die Coronakrise haben die Institute bislang gut überstanden.
Frankfurt/Stuttgart - Nach sieben Fusionen im vergangenen Jahr rechnet der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) 2021 mit einer weiteren Konsolidierung. Auch für das laufende Jahr seien sieben Zusammenschlüsse geplant, teilte der Verband am Donnerstag mit. Aktuell gibt es in Baden-Württemberg noch 159 Volks- und Raiffeisenbanken. Das sind acht weniger als im Vorjahr, weil sich vor den Toren Stuttgarts gleich drei Institute zusammentaten: Die Volksbanken Esslingen und Kirchheim-Nürtingen fusionierten mit der Berkheimer Bank zur Volksbank Mittlerer Neckar.
Mehr als 100 Filialen fielen der Schrumpfkur zum Opfer
Mit der Zahl der Genossenschaftsbanken schrumpfte 2020 auch das Filialnetz: Die Zahl der klassischen Zweigstellen sank von 1629 auf 1470. Von den 159 geschlossenen Zweigstellen wurde nur ein Teil durch SB-Filialen ersetzt; deren Zahl stieg landesweit um 34 auf 745.
Der Schrumpfprozess dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen: Die unter anderem durch Zinswetten in Bedrängnis geratene Volksbank Heilbronn soll bei der VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim unterschlüpfen. Die Volksbank Bruhrain-Kraich-Hardt will sich mit der Volksbank Kraichgau zusammenschließen, auch die Volksbanken in Baden-Baden Rastatt und Karlsruhe planen eine Fusion.
Die übrigen Fusionsprojekte betreffen die Volksbanken Stutensee-Weingarten und Bruchsal-Bretten, die Raiffeisenbank Vordersteinenberg und die Volksbank Welzheim, die Volksbanken Vorbach-Tauber und Main-Tauber sowie die VR-Bank Schopfheim-Maulburg und die Volksbank Dreiländereck in Lörrach.
Sinkende Zinserträge und steigende Kosten
Die Zahl der Genossenschaftsbanken geht auch bundesweit seit Jahren zurück. Ein Grund dafür ist die nach der Finanzkrise verschärfte Regulierung: Der damit verbundene Personal- und Kostenaufwand stellt kleine Kreditinstitute vor Probleme. Hinzu kommt, dass sich Genossenschaftsbanken und Sparkassen auf das Geschäft mit Krediten und Einlagen konzentrieren. Deshalb leiden sie noch stärker als die Privatbanken unter den niedrigen Zinsen.
Obwohl die baden-württembergischen Genossenschaftsbanken die Kreditvergabe im Coronajahr 2020 ausweiteten, sank der Zinsüberschuss um 3,1 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis schrumpfte um 4,6 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Kreditausfälle aufgrund der Coronakrise seien bislang kaum zu beobachten, erklärte BWGV-Präsident Roman Glaser. Die 2020 gebildete Risikovorsorge liege daher nur leicht über dem Vorjahresniveau. Unter dem Strich erwarte man einen Jahresüberschuss in ähnlicher Höhe wie 2019 – damals hatte er bei 325 Millionen Euro gelegen.
Kreditausfälle dürften zunehmen
Für das laufende Jahr befürchtet der BWGV indes einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 20 bis 30 Prozent. „Wir brauchen schnellstmöglich eine Öffnung aller Branchen, wo immer das epidemiologisch vertretbar ist“, sagte Glaser.